FernUniversität kämpft gegen Überlast

„Eine weitere Steigerung der Studierendenzahl ist bei gleicher Qualität in der Ausbildung für unsere Lehrgebiete nicht weiter zu verkraften“, unterstreicht Rektor Prof. Helmut Hoyer.


Größte Hochschule Deutschlands entlastet besonders stark betroffene Fächer

Die FernUniversität in Hagen hat ihre Belastungsgrenze erreicht. Mit im Wintersemester 2013/14 über 88.000 Studierenden ist sie nicht nur die größte Hochschule Deutschlands. Sie ist auch bezogen auf die Zahl ihrer Professuren eine der erfolgreichsten. Denn die 87 Professorinnen und Professoren verhelfen im Schnitt je fast 30 Studierenden jährlich zu ihrem Abschluss. Das ist in Deutschland ebenfalls Spitze. „Aber eine weitere Steigerung der Studierendenzahl ist bei gleicher Qualität in der Ausbildung für unsere Lehrgebiete nicht weiter zu verkraften“, unterstreicht Rektor Professor Dr.-Ing. Helmut Hoyer.

Deshalb hat die FernUniversität bereits mit den verschiedenen ihr zur Verfügung stehenden Steuerungsinstrumenten für eine Entlastung der besonders stark betroffenen Fächer gesorgt. So wurde vom Rektorat die Einrichtung von zehn zusätzlichen Professuren beschlossen, beispielsweise in der Psychologie, der Wirtschaftswissenschaft, der Rechtswissenschaft und den Bildungswissenschaften. Darunter sind drei Professuren, die von der FernUniversität aus eigenen Mitteln finanziert werden. Für sieben weitere Professuren werden durch eigene Zwischenfinanzierung die aktuell notwendigen Ressourcen bereitgestellt. Zur Unterstützung der Professuren wurden auch nahezu 100 Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschaffen, um die Studierenden ausreichend betreuen zu können. Da die dafür benötigten Gelder aus dem Hochschulpakt kommen, ist die Finanzierung nur bis 2017 gesichert.

Vor diesem Hintergrund hat die FernUniversität begonnen, analog zu Präsenzuniversitäten auch für die Fernlehre eine Kapazitätsrechnung zu entwickeln, um die tatsächlichen Belastungsgrenzen für das wissenschaftliche Personal zu ermitteln. Das Rektorat erhofft sich mithilfe eines solchen Instrumentes nachvollziehbare Argumente für den politischen Dialog.

Um die Qualität zu sichern und den Erwartungen der Studierenden an einen geregelten Studieneinstieg besser gerecht werden zu können, hat die FernUniversität darüber hinaus den Zeitraum für die Einschreibung und Rückmeldung gestrafft und den Zeiten an Präsenzhochschulen angepasst. Seit dem Sommersemester 2014 können Studieninteressierte sich also auch in Hagen für das Sommersemester vom 01.12. – 31.01. (Studienbeginn ab April) und für das Wintersemester vom 01.06. – 31.07. (Studienbeginn ab Oktober) immatrikulieren und Studierende sich rückmelden. Die Möglichkeit zur gebührenpflichtigen Nachmeldung entfällt. Auf diese Weise beginnt das Semester für alle Studierenden an der FernUniversität gleichzeitig, was auch die Zusammenarbeit der Studierenden miteinander deutlich erleichtert.

„Zugleich ist dieser Schritt ein deutliches Signal an die Politik, dass unsere Kapazitäten bis an die Grenze ausgelastet sind und bei weiteren Steigerungen Qualitätseinbußen drohen“, erklärt Hoyer. Deshalb ist der Rückgang der Studierendenzahlen um insgesamt etwa zehn Prozent (endgültige Zahlen liegen erst am 15. Mai vor) im Vergleich zum vorherigen Semester eine Chance zum Atemholen. Bei den Rückmeldungen ist die Zahl um lediglich ein Prozent zurückgegangen. „Wir gehen aber davon aus, dass das nur eine Atempause ist und wir dennoch nach weiteren nachhaltigen Finanzierungswegen suchen müssen“, sagt Hoyer.

Susanne Bossemeyer | 27.03.2014