Fotos erzählen persönliche Geschichten in Schwarz-Weiß

Bernd Müller portraitiert bevorzugt Menschen in ihrer vertrauten Umgebung. Eine Bandbreite seiner anspruchsvollen Arbeiten ist in den Seminarräumen der HÜF NRW in Hagen zu sehen.


Mitarbeiter aus der Fakultät KSW stellt im Tagungszentrum HÜF aus

Illustration Ein Paar liegt im Bett und eine ältere Frau sitzt am Schreibtisch
Bernd Müllers Schwarz-Weiß-Fotos haben eine besondere Ästhetik.

Bernd Müller sieht seine Welt am liebsten schwarz-weiß. „Farbe lenkt ab und ist zu stark Modetrends unterworfen.“ Ohne dominierendes Blau oder Rot bleibt der Blick freier – etwa auf die atmosphärischen Inhalte seiner S/W-Fotos. Unter dem Titel „Beautiful people“ zeigt FernUni-Mitarbeiter Bernd Müller bis September eine Auswahl seiner Arbeiten in den Seminarräumen der Hochschulübergreifenden Fortbildung (HÜF) NRW in Hagen, einer Stabsstelle der Kanzlerin der FernUniversität in Hagen.

„Beautiful people“ – Bernd Müllers Fotos strahlen Intensität aus, die von ihm Portraitierten begegnen den Betrachtenden unverstellt und offen. Der 47-Jährige, der hauptberuflich im Zentralbereich der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften arbeitet, legt den Fokus in seinen Fotos auf Gesichter und Körper. Durch die Schwarz-Weiß-Aufnahmen ergeben sich besondere Lichtverhältnisse. „Es sind Lichtstudien“, so Müller.

Das Leben „authentisch inszeniert“

Die im HÜF ausgestellten Fotos stammen größtenteils aus der Serie „at home“. Seit zehn Jahren verfolgt Müller das Projekt „at home“, bei dem er Menschen in ihrer vertrauten Umgebung portraitiert. Diese Vertrautheit spiegelt sich in den Fotos wieder. „Ich fotografiere Menschen zuhause, weil das etwas über die Leute erzählt“, sagt Bernd Müller. „Man erfährt, in welcher Umgebung sie wohnen. Ich möchte dabei das Leben ,authentisch inszeniert‘ festhalten. Das ist eines meiner großen Themen.“

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Freuen sich über die gelungene Ausstellung: (v.li.) Hans-Werner Engel, Kerstin Herzog, Cornelia Wissemann und Bernd Müller.

Die Ausstellung ist bis 21. September im Trainingszentrum der Hochschulübergreifenden Fortbildung NRW (HÜF-NRW), Lennestr. 89a, 58093 Hagen zu sehen. Termine sollten telefonisch vereinbart werden: Cornelia Wissemann, Tel. 02331 – 987 4717. Der Eintritt ist frei.

Weitere Fotos von Bernd Müller

Die Geschichten aus den Bildern werden über Requisiten erzählt: über das Jimi-Hendrix-Plakat an der Wand, das abgestellte Skateboard, die Gitarre. „Crissula“, eine Frau mit beeindruckenden Locken, lehnt locker am Türrahmen. „Das ist eines meiner Lieblingsfotos“, kommentiert Müller. In der Regel hat er Menschen vor der Kamera, die er nicht kennt. Trotzdem lassen sie sich in Alltagssituationen ablichten – oder in intimen Momenten. Denn Müller hat sich auch der Aktfotografie verschrieben. Sie transportieren Nacktheit sehr subtil, vieles bleibt angedeutet. Die Konstruktion passiert im Kopf. „Das Licht spielt hier ebenfalls eine große Rolle. Licht auf einem nackten Körper ist immer was Besonderes.“ Manchmal arrangiert er seine Fotos auch an besonderen Orten – etwa auf der ehemaligen Hochofenanlage Phoenix-West in Dortmund –, im Studio oder in Ballettsälen.

„Bernd Müllers Fotos stecken voller Emotionen. Weil es ihm gelingt, Vertrauen zu den Menschen zu gewinnen. Dann öffnen sie sich“, beschreibt Hans-Werner Engel, der Bernd Müller seit vielen Jahren kennt und inzwischen einige seiner Ausstellungen als Einführungsredner begleitet hat. Beide sind aktiv im Freundeskreis Hagen – Smolensk, einem Partnerschaftsverein. In Hagens russischer Partnerstadt Smolensk hat Müller vor vier Jahren eine Ausstellung bestückt.

Halbjährliche Ausstellungen in der HÜF

Zur aktuellen Ausstellungseröffnung projizierte die HÜF Müllers Arbeiten zusätzlich großformatig an die Wand und nutzte die komplette Ausstattung an Computermonitoren für eine Diashow, bei der die Motive fortlaufend von einem Bildschirm zum nächsten ,wanderten‘. „Wir freuen uns, dass Bernd Müller nach acht Jahren nun zum zweiten Mal bei uns ausstellt“, sagte Kerstin Herzog, Leiterin der HÜF. „Nach Malerei haben wir jetzt für ein halbes Jahr die Fotos hängen.“ Von Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern gibt es für diese anregende Arbeitsumgebung immer wieder positive Reaktionen. „Das Konzept behalten wir gern bei. Zu Anfangs haben wir Künstlerinnen und Künstler angesprochen, inzwischen kommen sie auf uns zu.“

Außer Bernd Müller. Ihn hat das HÜF-Team gebeten. Er drängt ungern nach vorn und lässt lieber seine Fotos für sich sprechen.

Anja Wetter | 27.03.2014