Gehen und doch ein bisschen bleiben

Prof. Peter Brandt bleibt der FernUniversität als Institutsdirektor verbunden. Sie ist nicht nur ein quantitativer Teil seines Lebens: „Ich habe ihr viel zu verdanken.“


An der FernUniversität zum „Überzeugungstäter“ geworden

Illustration Publikum Verabschiedung Prof. Dr. Peter Brandt
Das Publikum stimmte in die Lieder ein, die während der Abschiedsvorlesung von Prof. Dr. Peter Brandt gesungen wurden.

Er geht, aber er geht nicht so ganz: Mit der Vorlesung „‚Das Volk‘ – Zur Geschichte eines umstrittenen Begriffs“ verabschiedete sich Prof. Dr. Peter Brandt, einer ihrer bekanntesten Wissenschaftler, von der FernUniversität in Hagen und seinem Lehrgebiet Neuere Deutsche und Europäische Geschichte. Wenige Tage später entließ ihr Rektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer ihn mit herzlichem Dank aus dem aktiven Dienst. Für Peter Brandt ging damit eine schöne Ära zu Ende, die immerhin etwa ein Drittel seiner Lebenszeit ausmachen dürfte: „Die FernUniversität ist aber nicht nur ein quantitativer Teil meines Lebens – ich habe ihr viel zu verdanken.“ Verbunden bleibt er der Hagener Hochschule als Direktor ihres Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften, das von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften gemeinsam getragen wird.

Aushängeschild der Hochschule

Rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörer aus Nah und Fern ließen es sich nicht nehmen, den letzten Vortrag von Prof. Dr. Peter Brandt zu besuchen – Kolleginnen und Kollegen aus allen Hagener Fakultäten, Emeriti, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Familienmitglieder, Freundinnen, Freunde und Weggefährtinnen und Weggefährten. Viele von ihnen sahen die FernUniversität zum ersten Mal, für die Brandt zu einem Aushängeschild geworden ist, seitdem er 1990 zu ihr kam. Zeit genug, das System FernUniversität zu verinnerlichen und die Hochschule als Botschafter bekannt zu machen. Und um sich in den Jahren 2011 bis 2013 in ihrem Hochschulrat für sie zu engagieren.

Illustration Abschied Prof. Dr. Peter Brandt und Rektor Prof. Dr.-ing Helmut Hoyer
Der offizielle Part des Abschieds: Prof. Peter Brandt (re.) erhält seine Abschiedsurkunde von Rektor Prof. Dr.-Ing Helmut Hoyer.

Genau genommen begann Peter Brandt schon 1989 als Vertreter einer Professur mit seiner Tätigkeit in Hagen: „Ich hielt die FernUniversität für ein interessantes Experiment.“ Seine anfängliche zweifelnde Frage „Kann man ein Fach wie unseres in der Fernlehre unterrichten?“ konnte er, so bekennt er heute, mit einem klaren „Ja!“ beantworten: „Ich bin sogar Überzeugungstäter geworden.“ Und, so Rektor Prof. Hoyer, ein „Botschafter“ der FernUniversität. Das lag nicht zuletzt an den Studierenden und den Promovendinnen und Promovenden im Historischen Promotionskolleg, bei dem Peter Brandt seit 1999 eine der treibenden Kräfte war.

Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit waren Nationalismus und bürgerlicher Wandel und Vergleichende europäische Verfassungsgeschichte seit dem 18. Jahrhundert, Geschichte der Arbeiterbewegung und des Sozialismus und die Deutsche Frage, besonders nach 1945. Sein wissenschaftliches Hauptprojekt der letzten Jahre war das „Handbuch der europäischen Verfassungsgeschichte.

Sachlich-wissenschaftliche Auseinandersetzung

Für den Dekan der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, Prof. Dr. Thomas Bedorf, ist Peter Brandt ein Wissenschaftler, dem es nicht zuletzt an der sachlich-wissenschaftlichen Auseinandersetzung gelegen ist. Er freute sich, dass diese Abschiedsvorlesung im Rahmen der „wissenschaftsgespräche“ seiner Fakultät unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs stattfand. Die Freude von Prof. Dr. Hubertus Busche, der die Veranstaltung moderierte, wurde „etwas traurig eingefärbt“, weil ein „hochkarätiger Repräsentant der deutschen Öffentlichkeit“ nunmehr die Hochschule verlassen würde.

Seine freie Zeit gehört der Familie, dem Joggen und Wandern. Und er singt gern. Am Schluss seiner Abschiedsvorlesung verteilten Freundinnen und Freunde aus Berlin Liederzettel und forderten zum gemeinsamen Singen auf – und Peter Brandt sang kräftig mit, u.a. ein demokratisches, rebellisches Lied aus dem Vormärz. Eine weitere Überraschung hielten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – „Das Lehrgebiet ist meine zweite Familie“, so Brandt – bereit: eine Festschrift. Da er wenig Aufhebens um seinen 65. Geburtstag gemacht hatte, war seine Abschiedsvorlesung ihrer Meinung nach die richtige Gelegenheit, sie zu überreichen.

Apropos: Wann hat der Sohn des Regierenden Berliner Bürgermeisters Willy Brandt, der Politik hautnah im Elternhaus erlebte, die Kuba/Berlin-Krise, die Stimmung in der geteilten Stadt, der eine wichtige Figur der Außerparlamentarischen Opposition war, eigentlich Geburtstag? Am 4. Oktober, einen Tag nach dem Tag der Deutschen Einheit…

Gerd Dapprich | 18.03.2014