Fakten statt Schmucksteine

Unter www.fernuni-hagen.de/at-medien können sich blinde und sehbehinderte Menschen komfortabel über das Studium an der Hochschule in Hagen informieren.


Neue Internetseite der FernUniversität für blinde und sehbehinderte Studierende

Illustration Jutta Clauder-Hoemberg ist als Assistentin das ,verlängerte Auge' von Richard Heuer, der zum Lesen am Computer auch eine Braillezeile nutzt. In der Braillezeile drücken sich kleine Stifte nach oben und bilden jeweils eine Zeile des Textes in der Punktschrift ab.
Jutta Clauder-Hoemberg ist als Assistentin das ,verlängerte Auge' von Richard Heuer, der zum Lesen am Computer auch eine Braillezeile nutzt. In der Braillezeile drücken sich kleine Stifte nach oben und bilden jeweils eine Zeile des Textes in der Punktschrift ab.

Surfen, chatten, Informationen suchen – mit wenigen Klicks lässt sich die Welt des Internets umrunden. Zumindest für die meisten Studierenden an der FernUniversität, an der virtuelle Dienste wesentliche Bausteine im Lehr- und Lernsystem sind. Für blinde oder sehbehinderte Menschen ist es schon schwieriger. Das fängt bereits an, wenn sie sich für ein Studium an der Hagener Hochschule interessieren. Deshalb hat der Arbeitsbereich Audiotaktile Medien, der zum Zentrum für Medien und IT (ZMI) gehört, ein neues Webangebot für Blinde und Sehbehinderte konzipiert. Hier sind wesentliche Informationen rund um das Fernstudium speziell aufbereitet.

Sehende werden durch Schrift, Bilder und Logos über die Seite www.fernuni-hagen.de geführt und können sich schnell orientieren. „Wer sich als Blinder eine Webseite angucken möchte, muss sie mit Hilfe einer Braillezeile von oben links nach unten rechts durchlesen. Oder er lässt sie sich von einem Screenreader vorlesen, um sich zu orientieren. Währenddessen muss man sich aber merken, welcher Link zu welchem Thema führt“, sagt Richard Heuer. Keine einfache Aufgabe. Heuer kennt das aus eigener Erfahrung: Er ist in den 1960er-Jahren als Kind erblindet. Der Diplom-Politologe und Diplom-Pädagoge arbeitet seit 1984 an der FernUniversität und leitet den Arbeitsbereich Audiotaktile Medien (AT).

Kurz, übersichtlich und informativ

„Wir wollten die Internetseite für die Zielgruppe der Blinden und Sehbehinderten schon lange umbauen“, erzählt Heuer. „Allein die gesetzliche Vorgabe der Barrierefreiheit gab uns einen Impuls dazu.“ Wer sich nun auf www.fernuni-hagen.de/at-medien bewegt, findet stark reduzierte Seiten vor. Sie folgen dem Grundsatz: kurz, übersichtlich und trotzdem informativ. Dabei sind die Internetseiten so dynamisch wie möglich, ohne viele feste Vorgaben angelegt. Denn: „Sehbehinderung ist nicht gleich Sehbehinderung. Interessierte sollen sich möglichst viel selbst einstellen können, etwa Schriftgröße und Kontrast“, sagt Richard Heuer. Bei einigen wenigen Links ist es geblieben, Bilder und Grafiken dagegen fehlen komplett. „Es zählen Fakten, keine Schmucksteine“, sagt dazu Angela Trothe-Voß, die als studierte Germanistin unter anderem das neue Webangebot betreut.

Illustration Angela Trothe-Voß am Computer
Angela Trothe-Voß betreut im Bereich Audiotaktile Medien unter anderem das neue Webangebot für blinde und sehbehinderte Studierende.

Überschriften strukturieren Seiten

Zu den wichtigen Fakten zählen Beratung, Kursangebot, Termine, Gebühren, Prüfungen, das Inklusionsstipendium und Ansprechpersonen. Die jeweiligen Inhalte dazu liegen unter einem der Links am linken Seitenrand. „Es darf auf Internetseiten nicht zu viele Hierarchien geben, sonst verlieren sich Blinde und Sehbehinderte“, ergänzt Heuer einen wichtigen Aspekt. „Deshalb haben wir die Seiten über Überschriftenebenen strukturiert.“

Auf Seiten mit längeren Texten wiederum gibt es am Seitenkopf eine Linkliste, über die Studierende mit einem Klick in das gewünschte Kapitel springen können. Da viele Blinde und Sehbehinderte die Tastatur anstelle der Maus benutzen, sind in dem neuen FernUni-Angebot Shortcuts hinterlegt. „Wir haben es so angelegt, dass der Screenreader die entsprechenden Tastenkombinationen vorliest“, erläutert Trothe-Voß. Unter Umständen sind die Finger auf der Tastatur dann flinker als die Hand an der Maus. Die gängigen Shortcuts funktionieren ohnehin immer. „Um den Windows-Explorer aufzurufen, braucht man nur den Shortcut aus Windowstaste und E“, verrät Jutta Clauder-Hoemberg, Assistentin und ,verlängertes Auge‘ von Richard Heuer.

Der Arbeitsbereich AT unterstützt in erster Linie blinde und sehbehinderte Studierende an der FernUniversität mit speziell aufbereiteten Studienbriefen. Diese Studierenden können sich grundsätzlich in alle Studienfächer einschreiben.

Weitere Informationen

Anja Wetter | 21.03.2014