Eine Zeitreise in das Jahrhundert der Bürgerlichkeit

Der neue Film „Bürgerlichkeit im 19. Jahrhundert" zeichnet mit Aufnahmen von Schauplätzen und Statements ein facettenreiches Bild der damaligen bürgerlichen Gesellschaft nach.


Historischer Dokumentarfilm der FernUniversität wird künftig in der Lehre eingesetzt

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Dr. Eva Ochs und Dr. Friedrich-Wilhelm Geiersbach (2.v.r.) präsentieren den neuen Dokumentarfilm der FernUni vor dem Hagener Hohenhof. Sascha Senicer (l.), Alexander Reinshagen (r.) sowie Jennifer Dahlke und Ulrike Martin (nicht im Bild) waren maßgeblich an der Produktion beteiligt.

Das schmucke Silber-Service der Familie Osthaus, die Jugendstil-Einrichtung in den repräsentativen Wohnräumen, das mit Reliefs geschmückte Hauptportal: Es sind Bilder, die auf eine Zeitreise durch das Jahrhundert des Bürgertums einstimmen. Gedreht wurden sie im Hagener Hohenhof und genau dort feierte jetzt auch der neue historische Dokumentarfilm „Bürgerlichkeit im 19. Jahrhundert“ der FernUniversität in Hagen Premiere.

Premiere in Hagens bürgerlichstem Haus

Regisseur Dr. Friedrich-Wilhelm Geiersbach hat in der einstigen Familienvilla des Hagener Kunstmäzens Karl Ernst Osthaus mit seinem Team vom Zentrum für Medien und IT (ZMI) schon für einen früheren Film gedreht. Für das jüngste Werk setzt er hingegen auf neue, unverbrauchte Bilder, kehrte aber mit der Wahl von „Hagens bürgerlichstem Haus“ als Vorführungsort zu bewährter Kulisse zurück. Die könnte passender nicht sein: Selbstbewusste und wohlhabende Bürgerlichkeit zeigte sich auch im Bau repräsentativer Wohnsitze. Und dafür ist das 1906 bis 1908 erbaute Wohnhaus Hohenhof, das heute zur Hagener Museumslandschaft zählt, ein über die Landesgrenzen hinweg bekanntes Beispiel.

Geschichte anhand visueller Medien vermitteln

„Viele unserer Studierenden interessieren sich für Präsentationsformen von Geschichte. Für das Berufsleben ist die Vermittlung von Geschichte anhand visueller Medien ein wichtiges Thema“, erklärt Dr. Eva Ochs, Akademische Rätin im Lehrgebiet Neuere deutsche und europäische Geschichte. Sie hat das Filmprojekt gemeinsam mit dem ZMI umgesetzt. „Nicht zuletzt wollen wir unseren Studierenden das Bürgertum des 19. Jahrhunderts anschaulich machen.“

Das ist ohne Frage gelungen. Aufnahmen von exemplarischen Schauplätzen des bürgerlichen 19. Jahrhunderts und Statements von Sachverständigen zeichnen ein facettenreiches Bild der damaligen bürgerlichen Gesellschaft nach. Mit Professorin Felicitas Schmieder (Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas) und Prof. Ulrich Schödlbauer (Lehrgebiet Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Medientheorie) zählen auch eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler der FernUniversität zum Expertenkreis.

Bereits 2010 begannen die Vorarbeiten für das Filmprojekt, Drehtage wurden geplant und realisiert in Frankfurt a.M., St. Ingbert, Völklingen und Berlin. Die aufwändige Nachbearbeitung verdichtete das so gewonnene Filmmaterial schließlich auf eine Länge von 37 Minuten. Diese geben vielseitige Einblicke in bürgerliche Lebensformen des 19. Jahrhunderts. Dabei wird vor allem der zentrale bürgerliche Wertekanon, der stark von Bildungseifer, Arbeitsethos und Familienorientierung geprägt war, ausgiebig beleuchtet.

Senckenberg-Naturmuseum und Goethes Elternhaus

Der historische Dokumentarfilm entführt die Zuschauer etwa in das Senckenberg-Naturmuseum und in das Elternhaus von Johann Wolfgang Goethe in die Bürgerstadt Frankfurt. Er nimmt sie mit auf Spurensuche der Industrialisierung im Saarland und öffnet Türen in die bürgerliche Berliner Gesellschaft bzw. ihre Nachlässe.

Eingesetzt wird der Dokumentarfilm von der FernUniversität in ihrem Masterstudiengang Europäische Moderne, in den Moodle-Lernumgebungen und in der Präsenzlehre.

Interessant ist er auch für die Öffentlichkeit. „Es lohnt sich auf jeden Fall, diesen Film anzuschauen“, lautete das Urteil von Dr. Tayfun Belgin, Direktor des Hagener Karl-Ernst-Osthaus-Museums und damit auch Hausherr des Hohenhofs. Der Kunsthistoriker regte eine weitere öffentliche Vorführung im Hagener Kunstquartier an.

Interessierte können sich den Film zudem unter folgendem Link ansehen:

http://www.fernuni-hagen.de/videostreaming/zmi/video/2014/10-20_00000/

Carolin Annemüller | 01.04.2014