„Sphären – Übungen – Luxuswesen? “

Die ganztägige Tagung soll das soziologische Potential und den Nutzen von Peter Sloterdijks Philosophie für die Soziologie erschließen.


Fachtagung zu Nutzen und Nachteil der Philosophie Sloterdijks für die Soziologie

Illustration

Um Nutzen und Nachteil der Philosophie Sloterdijks für die Soziologie geht es bei einer ganztägigen soziologischen Tagung am Freitag, 4. April, an der FernUniversität in Hagen. Veranstalter sind die Sektion Soziologische Theorie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und das Lehrgebiet Soziologie 1: Allgemeine Soziologie und Soziologische Theorie der FernUniversität in Hagen, organisiert wird sie von Thomas Kron (Aachen) und Frank Hillebrandt (Hagen). Veranstaltungsort ist ab 10 18.30 Uhr das Seminargebäude der FernUniversität in Hagen, Universitätsstr. 33, Raum 4/5, 58097 Hagen.

Intention der Tagung „Sphären – Übungen – Luxuswesen? Vom Nutzen und Nachteil der Philosophie Sloterdijks für die Soziologie“ unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs ist es, das soziologische Potential sowie den Nutzen seiner Philosophie für die Soziologie zu erschließen. Sie findet statt.

Zweifelsohne ist Sloterdijk einer der schillerndsten und erfolgreichsten Gegenwartsautoren. Sein Gesamtwerk umfasst nicht nur viele tausend, in wortgewaltiger Sprache verfasste Seiten, sondern ebenso mediale Präsentationen (wenngleich das „Philosophische Quartett" den Kampf um die Quote verloren hat).

Nahezu alle Schriften Sloterdijks beziehen sich auf gesellschaftliche Phänomene. Dabei ist das Themenspektrum, zu dem er sich äußert, denkbar breit. Es reicht von der Schaum-Metapher als Gegenwartsdiagnose über Vorschläge zu Steuerkonzepten bzw. zu Regeln für die technologische Formulierung des zukünftigen Menschen, über kulturphilosophische, religionssoziologische und gesellschaftstheoretische Untersuchungen zu Kulturkämpfen oder den transnationalen Terrorismus bis hin zu der Darlegung des Menschen als Luxuswesen im Rahmen unterschiedlicher Überlegungen zur anthropologischen Verfasstheit des Menschen und der Gesellschaften. Und sind bei weitem noch nicht alle seine Inhalte, mit denen er es immer wieder schafft, zum Teil heftige öffentliche Debatten auszulösen.

Obwohl dieser sehr selektive Themenausschnitt schon andeutet, dass es zahlreiche Überschneidungen zu soziologischen Gegenständen und Fragen gibt - abgesehen davon, dass Sloterdijk selbst immer wieder eine Reihe soziologischer Autoren und Theorien diskutiert -, sind diese bislang nicht systematisch erforscht worden. Abgesehen von der medial ausgetragenen Kritik an Sloterdijks Denken durch Axel Honneth gibt es nur vereinzelte wissenschaftliche Beiträge, die sich explizit auf Sloterdijks Ausführungen in soziologischer Absicht beziehen (z.B. Bertschi 2012; Kron/Horacek 2009; Wagner 2006).

Die Tagung möchte diese Lücke schließen und das soziologische Potential sowie den Nutzen der Philosophie Peter Sloterdijks für die Soziologie erschließen. Sie schließt bewusst an die mitunter sehr unterschiedlichen Auslegungen der Arbeiten Sloterdijks an, die mal als markante Kontrastpunkte hohe Ablehnung erfahren, mal als kreative Ideengeber fungieren. Ziel ist eine kontroverse Diskussion eines provokativen Philosophen in soziologischer Absicht. Deshalb sollen in diesem ersten Schritt keine inhaltlichen Einschränkungen vorgenommen werden.

Tagungsprogramm

10.00 Uhr

Thomas Kron (Aachen) und Frank Hillebrandt (Hagen)

Begrüßung und Einführung in das Thema der Tagung

10.30 Uhr

Joachim Fischer (Dresden)

Peter Sloterdijk – ein Protagonist der modernen Philosophischen Anthropologie?

11.30 Uhr

Franka Schäfer (Hagen)

Thymόtologie soziologisch? Vom Nutzen und Nachteil einer praxistheoretischen Wendung des Zorn-Begriffs bei Peter Sloterdijk

12.30 Uhr

Mittagspause

13.30 Uhr

Marco Schmitt (Göttingen)

Übung und Kontrolle. Netzwerktheoretische Überlegung zur Rolle von Anthropotechniken

14.30 Uhr

Maren Lehmann (Friedrichshafen)

Symphilosophische Notizen zur letzten Gesellschaft. Sloterdijk als Soziologe

15.30 Uhr

Kaffeepause

16.00 Uhr

Jürgen Raab (Koblenz Landau)

In den Spiegelkammern der Wissensgesellschaft – und darüber hinaus. Zur Konvergenz von Sphärentheorie und Medientheorie bei Peter Sloterdijk

17.00 Uhr

Michael Kauppert (Hildesheim)

Theorie? Ein Zweifel

18.00 Uhr

Abschlussdiskussion

Gerd Dapprich | 02.04.2014