Sloterdijk und die Soziologie

Passt Peter Sloterdijks Zorn-Begriff auch in die Soziologie? Diese Frage war ein Thema auf der Tagung der Sektion "Soziologische Theorie" der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) in Hagen.


Soziologische Fachtagung zur Philosophie Peter Sloterdijks an der FernUniversität

Dr. Franka Schäfer trägt vor.
Am Zorn-Begriff Peter Sloterdijks muss noch gearbeitet werden. Das sagt FernUni-Soziologin Dr. Franka Schäfer.

Am Anfang war der Zorn – zumindest in Homers „Ilias“. Dort steht das Wort im ersten Satz und damit auch am Anfang eines der wichtigsten Zeugnisse europäischer Kultur. Darauf weist der Philosoph Peter Sloterdijk in seinem Essay „Zorn und Zeit“ hin. Sloterdijk untersucht darin die Funktionen des Zorns in Kunst, Kultur und Gesellschaft über die Jahrhunderte hinweg. Eine wichtige Erkenntnis: Zorn ist widersprüchlich. Er ist positiv, insofern er als treibende Kraft politische Entscheidungen bedingt. Er ist negativ, führen diese Entscheidungen zu Leid. Zum Beispiel wenn Zorn Vergeltungsdrang hervorbringt.

Für Dr. Franka Schäfer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrgebiet Soziologie I – Allgemeine Soziologie und Soziologische Theorie (Prof. Dr. Frank Hillebrandt) der FernUniversität in Hagen, ist Sloterdijks Zorn-Begriff zunächst einmal „unscharf“. Das führte sie in ihrem Vortrag „Vom Nutzen und Nachteil einer praxistheoretischen Wendung des Zorn-Begriffs bei Peter Sloterdijk“ aus. Ihr Vortrag fand im Rahmen des Hagener Forschungsdialogs statt. Außerdem war er Teil der Tagung „Sphären – Übungen – Luxuswesen? Vom Nutzen und Nachteil der Philosophie Sloterdijks für die Soziologie“, den die Sektion Soziologische Theorie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) an der FernUniversität veranstaltete. Organisatoren waren Prof. Hillebrandt (Hagen) und der Sektionssprecher Prof. Dr. Thomas Kron (RWTH Aachen).

Franka Schäfer betonte, dass für eine „soziologische Wendung“ des Zorns, also eine Anwendung des Zorn-Begriffs Sloterdijks in der Soziologie, zunächst eine „gesellschaftstheoretische Perspektive“ nötig sei. Es müsse etwa danach gefragt werden, an welche soziologischen Modelle zur Beschreibung von Gesellschaft der Begriff angeknüpft werden könne. Denn: „Die eher metaphysische Verwendung des Begriffs bei Sloderdijk ist zunächst kaum kompatibel mit unseren soziologischen Theorien“, sagte Schäfer.

Im Grunde, so ein Ergebnis, sei die Verwendung des Zorn-Begriffs Sloterdijks auch in der Soziologie denkbar. Allerdings sei bis dahin noch eine „intensive Fachdiskussion“ nötig. Die Grundlagen dafür wurden auf der Fachtagung gelegt.

Matthias Fejes | 24.04.2014