In den Urlaub ohne Studien-Unterlagen

Bachelor-Arbeit mit 1,0 im Dezember 2012, 100 Punkte im Mastermodul Zivilrecht, jetzt die Masterarbeit: eine Ausnahmeleistung, die Michaela Meyer über eine Promotion nachdenken lässt.


Erfolgreich ohne Abitur: Bankkauffrau Michaela Meyer studiert Rechtswissenschaft an der FernUni

Illustration
Michaela Meyer steht kurz vor der Abgabe ihrer Masterarbeit. Danach will sie Urlaub machen - ohne Fernstudienmaterial im Gepäck.

Am meisten freut sie sich auf einen Urlaub ohne Fernstudienmaterial im Gepäck. „Das war in den vergangenen Jahren nicht möglich“, sagt Michaela Meyer. „Bald brauche ich kein schlechtes Gewissen mehr zu haben.“

Die 43-jährige Bankkauffrau aus Liebenburg studiert an der FernUniversität in Hagen Rechtswissenschaft und steht kurz vor dem Abschluss ihrer Master-Arbeit. Abgabetermin ist Mitte Juni. Bis dahin dreht sich ein Großteil ihrer Zeit um den „Einfluss des europäischen Rechts auf die zivilrechtlichen Regelungen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs.“ Ein aktuelles Thema, das gut zu ihrer beruflichen Laufbahn bei der Sparkasse Goslar/Harz passt.

Promotion im Blick

Dort hat Michaela Meyer Anfang der 1990-er Jahre nach ihrer Ausbildung angefangen und ist ihr bis heute treu geblieben. Sie hat die vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten innerhalb der Sparkassenorganisation genutzt und kam irgendwann an den Punkt, über den Tellerrand schauen zu wollen. Mit 37 Jahren entschied sich Michaela Meyer daher für ein Jura-Studium an der FernUni. „Die Kombination von Wirtschaftswissenschaft und Jura hat mich gereizt“, erklärt sie.

Bachelor-Arbeit mit 1,0 im Dezember 2012, 100 Punkte im Mastermodul Zivilrecht, jetzt bereits die Masterarbeit. Eine Ausnahmeleistung, die auch über eine spätere Promotion nachdenken lässt.

Eingeschrieben über die berufliche Qualifikation

Umso erstaunlicher ist das alles, weil Michaela Meyer sich ohne Abitur über ihre berufliche Qualifikation an der FernUni eingeschrieben hat. „Der Wunsch zum Studieren war immer gegeben und hat sich mit der Zeit verstärkt“, erzählt sie. Doch aller Anfang war schwer. „Ich habe das im Wiwi-Bereich gemerkt“, blickt Michaela Meyer zurück. „Da musste ich mich auf meine vier Buchstaben setzen und einigen Mathe-Stoff aus der Oberstufe nacharbeiten.“

Michaela Meyer reduzierte ihre Arbeitszeit und lernte nachmittags und vor den Prüfungen auch am Wochenende fürs Studium. „Das war kein Zuckerschlecken. Aber man muss konsequent dran bleiben“, sagt sie und ermutigt andere: „Es ist auf jeden Fall machbar – auch ohne Abitur.“ Weiter geholfen haben ihr Moodle, die Mentoriate, der Ausbau der digitalen Bibliothek, die Unterstützung ihrer Mutter und feste Auszeiten.

Joggen und Rad fahren nach der Master-Arbeit

So hat Michaela Meyer das Gros der Wochenenden für ihren Freund und ihren Hund reserviert. Ab Mitte Juni bleibt auch wieder mehr Zeit für ihre Hobbys. Sie will nach der Abgabe der Master-Arbeit häufiger Fahrrad fahren und die Joggingschuhe schnüren. „Das ist während des Studiums zuerst gekippt“, bedauert sie. Doch trotz der Einschnitte in ihr Privatleben will sie die Studienzeit nicht missen: „Es war eine schwere Zeit, aber es hat richtig Spaß gemacht.“ Und den wird sie sicherlich auch in ihrem nächsten Urlaub haben – ganz ohne FernUni-Materialien.

Carolin Annemüller | 05.05.2014