Von Zirkuselefanten, Rettungsschirmen und Fraktionsdisziplin

Hinter die Kulissen der Bundespolitik blickten gut 60 Gäste beim Lüdenscheider Gespräch mit CDU-Politiker Wolfgang Bosbach.


Politiker Wolfgang Bosbach erzählt im „Lüdenscheider Gespräch“ von 20 Jahren im Bundestag

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Wolfgang Bosbach im moderierten Dialog mit apl. Prof. Dr. Arthur Schlegelmich.

Zur Person: Der aus Bergisch Gladbach stammende Wolfgang Bosbach (Jahrgang 1952) zählt zu den gefragtesten politischen Köpfen Deutschlands. Als CDU-Abgeordneter des Rheinisch-Bergischen Kreises ist er seit 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages und damit bereits zum sechsten Mal hintereinander direkt gewählt. Seine politische Heimat fand er 1972 in der CDU, noch bevor er über den zweiten Bildungsweg sein Abitur machte und anschließend ein Jurastudium in Köln absolvierte. Über die Stationen des Kreistages des Rheinisch-Bergischen Kreises, des Rates der Stadt Bergisch Gladbach und der CDU Nordrhein-Westfalen führte ihn sein Weg bis nach Berlin. Seit 2009 ist er Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestags.

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Gut 60 Gäste verfolgten das Lüdenscheider Gespräch mit Wolfgang Bosbach.

Der Tod eines Zirkuselefanten hat die ältere Dame entrüstet. Die Entführung von 300 Mädchen und Frauen in Nigeria, über die auf derselben Zeitungsseite groß berichtet wird, erwähnt sie dagegen mit keiner Zeile. „Tierschutz in allen Ehren, aber ein bisschen mehr Menschenliebe würde uns gut tun“, sagte dazu CDU-Politiker Wolfgang Bosbach. Der Brief der alten Dame ist ein Beispiel aus den etwa 10.000 Zuschriften, die der Bundestagsabgeordnete pro Jahr erhält. „Der rege Austausch mit den Wählern ist der wichtigste Teil meiner Arbeit“, erzählte der 61-Jährige aus Bergisch Gladbach jetzt bei den „Lüdenscheider Gesprächen“ unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs. „Die Menschen haben ein Recht, dass wir uns mit ihren Anliegen beschäftigen.“

Blick hinter die Kulissen der Bundespolitik

Im Kulturhaus Lüdenscheid beschäftigte sich Wolfgang Bosbach mit den Anliegen von gut 60 Zuhörerinnen und Zuhörern, die mit dem Politiker zu den verschiedensten Themen die Diskussion suchten. Es ging zum Beispiel um die NSA-Spähaffäre und den Datenschutz in Deutschland, um die Lage in der Ukraine oder die Rettungsschirme in Europa. Im moderierten Dialog mit apl. Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, Direktor des einladenden Instituts für Geschichte und Biographie der FernUniversität in Hagen, blickte Wolfgang Bosbach hinter die Kulissen der Politik. Mal unterhaltsam, mal informativ erzählte er von seinen 20 Jahren im Bundestag.

Dreimal anders abgestimmt als die Fraktion

Der Privatmensch Wolfgang Bosbach blieb dabei weitgehend außen vor. Doch den Politiker Bosbach, der trotz einer unheilbaren Krebserkrankung weiter beherzt in der Politik bleibt, lernte das Plenum besser kennen. Dass der Vorsitzende des Innenausschusses des Deutschen Bundestages nicht vor Konfrontationen in den eigenen Reihen zurückschreckt, ist spätestens seit seiner Positionierung gegen die Ausweitung des Europäischen Rettungsschirms bekannt. Trotz massiven Drucks aus der eigenen Fraktion stimmte er im Bundestag, in namentlicher Abstimmung, gegen das Gesetz. „Wir haben keinen Fraktionszwang, wir haben Fraktionsdisziplin“, erläuterte Bosbach. Dreimal habe er in seinen 20 Jahren im Bundestag anders abgestimmt als seine Fraktion und sein abweichendes Abstimmungsverhalten vorher stets angemeldet. Rückhalt gebe ihm dabei seine Direktwahl. „Die Unterstützung zuhause im Wahlkreis macht unabhängig“, betonte er.

Obwohl das Ansehen von Politikern in der öffentlichen Meinung im Keller ist, hat Wolfgang Bosbach von den Anfängen in den 1970er-Jahren bis in die heutige Zeit hinein als Politiker überwiegend positive Erfahrungen gemacht. „Unterm Strich ist es eine tolle Zeit gewesen“, lautete sein Fazit.

Kritisch äußerte sich der Christdemokrat hingegen über die Zwänge, die der Kampf um Aufmerksamkeit in den Medien mit sich bringe. „Bei Beratungen hinter verschlossenen Türen wird weitgehend sachlich und konstruktiv zusammengearbeitet. Das gilt über die Parteigrenzen hinweg“, erzählte er. Doch das sei flugs vergessen, sobald sich die Türen wieder öffnen und die Medienleute draußen mit ihren Kameras und Mikrofonen warten.

Gast im Promi-Special von „Wer wird Millionär?"

Spätestens am 2. Juni wird der häufige TV-Gast Wolfgang Bosbach wieder im Scheinwerferlicht stehen. Dann ist er bei der bereits aufgezeichneten Promi-Ausgabe von Günter Jauchs „Wer-wird-Millionär?“ dabei und gerät bei einer vermeintlich leichten Frage ins Straucheln – wie er vorab verriet. „Ich habe mich ganz unten blamiert bis auf die Knochen“, schmunzelte Bosbach und nahm seinen Patzer mit Humor. „Meine Frau hat mich vorher gewarnt. Am 3. Juni wird bei mir im Büro einiges los sein.“

Carolin Annemüller | 23.05.2014