Als Botschafterin der FernUni vor der Kamera

Schwester Andrea Okonkwo ist in Nigeria aufgewachsen - ohne Computer und moderne Technik. Heute studiert sie Informatik und entwickelt für ihren Orden eine App.


Warum Ordensschwester Andrea Okonkwo Informatik studiert

Schwester Andrea Okonkwo im Interview mit Carolin Annemüller aus der Pressestelle
Schwester Andrea Okonkwo im Gespräch mit Carolin Annemüller von der Pressestelle.
Foto-Shooting in der UB
Foto-Shooting in der Universitätsbibliothek: Schwester Andrea Okonkwo stand einen Tag lang gemeinsam mit knapp 20 Mitstudierenden vor der Kamera.

„Ich bin offen für Neues.“ Ordensschwester Andrea Okonkwo aus Frankfurt lacht viel. Auf dem Campus der FernUniversität in Hagen sorgt sie beim großen Foto-Shooting mit knapp 20 Studierenden für staunende Gesichter. Die 38-Jährige aus Frankfurt studiert an der FernUni ein Fach, das keiner auf der Rechnung hatte: Informatik.

Warum? „Ja, warum denn nicht?“, antwortet sie und meint damit neben ihrem Informatik-Studium auch ihren Tag als FernUni-Studentin im Habit vor der Fotokamera. „Es wird Zeit zu zeigen, dass wir Ordensschwestern nicht nur im Kloster beten. Unser Leben soll jede Minute ein Gebet sein, egal wo wir sind und was wir Gutes machen. “

Aufgewachsen ohne Computer in Nigeria

Vor gut zehn Jahren kam Schwester Andrea über ihren Orden – „die Tochter der Göttlichen Liebe“ - nach Deutschland. Aufgewachsen ist sie in Nigeria – ohne Computer und moderne Technik. In Deutschland machte Schwester Andrea zunächst eine Ausbildung zur Krankenschwester. In Deutschland saß sie auch zum ersten Mal an einem PC. Sie war neugierig, wollte Programme ausprobieren und lernen, wie sie funktionieren. Als Autodidaktin tauchte Schwester Andrea bald an ihrem eigenen Notebook immer tiefer in die Computerwelt ein. Ihre sechs Mitschwestern, mit denen sie gemeinsam im Konvent in Frankfurt lebt, wissen das durchaus zu schätzen. So hat sie schon unzählige Male für den Orden PC und Zubehör auf Vordermann gebracht. Aber das reichte ihr nicht.

Arbeit im Seniorenheim

Vor knapp zwei Jahren schrieb sich Schwester Andrea über ihre berufliche Qualifikation an der FernUni für den Bachelor in Informatik ein – in Teilzeit. „Meine Arbeit als Krankenschwester gefällt mir gut“, sagt Schwester Andrea über ihre Aufgabe in einem Seniorenheim. „Ich wollte beides: arbeiten und studieren. Daher habe ich mich bewusst für ein Fernstudium entschieden.“

Schwester Andrea kämpfte anfangs mit der Doppelbelastung von Beruf und Studium. Inzwischen hat sie ihre Arbeitszeit reduziert. Im Studium ist sie hauptsächlich Einzelkämpferin – was nicht unbedingt ihrem Naturell entspricht. „Wenn ich ein Problem nicht alleine lösen kann, fehlt mir schon das Team“, bedauert sie. Umso mehr schätzt sie die Angebote im Regionalzentrum Frankfurt. Gerne nimmt sie auch an Studientagen in Hagen teil. Sie schätzt den Austausch mit ihren Mitstudierenden und die Atmosphäre bei Präsenzveranstaltungen. „Egal, wie alt man ist, an der FernUni fühlt man sich immer wohl“, sagt sie.

App für Gebete und Lieder

Momentan studiert Schwester Andrea im vierten Semester und beschäftigt sich mit Datenstrukturen, Datendokumentation und der Programmiersprache Java. Ihr Ziel ist zunächst der Bachelorabschluss. Ihr Informatikstudium versteht Schwester Andrea als Riesenchance, um für ihren Orden etwas zu bewegen. „Es wird Zeit, moderne Wege zu gehen, um Gottes Botschaft zu verkünden“, sagt die Schwester. Für ihre Glaubensgemeinschaft entwickelt sie momentan eine App für Gebete und Lieder, damit ihre Mitschwestern überall mit ihren Handys oder Tablets beten können.

Sie kann sich aber auch vorstellen, ihr Wissen für ihre Heimat Nigeria einzusetzen. Ihre Familie lebt nach wie vor in Afrika. Schwester Andrea hat sie längst mit ihrer Begeisterung für die moderne Kommunikation angesteckt. Über Skype und WhatsApp ist sie eng mit ihren Verwandten vernetzt. „Die moderne Technologie ist eben sehr interessant und vielseitig“, sagt Schwester Andrea. „Und sie macht einfach Spaß.“ Und den hat sie auch auf dem Campus in Hagen als Botschafterin der FernUniversität.

Carolin Annemüller | 06.06.2014