Die mystische Seele der Peleponnes

Archäologen über die Schulter geschaut: Studierende besuchten gemeinsam mit dem Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas historische Stätten auf der griechischen Halbinsel.


Zehntägige Exkursion in Griechenland

„Das Land der Griechen mit der Seele suchend“ – unter diesem klingenden Studienthema hatten sich im Frühsommer Studierende der FernUniversität gemeinsam mit dem Lehrgebiet von Prof. Dr. Felicitas Schmieder, Geschichte und Gegenwart Alteuropas, auf eine Exkursion zur Peleponnes aufgemacht. Studentin Christiane Reis hat während des zehntägigen Studienaufenthaltes Tagebuch geführt – ein Auszug daraus:

„Nach knapp drei Jahren war es endlich wieder so weit – es ging mit dem Lehrgebiet von Prof. Dr. Felicitas Schmieder, Geschichte und Gegenwart Alteuropas des Historischen Instituts, auf eine Exkursion – diesmal war das Reiseziel die Peloponnes. Das Studienthema der Exkursion ,Das Land der Griechen mit der Seele suchend‘. Die Peloponnes in der Vormoderne bis zu den griechischen Befreiungskriegen (1821-1829)‘ verweist schon von sich auf die umfangreiche Vorbereitung aller Beteiligten. Im Vorbereitungsseminar in Hagen wurden wir intensiv an die geschichtswissenschaftlichen Themen von der Antike, über das Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit herangeführt. Wir Studentinnen und Studenten übernahmen je ein Referatsthema für die Präsenzveranstaltung in Hagen, für die Exkursion oder beides.

Das Kastell von Chlemoútsi war die Kreuzfahrerburg der Franken.
Das Kastell von Chlemoútsi war die Kreuzfahrerburg der Franken.

Mysterien von Eleusis

Am Athener Flughafen startete die Exkursion mit unserem Guide Jannis. Kaum, dass wir Athen hinter uns gelassen hatten und uns dem Ort Eleusis (heute Elefsina) näherten, gab es von einem unserer Lehrkräfte, Christian Urs Wohlthat, die ersten ausführlichen Erläuterungen zu den Mysterien von Eleusis. Diese wurden seit dem späten 8. Jahrhundert v. Chr. alljährlich dort abgehalten und sind geheimnisumwoben, denn die Teilnehmer unterlagen einem Schweigegelübde. Die Mysterien bestanden mehr als 1000 Jahre, bis die Heiligtümer vom Gotenkönig Alarich 395 zerstört wurden. Der Kult bezog sich auf die Unterwelt, den Ackerbau, so wie Getreide und ebnete den Weg für viele andere Mysterienkulte, die u. a. eine starke Ausbreitung auf der Peloponnes fanden. Direkt im Anschluss daran trat Jannis in Aktion und wir wurden gebeten einen Blick nach links auf die Insel Salamis (Salamina) zu werfen. Er berichtete uns von dem errungenen Seesieg der Griechen über die zahlenmäßig überlegene Flotte des Perserkönigs Xerxes I. (480 v. Chr.) und dem Kampf bei den Thermophylen.

Das Kastell von Chlemoútsi

Nach den Etappenzielen Akrokorinth, Isthmia, dem römischen Korinth und Isthmia fuhren wir zum Kastell nach Chlemoútsi, der Kreuzfahrerburg der Franken. Das Kastell entstand in Folge eines Machtkampfes zwischen dem ersten fränkischen Fürsten des Gebietes, Geoffroy de Villehardouin und dem lateinischen Klerus, der einen Teil des Landes in Besitz hatte. Geoffrey wollte Klerus und Ritterorden überreden, ihn mit finanziellen Mitteln und Waffengewalt gegen das griechische Monemvasiá zu unterstützen. Er hatte keinen Erfolg und strafte die Kleriker mit Enteignung, was ihm die Exkommunikation des Papstes einbrachte. Das bereits requirierte Geld reichte allerdings für den Bau des Kastells, dass 1223 fertiggestellt wurde.

Der Apollon-Tempel liegt 1300 Meter hoch und ist nach Norden ausgerichtet.
Der Apollon-Tempel liegt 1300 Meter hoch und ist nach Norden ausgerichtet.

Apollon-Tempel

Am nächsten Tag ging es über Serpentinen nach Bassai zum 1300 Meter hoch gelegenen Apollon-Tempel, der aufgrund starken Verfalls nur verpackt betrachtet werden kann. In Pylos angekommen, begaben wir uns am folgenden Morgen an die Kaimauer mit direktem Blick über die Bucht von Navarino: der Ort, an dem erbitterte Seeschlachten stattfanden. Die größte Seeschlacht fand hier im Oktober 1827 statt. Die türkisch-ägyptische Flotte, unter dem Kommando von Ibrahim Pascha, hatte sich mit 82 Segelschiffen und 2000 Kanonen während des griechischen Befreiungskrieges hier stationiert. Den unterlegenen Griechen wurde keine Kampfunterstützung gewährt, man entsandte lediglich eine Armada von 26 englischen, französischen und russischen Schiffen. Als ein erster Kanonenschuss abgefeuert wurde, erwiderten alle Schiffe das Feuer – das Ergebnis am folgenden Tag waren 55 versenkte türkische Schiffe, die Macht des osmanischen Reiches war gebrochen und den Griechen war der Weg zur Souveränität geebnet.

Der Höhepunkt der Exkursion: Auf der Insel Monemvasia zeigten Archäologen den Studierenden ihre Exponate.
Der Höhepunkt der Exkursion: Auf der Insel Monemvasia zeigten Archäologen den Studierenden ihre Exponate.

Die Felseninsel Monemvasia

Über weitere Stationen kamen wir nach Monemvasia, eine Felseninsel, die strategisch wichtig und daher zu allen Zeiten begehrt war. Monemvasia wird bereits 746 n. Chr. als bedeutendste Siedlung an der peloponnesischen Ostküste genannt. Aufgrund der günstigen Lage wurde die Insel zu einem der herausragenden Halte- und Umschlagplätze des Mittelalters. Jedes Schiff, dass von Westen kommend nach Konstantinopel oder Kleinasien segelte, musste zwischen Kreta und Kap Malea hindurch und somit an Monemvasia vorbei.

Am folgenden Tag ging es in Serpentinen zu Fuß den Berg hinauf, um zur Festung und der heute verlassenen Oberstadt zu gelangen. Ein absoluter Höhepunkt für unsere Exkursionsgruppe, waren in ihre Arbeit vertiefte Archäologen, die Ausgrabungen an der Agia Sofia, eine Sofienkirche aus dem 11. Jahrhundert, vornahmen und uns bereitwillig die Kirche zeigten, Fragen beantworteten, frisch ausgegrabene Exponate zeigten und ihre Arbeit erläuterten. Wir wurden zu weiteren Ausgrabungsstätten geführt, die anderen normal nicht zugänglich sind, bekamen freigelegte historische Wege erklärt. Für beide Seiten war diese unverhoffte Exkursionseinlage eine Bereicherung, für uns lehrreich, für die andere Seite eine Bestätigung durch das Interesse an ihrer Arbeit.

Insgesamt zehn Tage durften wir Fernstudierenden wieder dort studieren, wo es schön ist und uns Erkenntnisse vor Ort erarbeiten.“

Anja Wetter | 24.06.2014