Auch den eigenen Horizont erweitert

Prof. Hans-Joachim Mittag will auch im Ruhestand seine Statistik-App weiterentwickeln, für die kürzlich die FernUniversität das Comenius-EduMedia-Siegel erhielt.


Statistik-Experte verabschiedet – Dank an Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften

„Er war mein stärkster Pfeiler, ich war froh, dass ich ihn hatte!“ lobte Prof. (em.) Dr. Dr. Dr. h.c. Josef Gruber seinen ehemaligen Mitarbeiter apl. Prof. Dr. Hans-Joachim Mittag, als dieser sich mit einem kleinen Empfang von der FernUniversität in Hagen verabschiedete.

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Zur Verabschiedung von Prof. Hans-Joachim Mittag (Mitte) kamen auch seine bisherigen Mitarbeiter Benjamin Wallenborn (li.) und Alejandro Michel. Sie arbeiteten eng mit ihm bei der App-Entwicklung zusammen.

Auch zukünftig möchte Prof. Hans-Joachim Mittag an seiner Statistik-App arbeiten, die immer stärker international nachgefragt wird. Sein Credo ist, dass man die von vielen Studierenden gefürchtete Statistik so präsentieren kann, dass sie als motivierend und praxisnah erlebt wird. Das Comenius-EduMedia-Siegel, das er in diesem Jahr für seine App erhielt, ist bereits die dritte Comenius-EduMedia-Auszeichnung für seine Entwicklungen. Im Jahr 2012 erhielt er sie für eine virtuelle Bibliothek mit mehrsprachigen statistischen Experimenten, im Jahr 2011 für seinen interaktiven Statistikkurs, der von der Fakultät KSW mit großem Erfolg in drei Bachelorstudiengängen eingesetzt wird. Auch für Studierende der Wirtschaftswissenschaft ist er bestens geeignet. Mittags besonderes Interesse gilt vor allem interaktiven und multimedialen Lehr- und Lerntools. Sie stoßen bei Fachleuten in aller Welt wie bei Studierenden auf große Resonanz.

Zur FernUniversität ins wirtschaftswissenschaftliche Lehrgebiet Statistik und Ökonometrie von Prof. Gruber kam Prof. Mittag am 1. Februar 1978. Zuvor hatte er Mathematik und Chemie in Marburg studiert und war 1975 Lehrer an einem Wiesbadener Gymnasium geworden. An der FernUniversität promovierte er 1986 in Ökonometrie und erhielt nach seiner Habilitation 1994 die Venia Legendi für Statistik und Ökonometrie. 2001 folgte die Ernennung zum apl. Professor.

2002 wurde Mittag über die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen an die Europäische Kommission (Eurostat, Luxemburg) als nationaler Sachverständiger für Statistik ins Direktorat „Sozialstatistik“ entsandt. „Eurostat war eine eigene Welt mit sehr qualifiziertem Personal, das aber oft durch bürokratische Strukturen gebremst wurde“, so Mittag.“ Um zu illustrieren, dass amtliche Daten sehr benutzerfreundlich präsentiert werden können, visualisierte er ausgewählte Datensätze interaktiv im Rahmen eines großen Multimedia-Projekts „Neue Statistik“. Diesen – für die EU-Kommission neuen Ansatz der Datenkommunikation anhand interaktiver Grafiken – stellte er bei der Kommission in Brüssel und bei den Statistischen Ämtern in Japan und Südkorea vor. Die damals geknüpften Kontakte pflegt Mittag bis heute.

Ende 2006 kehrte er an die FernUniversität zurück. In der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften (KSW) stand der Aufbau eines neuen interdisziplinären Arbeitsbereichs „Statistik und quantitative Methoden“ an. Hans-Joachim Mittag übernahm die Verantwortung für die Methodenausbildung in den Fächern Politikwissenschaft, Soziologie, Psychologie und Bildungswissenschaft. „Wir konnten so einen vorhandenen Bedarf sehr kompetent befriedigen“, erinnerte sich Rektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer, als er Prof. Mittag verabschiedete.

Bei dieser Gelegenheit dankte Mittag dem KSW-Dekan Prof. Dr. Armin Schäfer für die „vielen guten Kontakte zu den verschiedensten Lehrgebieten und die bereichernden Erfahrungen mit neuen Disziplinen, die meinen Horizont erweitert haben“.

Gerd Dapprich | 03.07.2014