Neue Erfahrungen im virtuellen Labor

Ist es für die Entwicklung eines Kindes entscheidend, wo es zur Schule geht? Mit dieser Frage beschäftigt sich Prof. Kathrin Jonkmann als neue Leiterin des Lehrgebietes Bildungspsychologie.


Prof. Dr. Kathrin Jonkmann ist mit 34 Jahren die jüngste Professorin an der FernUniversität

Nach den ersten Wochen an der FernUni sagt Prof. Dr. Kathrin Jonkmann: „Es ist wahnsinnig viel zu tun, aber die neuen Möglichkeiten sind auch sehr spannend.“
Nach den ersten Wochen an der FernUni sagt Prof. Dr. Kathrin Jonkmann: „Es ist wahnsinnig viel zu tun, aber die neuen Möglichkeiten sind auch sehr spannend.“

Macht es für die Entwicklung eines Kindes einen Unterschied, wo es zur Schule geht? Aus Sicht der Bildungspsychologie bleibt die Antwort weitgehend offen. Nicht nur bei dieser Frage ist die Bildungsforschung also gefordert: Denn trotz der hohen gesellschaftlichen Relevanz ihrer Ergebnisse liegt weitaus weniger Datenmaterial vor, als allgemein angenommen wird.

Neben Lücken in der Forschung hat Prof. Dr. Kathrin Jonkmann derzeit noch die Regale in ihrem neuen Büro an der FernUniversität in Hagen zu füllen. Und auch in ihrer frisch bezogenen Wohnung in Hagen-Wehringhausen sind noch nicht alle Kisten ausgepackt.

Mit 34 Jahren ist Prof. Dr. Kathrin Jonkmann die mit Abstand jüngste Professorin an der Hagener Hochschule. Seit dem Sommersemester leitet sie das Lehrgebiet Bildungspsychologie. Ihre Arbeitsschwerpunkte: Effektivität im Bildungssystem, institutionelle und personale Einflussfaktoren auf die Kompetenzentwicklung in der Fremdsprache Englisch sowie schulische und außerschulische Umwelteinflüsse auf die Motivations- und Persönlichkeitsentwicklung in Kindheit und jungem Erwachsenenalter. „Die Forschung in der Bildungspsychologie ist ein prosperierendes Feld, das seit den ersten aufsehenerregenden Befunden der internationalen Vergleichsstudien sehr stark gewachsen ist“, sagt Kathrin Jonkmann. „In dieser Phase konnte ich mich gut etablieren. Zudem hatte ich bislang hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten.“

Etwa am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, wo Kathrin Jonkmann promoviert hat. Und an der Uni Tübingen, an der sie bis zum Frühjahr diesen Jahres als Juniorprofessorin für Empirische Bildungsforschung gelehrt und geforscht hat. Nach den ersten Wochen an der FernUni sagt die Lehrgebiets-Inhaberin mit Blick auf das für sie neue Feld der Fernlehre: „Es ist wahnsinnig viel zu tun, aber die neuen Möglichkeiten sind auch sehr spannend.“ Zum Beispiel unterstützt sie derzeit im virtuellen Labor 13 Master-Studierende bei einem empirischen Projekt zum Einsatz von Lernstrategien im Studium.

Zuversichtlich ist Kathrin Jonkmann, bald wieder mehr Zeit für ihre eigene Forschung zu finden. Im Mittelpunkt steht ihr von der Deutschen Forschungsgesellschaft gefördertes Projekt „Kompetenzentwicklung in Englisch in der dualen Berufsausbildung: Macht eine Stunde einen Unterschied?“. Mit ihrem Team untersucht sie in 75 Berufsschulklassen mit angehenden Industriekaufleuten und Industriemechanikerinnen und -mechanikern in Baden-Württemberg, wie sich eine Stunde verpflichtender Englischunterricht auf die Sprachkompetenz auswirkt. „Zu erwarten ist wohl, dass ein Verlernen verhindert wird – aber vermutlich nicht viel mehr“, sagt Kathrin Jonkmann. Das Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg hat bereits Interesse an den Ergebnissen bekundet, da es momentan die Einführung von verpflichtendem Englisch-Unterricht an Berufsschulen auf den Weg bringt.

Während Kathrin Jonkmann beruflich vor vielen neuen Herausforderungen steht, kehrt sie privat auf bekanntes Terrain zurück. Ihre akademische Laufbahn führte sie von Rheda-Wiedenbrück über Gießen, Berlin und Stuttgart nach Hagen in die Heimat ihres Lebensgefährten. „Es geht wieder ein wenig zurück zu den Wurzeln“, freut sich die gebürtige Ostwestfälin daher auf ihren neuen Lebensmittelpunkt.

Carolin Annemüller | 11.07.2014