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Aktuelles - Juli 2014

Der Pfarrer und die Bibel-App

Puzzle und Quiz regen zum Lernen an

FernUni-Student und Pfarrer Peter Schafflützel hat eine App programmiert, mit der man Bibelverse auswendig lernen kann.
FernUni-Student und Pfarrer Peter Schafflützel hat eine App programmiert, mit der man Bibelverse auswendig lernen kann.


Peter Schafflützel lebt in zwei verschiedenen Welten. Sechs Tage pro Woche ist er Pfarrer der reformierten Kirche im schweizerischen Fischenthal. Einen Tag lang definiert sich Peter Schafflützel als Informatik-Student der FernUniversität in Hagen. Als er sich vor über zehn Jahren eingeschrieben hat, wollte er bewusst die Abgrenzung dieser beiden Welten. Aber sauber blieb die Trennung nicht: Schafflützels Beziehung zu Gott vermischt sich mit seiner Affinität zur Technik. Denn der Pfarrer hat eine Bibel-App programmiert. Sie hilft dabei, Bibelstellen auswendig zu lernen und zu verwalten. Damit schlägt sie eine Brücke zwischen seinen Lebenswelten.

„Bibelverse zu lernen erfordert Disziplin, ich habe lange mit Karteikärtchen gearbeitet“, erzählt der 41-Jährige während eines Aufenthaltes an der FernUni. Doch er wollte ein Lernsystem für unterwegs. „Da es nichts fürs Handy gab, habe ich eben selbst was programmiert, nach dem Karteikartenprinzip.“ Zunächst nutzte er „Remember Me“ für den Eigenbedarf, aber Schafflützel wollte die App auch anderen zur Verfügung stellen. Inzwischen ist sie über 900.000 Mal heruntergeladen worden. „Ohne das Wissen aus meinem Studium hätte das nicht geklappt. Objektorientierte Programmierung habe ich erst hier gelernt.“

Studium sorgt für Struktur

Das Studium ist für Peter Schafflützel der Ausgleich zum Beruf als Pfarrer. „Zu mir kommen Menschen mit oftmals unlösbaren Problemen. Dazu brauche ich eine Abgrenzung auf einem klar strukturierten Gebiet.“ Den Faible für Technik und die Faszination für Computer hatte er schon immer, so entschied er sich für Informatik an der FernUniversität. „Ein zweites Präsenzstudium hätte niemals funktioniert. So kann ich einen Tag in der Woche für die FernUni reservieren.“ Bald erntet er die Früchte: Die letzte mündliche Prüfung hat er im Juni in Hagen abgelegt, nun steht die Bachelor-Arbeit an. Sie wird sich um die App drehen und mit den Synchronisierungsproblemen befassen, die sich bei der Benutzung derselben „Karteikarten“ mit verschiedenen Endgeräten ergeben.

Verbesserungsideen stammen von Nutzerinnen und Nutzern

Inzwischen ist die App für mehrere Betriebssysteme und Geräte nutzbar, dank vieler kritischer Nutzerinnen und Nutzer hat Schafflützel sie verbessert. „Die kritischen Vorwürfe haben mich herausgefordert und mir Ideen geliefert. Mittlerweile habe ich viele spielerische Elemente wie Vorlesefunktionen, Lückenergänzungstests oder ein Puzzlespiel eingebaut. Das bietet Anreize zum Lernen.“ Wer seine App nutzt? Menschen aller Altersstufen. „Für Ältere ist sie eine Hilfe und Jüngeren ermöglicht sie, in die Welt der Bibel einzutauchen.“ Kirche müsse sich nicht auf die traditionellen Räume beschränken. Um im Leben von Menschen präsent zu sein, sollte sie in ihren Medien präsent sein. „Wir leben als moderne Menschen und kommunizieren als solche über verschiedene Kanäle, eben auch online. Dann ist es auch authentisch.“

Obwohl Peter Schafflützel das Smartphone als Lernwerkzeug preist, schätzt er im Studium die klassischen Studienbriefe sehr. „Darin kann man was anstreichen, sich Notizen machen – und sie sehen dekorativer im Regal aus als eine Festplatte“, lacht er. Sobald er seinen Abschluss hat, will er erstmal eine Pause einlegen. „Für den Master schreibe ich mich an der FernUni ein, sobald ich wieder das Bedürfnis nach Struktur habe.“

Anja Wetter | 07.07.2014
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