Auf dem Weg zur Habilitation

Die FernUniversität vergibt Stipendien für Habilitandinnen. In der Reihe „Frauen, die forschen“ begleiten wir Wissenschaftlerinnen auf ihrem Weg zur Habilitation.


Frauen, die forschen: Politikwissenschaftlerin Dr. Renate Reiter

Renate Reiter
Dr. Renate Reiter ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet Politikfeldanalyse.

Die FernUniversität in Hagen vergibt erneut Stipendien für Habilitandinnen und knüpft damit an die Maßnahme aus dem Gleichstellungskonzept 2010 bis 2013 an. Eine halbe Stelle, die in einem Lehrgebiet oder Institut für eine Habilitandin vorgesehen ist, wird seitens der FernUni für drei Jahre auf eine ganze Stelle aufgestockt. Nach der Zwischenevaluation ist eine Verlängerung um drei weitere Jahre möglich. Die Stipendien können bis Ende 2015 beantragt werden. Nähere Information: Isabel Strauß, Dezernat 1.2, Telefon -2434, Isabel.Strauss@FernUni-Hagen.de sowie hier.

Um mehr Frauen in die Wissenschaft zu bringen, vergibt die FernUniversität in Hagen erneut Stipendien für Habilitandinnen. In unserer neuen Reihe „Frauen, die forschen“ begleiten wir in lockerer Folge Stipendiatinnen auf ihrem Weg zur Habilitation. Heute: Dr. Renate Reiter (38), wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Politikwissenschaft im Lehrgebiet Politikfeldanalyse.

Es ist Halbzeit. Vor drei Jahren ist Renate Reiter in das Förderprogramm der FernUniversität für Habilitandinnen aufgenommen worden – im Zuge des Gleichstellungskonzepts 2010 bis 2013, derzeit beginnt die neue Förderperiode. Inzwischen hat Renate Reiter die Zwischenevaluation erfolgreich absolviert. Das Konzept für ihre Habilitation zum Thema „Die Privatisierung sozialer Dienstleistungen im konservativen kontinentaleuropäischen Wohlfahrtsstaat. Ein deutsch-französischer Vergleich“ steht.

Umfassender Blick auf den Forschungs- und Lehrbetrieb

„Das Stipendium befähigt dazu, sich auf die Habilitation zu konzentrieren und darüber hinaus einen umfassenden Blick auf den Forschungs- und Lehrbetrieb zu werfen“, sagt Renate Reiter. „Dieses Gesamtpaket ist in der Politikwissenschaft für eine spätere Bewerbung auf eine Professur äußerst sinnvoll.“ Daher hat sie die vergangenen drei Jahre nicht nur fürs Habilitieren genutzt. Sie hat bewusst viele Vorträge gehalten und die Liste ihrer Veröffentlichungen wachsen lassen. Über gemeinsame Projekte mit anderen Universitäten hat sich Renate Reiter vernetzt und ist im Lehrgebiet von Professorin Annette Elisabeth Töller in den Lehrbetrieb eingebunden.

Seit ihrer Studienzeit mit Auslandsjahr in Paris schaut die Wahl-Berlinerin gern mit deutsch-französischem Blick auf die Fragestellungen ihres Fachs. Besonders interessiert sich die Wissenschaftlerin für die vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung in Deutschland und Frankreich. Schon ihre Promotion an der Universität Osnabrück 2009 stand in diesem Kontext und beschäftigte sich mit der Umsetzung der europäischen Stadtentwicklungspolitik in den beiden Ländern.

Privatisierung der Krankenhausversorgung und der stationären Altenpflege

In ihrer Habilitation geht es um die Frage der Privatisierung der Krankenhausversorgung und der stationären Altenpflege. Bis auf die kommunale Ebene hinunter will Renate Reiter Privatisierungsmaßnahmen in Deutschland und Frankreich vergleichen, zum Beispiel durch die Analyse von Ratsdokumenten und ggf. mit Hilfe von Interviews. „Die Privatisierung der Krankenhaus-Infrastruktur ist in Deutschland deutlich radikaler“, weiß Reiter. „In Frankreich interveniert der Zentralstaat sehr stark.“ Ein interessanter Aspekt wird sein, inwieweit sich die Verschuldung von Kommunen auf Privatisierungsmechanismen auswirkt.

Im zweiten Teil ihrer Zeit als Stipendiatin wird Renate Reiter ihr Habilitationsprojekt weiter vorantreiben und auch schriftlich umsetzen. Vorerst aber fällt die Halbzeitpause ein wenig länger aus. Ende Oktober erwartet Renate Reiter ihr erstes Kind. Ein Jahr will sie pausieren. Völlig ruhen lassen wird sie ihre Forschung aber wohl trotz der Babypause nicht – sofern es das Kind zulässt. „Das kann man in der Wissenschaft nie“, sagt die Habilitandin. „Und dazu mag ich diesen Beruf auch einfach zu gern.“

Carolin Annemüller | 26.08.2014