Zwischen Predigt und Betriebswirtschaft

Seelsorge, Gemeinde-Arbeit und Hobby-Schriftstellerei reichten ihm nicht. Pastor Urs Muther studierte noch Wirtschaftswissenschaft an der FernUniversität in Hagen. Was treibt ihn an?


Dr. Urs Muther ist Pastor, Hobby-Autor und Wirtschaftswissenschaftler mit FernUni-Abschluss

Dr. Urs Muther predigt in der Kirche im Talar gekleidet.
„Ich suche die Herausforderung“ - Dr. Urs Muther predigte als Pastor und studierte Wirtschaftswissenschaft an der FernUniversität. Heute arbeitet er bei der Evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg Foto: Harald Falkenrich

Die Umzugskisten in seinem Pfarrbüro in Westerstede-Ocholt sind gepackt. In den nächsten Tagen wird Dr. Urs Muther (46) umziehen – privat nach Apen bei Westerstede, beruflich nach Oldenburg. Er wechselt vom Pfarramt in die Kirchenverwaltung

Spricht man mit Urs Muther über seinen Beruf und seine Interessen, dann tun sich Gegensätze auf: Als Pfarrer und Gemeinde-Geschäftsführer war er Seelsorger, Buchhalter, Pressereferent und Veranstaltungsorganisator in einer Person. Als Hobby-Autor schreibt er Fantasy-Romane. Und nach seinem Abschluss in Theologie studierte er zusätzlich Wirtschaftswissenschaft an der FernUniversität in Hagen.

„Ich suche die Herausforderung“, sagt Urs Muther von sich. Und die sucht er nicht nur beruflich als Gemeindepfarrer und privat als zweifacher Vater, sondern auch akademisch: „Nach meinem Theologiestudium fühlte ich mich einfach noch nicht fertig. Ich wollte mehr wissen, zum Beispiel wie Wirtschaft funktioniert.“

FernUni-Flyer fiel auf

Nach diesem Entschluss recherchierte er – vor allem nach Studien-Möglichkeiten neben Beruf und Familie. Ein Flyer der FernUniversität in Hagen fiel seiner Frau in der Uni Oldenburg auf. Dort studierte sie damals, erinnert sich Urs Muther.

Studienmaterial per Post nach Hause. Ein Mix aus Online- und Präsenzveranstaltungen. Studium auch in Teilzeit. Das flexible Fernstudiensystem der FernUniversität überzeugte Urs Muther. Er schrieb sich ein.

Was folgte, waren sechs turbulente Jahre: „Es war eine anstrengende, aber auch spannende Zeit“, blickt der ehemalige Pfarrer zurück. Eine wichtige Erkenntnis: „Zu einem Fernstudium braucht man eine ordentliche Portion Selbstdisziplin.“ Für Urs Muther lohnte sich der Einsatz. Denn aus Theorie wurde Praxis, aus Vermutung Wissen: „Ich habe sehr schnell gemerkt, wie gut ich die Theorie des Fernstudiums vor allem als geschäftsführender Pfarrer umsetzen konnte, zum Beispiel im Bereich Dienstleistungsmanagement.“ Arbeitsabläufe und Hintergründe, die er sich zuvor mehr durch Probieren erschlossen, für die habe er nun eine fundierte wirtschaftswissenschaftliche Grundlage.

Neue Herausforderung

Auf seine Familie habe er während der Zeit des Fernstudiums stets zählen können: „Meine Frau hat mir in dieser anstrengenden Zeit den Rücken frei gehalten.“ Und das tat sie auch nach seinem FernUni-Abschluss in Wirtschaftswissenschaft. Denn die nächste Herausforderung wartete damals schon – die Promotion im Fach Theologie.

Nun wechselt er als promovierter Theologe und Ökonom in den Oberkirchenrat der Evangelisch-lutherischen Kirche nach Oldenburg. Als Persönlicher Referent des Oberkirchenrats wird er dort unter anderem für die Bereiche „Kirche und Diakonie“ sowie „Kirche und Wirtschaft“ zuständig sein.

Mit beidem kennt er sich aus – auch wegen seines Fernstudiums in Hagen.

Matthias Fejes | 11.09.2014