Auf dem Weg zur Habilitation - heute Soziologin Dr. Franka Schäfer

Seit zwei Jahren ist Dr. Franka Schäfer (33) wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der FernUniversität.


33-Jährige erforscht Praktiken des Protests am Beispiel der Yippies

Dr. Franka Schäfer
Dr. Franka Schäfer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der FernUniversität.

Die FernUniversität in Hagen vergibt erneut Stipendien für Habilitandinnen und knüpft damit an die Maßnahme aus dem Gleichstellungskonzept 2010 bis 2013 an. Eine halbe Stelle, die in einem Lehrgebiet oder Institut für eine Habilitandin vorgesehen ist, wird seitens der FernUni für drei Jahre auf eine ganze Stelle aufgestockt. Nach der Zwischenevaluation ist eine Verlängerung um drei weitere Jahre möglich. Die Stipendien können bis Ende 2015 beantragt werden. Nähere Information: Isabel Strauß, Dezernat 1.2, Telefon 02331/9872434, Isabel.Strauss@FernUni-Hagen.de sowie hier.

Die FernUniversität in Hagen vergibt Stipendien für Habilitandinnen. In lockerer Folge begleiten wir die geförderten Wissenschaftlerinnen auf ihrem Weg zur Habilitation. Heute: Soziologin Dr. Franka Schäfer (33).

Seit zwei Jahren arbeitet Franka Schäfer als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet Allgemeine Soziologie und Soziologische Theorie von Prof. Dr. Frank Hillebrandt. Gefördert wird sie mit einem Habilitandinnen-Stipendium im Zuge des Gleichstellungskonzepts 2010 bis 2013. Für alle Beteiligten ist das eine Win-Win-Situation. Das Lehrgebiet bekommt von der FernUniversität eine halbe Stelle zusätzlich finanziert; Franka Schäfer gewinnt so Zeit für ihre Habilitation. Damit hat die Wahlhagenerin optimale Bedingungen, Lehre und Forschung zu vereinbaren.

Entsprechend weit hat sie neben der Fernlehre und Gremienarbeit ihre Habilitation vorangetrieben. „Ich habe wesentlich mehr Privilegien als in der Promotionsphase und kann viel selbstständiger forschen“, sagt die Stipendiatin. In der Zwischen-Evaluation zieht die Wissenschaftlerin eine positive Bilanz: „Die zusätzlichen Freiräume zur persönlichen Profilbildung über meine eigene Forschung machen es realistisch, eine Professur zu erreichen.“

Diskurs und Praxis in einer Theorie vereinen

Am liebsten arbeitet die Wissenschaftlerin in ihrem Büro auf dem Campus. Neben dem solidarischen und deshalb sehr produktiven Arbeitsklima im Team um Frank Hillebrandt schätzt sie die multimedialen Möglichkeiten an der FernUni und die Chance, sich in Tagungen und Vorträge des Hagener Forschungsdialogs einzubringen.

Vor ihrer Zeit in Hagen hat Franka Schäfer sich an der Universität Münster unter anderem in einem Forschungsprojekt eines Exzellenzclusters und in ihrer Promotion intensiv mit der Diskursanalyse auseinander gesetzt. Diesen Schwerpunkt verbindet sie nun mit ihrem zweiten „Lieblingsthema“, der innovativen Praxistheorie im Lehrgebiet Soziologie I. „Ich möchte Diskurs und Praxis in einer Theorie weiterverarbeiten“, erklärt sie.

In einen Arbeitstitel gefasst, klingt das so: „Praktiken im Diskursgewimmel – zum Verhältnis von Diskurs und Praxis am Beispiel einer praxistheoretischen Erweiterung der soziologischen Protestforschung“. Wenn Franka Schäfer begeistert von ihrem Projekt erzählt, entstehen trotz der überwiegenden Beschäftigung mit theoretischen Fragen Bilder im Kopf. Das liegt an ihrem anschaulichen Forschungsgegenstand: Anhand der spezifischen Protestformen der Yippies in den USA der 1960er Jahre erforscht sie Praktiken des Protests. Dabei greift sie auf Film- und Bildmaterial, narrative Erzählungen und Dokumente zurück. „Ziel ist es, ein anderes Wissen darüber zu haben, was alles zusammenkommen musste, damit heutige Formationen aus Praktiken als Protest wahrgenommen werden“, erklärt die Soziologin.

Forschungsprojekt zur Praxisformation des Rock und Pop

In seinem Design angelehnt ist ihre Habilitation an das gemeinsame Projekt des Lehrgebiets Soziologie I zur Genese der Praxisformation des Rock und Pop in den 1960er Jahren – für dieses Forschungsvorhaben läuft derzeit ein Antrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Wichtige Impulse für die Methodik beider Projekte hat die Fachtagung zu den Methoden einer Soziologie der Praxis geliefert, die Franka Schäfer gemeinsam mit Anna Daniel und Prof. Frank Hillebrandt im vergangenen Herbst an der FernUniversität organisiert hat. Eine Erfahrung, die sie nicht nur bei ihrer Forschung, sondern auch bei der Netzwerkarbeit weiter gebracht hat.

„Das Stipendium verschafft mir die Zeit, um mich im wissenschaftlichen Feld zu positionieren und mein Forschungsprofil zu schärfen“, fasst Franka Schäfer zusammen. Derzeit läuft die neue Förderperiode für die Habilitandinnen-Förderung an. Das Lehrgebiet Soziologie I möchte auch dieses Mal mit einer Stipendiatin vertreten sein.

Carolin Annemüller | 18.09.2014