„...mehr vorwärts als rückwärts schauen...“ – Das deutschsprachige Exil in Brasilien 1933 – 1945

Mit der Lesung „Träume noch jede Nacht, jeden Tag von dem Land“ wird am 22. Oktober die Ausstellung in der Bibliothek der FernUniversität eröffnet, die bis zum 2. Dezember zu sehen ist.


Eröffnungsveranstaltung zur gleichnamigen Ausstellung der Universitätsbibliothek

16.000 bis 19.000 deutschsprachige Exilanten fanden zwischen 1933 und 1945 in Brasilien Zuflucht, der prominenteste war wohl Stefan Zweig. Mit Vorträgen und einer Lesung unter dem Titel „Träume noch jede Nacht, jeden Tag von dem Land“ wird am 22. Oktober die Ausstellung „‚...mehr vorwärts als rückwärts schauen...‘ – Das deutschsprachige Exil in Brasilien 1933 – 1945“ in der Bibliothek der FernUniversität in Hagen eröffnet. Die Eröffnungsveranstaltung und die Ausstellung richten sich an die Beschäftigten der FernUniversität, an alle am Thema Interessierten und an alle Schülerinnen und Schüler in Hagen und Umgebung. Der Eintritt ist frei.

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Lesung und Vorträge zur Eröffnung

Um 18 Uhr beginnt am 22. Oktober eine Führung durch die umfangreiche Ausstellung im Veranstaltungsraum der Universitätsbibliothek, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen.

Eine Stunde später referiert Dr. Sylvia Asmus, Leiterin des Deutschen Exilarchivs 1933 – 1945 der Deutschen Nationalbibliothek (DNB), im TGZ-Gebäude, Raum Ellipse (EG), Universitätsstr. 11, über die Entstehung und Entwicklung des deutschsprachigen Exils in Brasilien nach 1933. Richard Saringer und Dr. Peter Schütze stellen im Anschluss literarische Texte vor, die in Brasilien entstanden, und lesen Textauszüge und autobiografische Zeugnisse von Autoren wie Stefan Zweig und Ulrich Becher, die mit ihren in Brasilien entstandenen Texten das damals so fremd erscheinende Land höchst eindrucksvoll zu schildern wussten. Die Lesung trägt den Titel „Träume noch jede Nacht, jeden Tag von dem Land“.

Die Eröffnungsveranstaltung findet unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hagen und Umgebung e.V. und der Jüdischen Gemeinde Hagen statt.

Die Ausstellung: Exilanten als Brückenbauer zwischen Deutschland und Brasilien

In zehn Stationen dokumentiert die Ausstellung, die im Deutschen Exilarchiv 1933 – 1945 der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main erarbeitet wurde, bis zum 2. Dezember Werdegänge der aus dem NS-Machtbereich Geflüchteten, vor allem ihre Integration in die brasilianische Gesellschaft. Dargestellt werden die politischen Aktivitäten der Exilanten, der Aufbau jüdischer Gemeinden, die Entstehung ländlicher Siedlungen, aber auch die Propaganda der Auslandsgruppe der NSDAP, mit der die Geflüchteten konfrontiert wurden.

Einen besonders intensiven Einstieg in das Thema bieten die in der Ausstellung präsentierten Filminterviews. In ihnen werden Exilanten und Nachgeborene nach ihrem Begriff von Heimat, nach dem Einfluss der europäischen Kultur und der Auswirkung des Exils auf die Gegenwart befragt. Das deutschsprachige Exil nach 1933 hat – dies zeigt die Ausstellung – erfolgreich als Brückenbauer zwischen Deutschland und Brasilien gewirkt. Es entstand ein wechselseitiger Kulturaustausch, der bis in die Gegenwart weiterreicht.

Wenige Monate vor seinem Suizid im Februar 1942 veröffentlichte Stefan Zweig das Buch „Brasilien – Ein Land der Zukunft“. Es ist eine Liebeserklärung an das Land, das Zweig als friedliches und tolerantes Gegenmodell zu Europa auffasste, dem Kontinent, der von den Nationalsozialisten blutig unterdrückt wurde. Stärker als der österreichische Autor Stefan Zweig fängt Ulrich Becher (1910 – 1990) die exotischen, afrikanisch und indianisch bestimmten Züge Brasiliens ein. Die Gedichte seines „Brasilianischen Romanzero“ schildern die üppige tropische Landschaft Brasiliens, afrikanisch bestimmte Kulte, den Karneval von Rio de Janeiro und die Armut in den Favelas der Stadt.

Gerd Dapprich | 24.09.2014