Die Wahl des richtigen Objektivs

Um mehr Frauen in die Wissenschaft zu bringen, vergibt die FernUniversität Stipendien für Habilitandinnen. In lockerer Folge begleiten wir Stipendiatinnen auf ihrem Weg zur Habilitation.


Auf dem Weg zur Habilitation: heute Rechtswissenschaftlerin Dr. Andrea Czelk

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Dr. Andrea Czelk schreibt ihre Habilitation über das Verhältnis von Gesetz und Recht.

Die FernUniversität in Hagen vergibt erneut Stipendien für Habilitandinnen und knüpft damit an die Maßnahme aus dem Gleichstellungskonzept 2010 bis 2013 an. Eine halbe Stelle, die in einem Lehrgebiet oder Institut für eine Habilitandin vorgesehen ist, wird seitens der FernUni für drei Jahre auf eine ganze Stelle aufgestockt. Nach der Zwischenevaluation ist eine Verlängerung um drei weitere Jahre möglich. Die Stipendien können bis Ende 2015 beantragt werden. Nähere Information: Isabel Strauß, Dezernat 1.2, Telefon 02331/9872434, Isabel.Strauss@FernUni-Hagen.de sowie hier.

Um mehr Frauen in die Wissenschaft zu bringen, vergibt die FernUniversität in Hagen Stipendien für Habilitandinnen. In lockerer Folge begleiten wir Stipendiatinnen auf ihrem Weg zur Habilitation. Heute: Dr. Andrea Czelk (39), wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der FernUniversität in Hagen.

„Die Lehre habe ich am meisten vermisst“, erzählt Andrea Czelk in ihrem Büro auf dem Campus. Nach der Geburt ihres Sohnes stieg die Juristin 2012 für ein Jahr komplett aus dem Wissenschaftsbetrieb aus. Mit ihrer Familie zog sie von Hannover zurück in ihre Heimatstadt Dillenburg und wollte sich in erster Linie um ihren Sohn kümmern. Doch mit einer guten Kinderbetreuung im Rücken hatte sie viel schneller als erwartet wieder den Kopf frei zum Lehren und Forschen.

Jura-Studium, Promotion, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Dozentin und Akademische Rätin an der Leibniz-Universität in Hannover: Ihre wissenschaftliche Karriere verlief nahtlos. Andrea Czelk arbeitete rund um die Uhr. „Die Elternzeit war eine wichtige Erfahrung für mich“, sagt sie heute. „Die Dinge ändern sich. Ich nutze meine Arbeitszeit nun noch zielstrebiger.“

Aufgaben in der Lehre und eigene Forschung

Das macht sie seit Mai 2013 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Öffentliches Recht, juristische Rhetorik und Rechtsphilosophie von Prof. Dr. Katharina Gräfin von Schlieffen. Das ist allerdings nur die eine Seite ihrer Arbeit. Zusätzlich wird sie seit einem Jahr von der FernUni mit einem Habilitandinnen-Stipendiun gefördert und bekommt eine halbe Stelle für ihre eigene wissenschaftliche Forschung finanziert.

Drei Tage die Woche arbeitet die 39-Jährige am Lehrstuhl in Hagen, zwei Tage nutzt sie im Homeoffice für ihre Habilitation und Forschung. Das Konzept geht auf. Thematisch hat sie ihr Habilitationsprojekt festgezurrt, sie steht bereits am Ende der Findungsphase. „Die letzten Mosaiksteinchen setzen sich gerade zusammen“, sagt die Juristin.

Familienrecht, Sachenrecht und Rechtsgeschichte waren ihre Arbeitsschwerpunkte in Hannover – ihre Promotion entstand im Familienrecht. Darin erforschte sie Positionen der Bürgerlichen Frauenbewegung zum Unehelichenrecht und zur Kindstötung im Kaiserreich. Habilitieren will sie nun mit einer dogmatischen Arbeit zum Verhältnis von Gesetz und Recht am Beispiel ausgewählter schuldrechtlicher und sachenrechtlicher Fragen. „Offen ist noch die Wahl des Objektivs“, sagt Andrea Czelk. „Gehe ich mit dem Tele- oder Weitwinkel an die Fragestellung heran?“

Redaktionelle Betreuung des Handbuchs für juristische Rhetorik

Ihr zweites Großprojekt neben ihrer Habilitation ist derzeit die redaktionelle Betreuung des Handbuchs für juristische Rhetorik, das von Professorin Katharina Gräfin von Schlieffen herausgegeben wird. Sie hält den Kontakt mit den Autorinnen und Autoren und sorgt für die Abstimmung und Koordinierung der Beiträge. „Diese Netzwerkarbeit ist eine sehr wertvolle Aufgabe“, sagt Andrea Czelk auch im Hinblick auf eine spätere Professur.

Eines hat sich mit ihrem Wechsel von der Präsenzuni in die Fernlehre indes nicht geändert. „Die Lehre bedeutet mir unglaublich viel“, sagt Andrea Czelk. Präsenzseminare und die virtuelle Betreuung der Fernstudierenden sind für sie Herzensangelegenheit.

Carolin Annemüller | 29.09.2014