„Pariser Bilder“

Bevor Dr. Peter Schütze Lyrik und Prosa von Charles Baudelaire liest, führt Prof. Ulrich Schödlbauer mit seinem Vortrag „Baudelaires Moderne“ in das Thema ein.


Vortrag und Lesung in der Bibliothek der FernUniversität am 13. November

Zwei Werke des französischen Dichters Charles Baudelaire (1821 – 1867) sind Gegenstand der Lesung „Pariser Bilder“ von Dr. Peter Schütze am 13. November in der FernUniversität in Hagen: die Gedichtsammlung „Les Fleurs du Mal“ und die Sammlung von Prosagedichten „Le Spleen de Paris“. Es sind Schlüsselwerke der beginnenden literarischen Moderne, deren Einfluss bis in die Gegenwart reicht. Zuvor führt apl. Prof. Dr. Ulrich Schödlbauer, Lehrgebiet Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der FernUniversität; mit seinem Vortrag „Baudelaires Moderne“ in das Thema ein.

Die öffentliche Veranstaltung der Universitätsbibliothek in Kooperation mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hagen e.V. beginnt um 19 Uhr im TGZ-Gebäude der FernUniversität, Raum Ellipse (EG), Universitätsstr. 11, 58097 Hagen. Der Eintritt ist frei.

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Baudelaire gilt seit Beginn des 20. Jahrhunderts als Begründer der modernen Lyrik und als einer der wichtigsten Schöpfer der modernen Kunst- und Literaturkritik. Die Lyrik von Arthur Rimbaud, Paul Verlaine, Stefan George und Rainer Maria Rilke und die vieler anderer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts ist ohne das Vorbild des französischen Dichters nicht denkbar.

Nach dem Vortrag von Prof. Ulrich Schödlbauer liest Dr. Peter Schütze aus der Gedichtsammlung „Les Fleurs du Mal“ und aus dem „Spleen de Paris“, einer Sammlung von fünfzig Prosagedichten, die größtenteils erst nach dem Tod Baudelaires erschienen. Beide Werke sind eng verwoben mit der Erfahrung der Stadt Paris, wenngleich sie kaum Schilderungen von Schauplätzen enthalten. „Weniger der vom Schriftsteller verwendete Stoff ist das wirklich Paris-Typische“, schreibt der Baudelaire-Forscher Claude Pichois, „als vielmehr die Sensibilität, der er Ausdruck verleiht: nervöses Temperament, Geschmack an der Modernität, Kult der Künstlichkeit, Dandytum, Leidenschaft für die Masse, eine Erotisierung, die das Individuum mit einer elektrischen Aura umgibt, Heimsuchung vom Geheimnisvollen, das sich einem klarsichtigen Auge überall offenbart.“

Dass das traditionelle Versgedicht die Erfahrungswelt der modernen Großstadt nur unvollkommen wiedergeben kann, war für Charles Baudelaire ein wesentlicher Impuls, mit der Gattung des Prosagedichts zu experimentieren. Er träumte dabei, wie er im Vorwort des „Spleen de Paris“ schreibt, „von einer poetischen, einer musikalischen Prosa, die ohne metrischen Rhythmus und ohne Reim geschmeidig und zugleich sperrig genug wäre, um sich den lyrischen Bewegungen der Seele, den Wellen der Träumerei, den unerwarteten Sprüngen des Bewusstseins anzupassen.“ Dieses Ideal erwachse „vor allem aus dem Leben in den riesigen Städten, aus den zahllosen sich kreuzenden Beziehungen in ihnen.“ In nicht wenigen Texten erscheinen alltägliche Menschen der Großstadt: reiche Bürger und Handwerker, Kinder und Alte, einsam Umherirrende. Andere Prosagedichte beschreiben die isolierte Existenz des Künstlers. Charles Baudelaire fügt die flüchtigen, hässlichen und dissonanten Bestandteile der Wirklichkeit in ihren Beziehungen und Analogien kunstvoll zusammen. So entsteht eine der Moderne gemäße Form der Schönheit.

Ulrich Schödlbauer, apl. Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der FernUniversität in Hagen, promovierte in Heidelberg mit einer Studie zu Goethes „Wilhelm Meister“ und habilitierte sich in Hagen über Lyrikkonzepte der Neuzeit. Seit 2002 (seit 2009 zusammen mit Renate Solbach) gibt er das „Jahrbuch für europäische Prozesse“ Iablis heraus (www.iablis.de). Mit Prof. Dr. Peter Brandt u.a. gründete er das Kondylis-Institut für Kulturanalyse und Alterationsforschung (Kondiaf) mit Sitz in Hagen. Neben seinen wissenschaftlichen Publikationen hat Schödlbauer zahlreiche literarische Werke veröffentlicht.

Rückfragen: Georg Schirmers, UB Hagen, georg.schirmers@fernuni-hagen.de

Gerd Dapprich | 15.10.2014