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Aktuelles - Oktober 2014

Audio-Podcast: Fünf Fragen an Prof. Dr. Kathrin Jonkmann

Von lautem Lachen, Fußball im Westfalen-Stadion und Klassenzimmern der Zukunft

Mit 34 Jahren ist Prof. Dr. Kathrin Jonkmann die jüngste Professorin an der FernUniversität in Hagen. Im Interview erzählt uns die Leiterin des Lehrstuhls Bildungspsychologie an der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, wie sie in ihrer Kindheit das Buch „Lieschen lacht laut" geprägt hat. Außerdem verrät die Wissenschaftlerin, warum sie gerne Sportjournalistin geworden wäre. Und zum Abschluss blickt die Expertin für die Effektivität des Bildungssystems in die Klassenzimmer der Zukunft.



Transkript des Audio-Podcasts

Es ist wieder Zeit für eine neue Folge von „Fünf Fragen an…“. Mein Gast ist heute Prof. Dr. Kathrin Jonkmann. Sie leitet seit dem Sommersemester 2014 das Lehrgebiet Bildungspsychologie an der FernUniversität in Hagen.

Frage 1: Frau Jonkmann, Sie sind vor kurzem nach Hagen gezogen. Wo verbringen Sie einen freien Tag am liebsten: im Kunstmuseum, im Wald oder in der neuen Einkaufsgalerie?

Kathrin Jonkmann: Ja, fangen wir mal vorne an. Also Hagen hat ja sehr tolle Museen, das Osthaus-Museum und das Schumacher-Museum – von denen habe ich bei beiden aber bisher erst das Foyer gesehen. Ich denke, jetzt an einem Herbstwochenende wird sich das aber auch ändern. Die neue Galerie, die Sie gerade ansprachen, die hat ja noch gar nicht geöffnet. Da sehen Sie aber, dass ich da gut informiert bin und man mich da sicherlich bald auch mal antreffen wird. Und im Hagener Wald habe ich mich tatsächlich schon auf dem Drei-Türme-Wanderweg verirrt. Den dritten Turm habe ich noch gar nicht zu sehen bekommen. Also da werde ich auch nochmal aufbrechen müssen. Sie sehen, kurzum, in allen drei Bereichen Kunst, Shoppen und Natur trifft man mich an.

Frage 2: Vielleicht bleibt danach am Abend ja noch Zeit für ein gutes Buch. Was lesen Sie denn privat am liebsten?
Kathrin Jonkmann: Also das allererste Buch, was ich selbstständig und alleine gelesen habe, das war das Buch „Lieschen lacht lieber laut“. Und jeder, der mich kennt, der wird wissen, dass mich dieses Buch nachhaltig geprägt hat. Hier an der FernUni wurde ich schon auf mein lautes Lachen vielfach angesprochen. Mittlerweile hat sich mein Geschmack etwas verändert. Ich lese – Überraschung – auch gerne Bücher, die im akademischen Kontext spielen. Also seien es Bücher, die eher die Studierenden-Perspektive aufgreifen, zum Beispiel das Buch „Charlotte Simmons“ von Tom Wolfe; oder die, die sich eher im Kreise der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bewegen, wie das Buch „Small World“ von David Lodge, das mir ein Kooperationspartner aus der Englisch-Fachdidaktik letztes Jahr geschenkt hat.

Frage 3: Mit 34 Jahren sind Sie momentan ja die jüngste Professorin an der FernUni. Wäre für Sie auch ein anderer Beruf in Frage gekommen?
Kathrin Jonkmann: Ja, durchaus. Ich hab immer sehr, sehr gerne Sportübertragungen geguckt. Meine ersten Erinnerungen daran sind zum Beispiel Wimbledon in den 80er Jahren mit Boris Becker oder dann die Olympischen Spiele in Seoul und Calgary und schließlich die Fußball-WM 1990 – da war ich zehn Jahre alt. Und als Teenager kannte ich mich wirklich in allen Sportarten super aus. Egal, was es war, sogar im Golf. Und ich wäre eben sehr, sehr gerne Sportjournalistin geworden. Ich habe mich auch viel im Westfalenstadion rumgetrieben. Und weil ich irgendwie aufgeschnappt habe, dass Journalisten häufig erstmal etwas ganz anderes studiert haben, bin ich dann im Psychologie-Studium gelandet. Und dann kam ja alles ganz anders.

Frage 4: Genau. Sie haben inzwischen ja eine nahtlose wissenschaftliche Karriere hingelegt und sind jetzt bereits in Ihrem zweiten Semester an der FernUni. Was schätzen Sie an Ihrem neuen Arbeitsumfeld?
Kathrin Jonkmann: Zunächst einmal muss ich da meine Mitarbeiterinnen in der Abteilung nennen. Wir sind bisher ein reiner Frauentrupp. Das war für mich auch eine ganz neue und tolle Erfahrung. Das wird sich jetzt aber bald ändern, wenn wir weiter in der Abteilung wachsen. Ganz wichtig sind aber auch die Kolleginnen und Kollegen im gesamten psychologischen Institut, die mich wirklich mit offenen Armen empfangen haben und mich sehr in der täglichen Arbeit unterstützen. Auch in der Verwaltung treffe ich immer auf offene Ohren. Das läuft wirklich super. Ich hab eine sehr direkte, unkomplizierte Art, die ich eben auch bei anderen sehr schätze. Und das funktioniert hier in meiner westfälischen Heimat ein bisschen besser als bei den Schwaben. Vorher war ich ja an der Uni Tübingen. Die waren, glaub ich, mit dieser Art manchmal ein bisschen überfordert. Ganz positiv überrascht bin ich auch davon, wieviel Feedback und Austausch man wirklich auch mit den Studierenden hat, was man vielleicht nicht ganz so erwartet, wenn man an die FernUniversität kommt, also sei es in Moodle oder in Präsenzveranstaltungen, per E-Mail oder in Telefonaten. Viele dieser Kontakte sind sehr, sehr nett und positiv und sehr viel konstruktive Kritik ist auch dabei. Das der Ton aber in Moodle vielleicht manchmal etwas rauer ist als er es bei einem Augenkontakt wäre, daran muss man sich wohl gewöhnen. Und außerdem gefällt mir auch die Mensa super.

Frage 5: Werfen wir zum Abschluss jetzt noch einen Blick in die Zukunft. Sie sind ja unter anderem Expertin für die Effektivität des Bildungssystems. Wie wird in zehn Jahren an den deutschen Schulen gelernt?
Kathrin Jonkmann: Ja, darüber könnten wir jetzt natürlich ewig sprechen. Über die Frühdiagnostik und Frühförderung vor Schuleintritt, die eben dafür sorgen soll, dass Kinder nicht direkt schon mit Nachteilen in die Schullaufbahn starten oder über den häufig sozial ungerechten Übergang nach der Grundschule, wir könnten über die Gliedrigkeit des Schulsystems sprechen im Sekundarschulsystem oder aber auch über die gymnasiale Oberstufe. Ich denke aber, dass – und da bin ich mir auch einig mit vielen Bildungsforschern – der größte Einfluss auf das alltägliche Lernen eben bei den Lehrerinnen und Lehrern liegt. Und da hat die Bildungsforschung in den letzten zehn Jahren sehr viele Erkenntnisse hervorgebracht. Was guter Unterricht ist und welche professionellen Kompetenzen Lehrerinnen und Lehrer aufweisen müssen, damit sie eben guten Unterricht gestalten können. Diese Erkenntnisse haben schon Einzug genommen in die Lehrerbildung und werden auch immer weiter die Lehrerbildung beeinflussen, so dass sich denke, dass wir in zehn Jahren noch besser ausgebildete Lehrkräfte in den Schulen haben werden, die den Unterricht auch nachhaltig verändern können. Viel wichtiger als viele organisatorische Rahmenbedingungen von Schule ist eben tatsächlich das, was in den Klassenzimmern passiert.


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Carolin Annemüller | 20.10.2014
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