Nachlese der Diskussion in Berlin zum Ausbau berufsbegleitender Studienangebote

Auf einer Informationsveranstaltung in Berlin präsentierte die FernUniversität ihre Möglichkeiten zur Öffnung der Hochschule für neue Zielgruppen und ihren Beitrag zum Lebenslangen Lernen.


FernUniversität in Hagen - ideal für das lebenslange Lernen

Podiumsdiskussion in Berlin: Zum Starten der Bildergalerie auf das Startbild klicken.

Wer mehr zu den Inhalten der Veranstaltung erfahren möchte, findet hier im Pdf-Format Informationen zum Vortrag von Prof. Wolter (Humboldt-Universität zu Berlin) und zum Forschungsprojekt „Diversity Inclusion in der mediengestützten Fernlehre" von Prof. Stefan Stürmer (FernUniversität in Hagen).

Informationen rund um die FernUniversität in Hagen:

- FernUniversitaet in Hagen (pdf)

- Studienangebot (pdf)

- Studierende (pdf)

- Studiensystem (pdf)

- Betreuung (pdf)

- Finanzierung (pdf)

Wie können deutsche Universitäten der steigenden Nachfrage nach berufsbegleitender akademischer Qualifizierung und einer stärkeren Öffnung für breite Bildungsschichten gerecht werden? Was können Bund und Länder nach Aufhebung des Kooperationsverbotes (§ 91b) im Grundgesetz dafür leisten? Vertreterinnen und Vertreter aller politischen Parteien, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, des nordrheinwestfälischen Wissenschaftsministeriums sowie des DGB und der BDA diskutierten diese Fragen jetzt in Berlin. Die Studierendenseite war durch die Initiative Arbeiterkind.de vertreten. Die FernUniversität hatte zu diesem politischen Austausch ins Regionalzentrum der Hochschule eingeladen.

Zeitmanagement als Hauptproblem

Auf die wachsende Bedeutung des lebenslangen Lernens und die daraus resultierenden Anforderungen insbesondere an die Universitäten wies Andrä Wolter, Bildungswissenschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin, hin. Er ist im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Projekts „Offene Hochschule“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zuständig für „Heterogene Zielgruppen“. „Das Hauptproblem für Menschen, die mit oder ohne Abitur nach einer Phase beruflicher Praxis an die Hochschulen kommen, ist das Zeitmanagement zwischen Beruf und Studium. Wir brauchen daher mehr berufsbegleitende Studiengänge und das Studiensystem der FernUniversität ist der richtige Weg“, sagte Wolter. Er ergänzte: „Das Potential für Fernstudiengänge ist bei Weitem nicht ausgeschöpft.“ In Nordrhein-Westfalen haben im Wintersemester 2013/14 an den 14 Präsenzuniversitäten 380 Beruflich Qualifizierte ein Studium aufgenommen, 737 an den über 20 Fachhochschulen und dagegen 1.543 alleine an der FernUniversität in Hagen.

Breitere Finanzierungsgrundlage erforderlich

Der Rektor der FernUniversität, Helmut Hoyer, unterstrich, dass die FernUniversität dringend auf eine breitere Finanzierungsgrundlage gestellt werden muss, um ihr Angebot der enormen Nachfrage anzupassen und qualitativ weiter zu entwickeln. Die FernUniversität hat einen bundesweiten Auftrag. Zwei Drittel ihrer Studierenden leben und arbeiten aber außerhalb von Nordrhein-Westfalen, das fast die gesamte öffentliche Finanzierung der Universität trägt.

Ministerialdirigent Peter Greisler, Leiter der Unterabteilung Hochschulen im Bundesministerium für Bildung und Forschung, wies darauf hin, dass im Rahmen des Hochschulpakts das berufsbegleitende Studium zukünftig eine Rolle spielen werde.

Darauf dränge nach Aussage von Dr. Dietmar Möhler, Abteilungsleiter Hochschulen und Planung im nordrheinwestfälischen Wissenschaftsministerium, länderseitig auch Nordrhein-Westfalen. Dr. Möhler räumte Zweifel an der finanziellen Selbstverpflichtung des Landes aus: „Wir sind stolz auf die Leistungen der FernUniversität und werden unser Engagement nicht zurückfahren, wenn der Bund in die Hochschulfinanzierung einsteigt."

Katja Urbatsch, Geschäftsführerin der Initiative Arbeiterkind.de forderte neben flexiblen Studienformaten auch einen spezifischen Ausbau der Beratung für Studieninteressierte. „Insbesondere für Studierende der ersten Generation sind transparente Informationen darüber wichtig, was eigentlich Anforderungen der Hochschulen sind. Ohne klare Vorstellungen ist es für viele sehr riskant diesen Schritt zu wagen, gerade da oft ein großes Bedürfnis nach Sicherheit besteht."

Auf die Dimension dieser Aufgaben machte Dr. Isabel Rohner, bei der BDA zuständig für Bildung/Berufliche Bildung, aufmerksam: In Zeiten von Bologna gingen immer mehr Bachelorabsolventinnen und -absolventen direkt in die berufliche Praxis. Damit sie später eine wissenschaftliche Weiterbildung aufnehmen können, müsse das zentrale Risiko - die Aufgabe der Berufstätigkeit - mit Hilfe breiter berufsbegleitender Studienangebote minimiert werden.

Matthias Anbuhl, Abteilungsleiter für Bildungspolitik und berufliche Bildung beim DGB-Vorstand, ergänzte, dass die Qualifikationsprofile von Facharbeitern und Ingenieuren immer näher aneinander rückten und eine bessere Kommunikation zwischen beiden Ausbildungsprofilen wichtig sei. Daher werde die wechselseitige Durchlässigkeit der Ausbildungsbereiche wegweisend für den Arbeitsmarkt der Zukunft sein.

Fazit der Diskussionsrunde: Nach Aufhebung des Kooperationsverbotes ist es notwendig, die Möglichkeiten zum Lebenslangen Lernen in Deutschland deutlich auszubauen. Dabei sollten Bund und Länder gemeinsam Verantwortung bei der Hochschulfinanzierung übernehmen.

Carolin Annemüller | 21.10.2014