Die Parallelen zwischen Biographien und Kinderbüchern

Welche Bücher auf seinem Nachttisch liegen und welchen alternativen Beruf er gewählt hätte, verrät Prof. Thomas Volling im Audio-Podcast.


Audio-Podcast: Fünf Fragen an... Prof. Dr. Thomas Volling

Im Interview erzählt uns Prof. Dr. Thomas Volling, worin die Parallelen zwischen einer Biographie von Steve Jobs und einer Geschichte des kleinen Drachen Kokosnuss bestehen. Außerdem verrät der Leiter des Lehrstuhl für Produktion und Logistik an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, warum er alternativ Brückenbauer oder Bootskonstrukteur geworden wäre.

Transkript des Interviews

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Liebe Hörerinnen und Hörer,

herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von „Fünf Fragen an…“.

Mein Interviewpartner ist Prof. Dr. Thomas Volling. Mein Name ist Anja Wetter. Prof. Volling leitet seit April den Lehrstuhl für Produktion und Logistik an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft.

Professor Volling beschäftigt sich damit, Produktions- und Logistiksysteme zu planen. Am liebsten sind ihm ganz komplexe Modelle. Deshalb guckt er sich speziell an, wie individuelle, nach Kundenwünschen konfektionierte Güter hergestellt und über Vertriebswege verteilt werden.

Herr Volling, Sie kommen nach 15 Jahren an einer Präsenzuni an die FernUniversität – wie erleben Sie den Wechsel bisher?

Thomas Volling: Ja, das stimmt. 15 Jahre sind sicherlich eine lange Zeit. Alle mal lange genug, um sich mit den Vor- und Nachteilen des Präsenzunisystems vertraut gemacht zu haben. Insofern war ich schon sehr gespannt, wie sich die FernUniversität im echten Leben darstellen würde. Ich kann aber nun nach sechs Monaten sagen, dass ich sehr positiv überrascht bin, von dem, was ich hier vorgefunden habe. Sehr gut gefällt mir zum Beispiel die leistungsfähige Verwaltung. Aber genauso das Kollegium, das mich hier mit offenen Armen empfangen hat. Die größte Besonderheit sehe ich allerdings eher im Studienmodell, wie zu erwarten ist. Und hier hatte ich schon meine gewisse Skepsis am Anfang, die sich allerdings sehr schnell verflüchtigte. Ich würde fast sagen, dass die leistungsfähige IT, über die wir hier verfügen, die Nachteile des Fernstudiensystems kompensiert. Das hat sicherlich auch mit den Studierenden zu tun, die ich hier an der FernUni erlebe – als sehr interessiert. Sie sind fokussiert. Sie wissen genau, was sie brauchen, um ihr Studium zum Abschluss zu bringen. Sie sind leistungsfähig, studieren ja sogar oftmals neben dem Beruf. Und sie sind bestens vernetzt. Das erleben wir speziell dann, wenn wir nicht sofort die 100-Prozent-Lösung erreichen. Aber auch das trägt natürlich dazu bei, dass wir unser Studienangebot kontinuierlich verbessern können. Alles in allem bin ich sehr froh, hier an der FernUni sein zu dürfen.

Stellen Sie sich mal eine Welt komplett ohne Universitäten vor. Welchen Beruf würde Sie darin ausüben wollen?

Eine Welt ohne Universitäten? Das ist ja zunächst eine Welt, die mit deutlich weniger Innovationen auskommen müsste und insofern nicht unbedingt die Welt, die ich mir so vorstellen würde. Wenn ich darüber nachdenke, dann waren es eigentlich immer so die neuen Dinge. Die Dinge, die das Leben schöner und vielleicht auch angenehmer machen, die mich begeistert haben. Insofern würde ich mich in einer Welt ohne Universitäten mich vielleicht wiederfinden als Brückenbauer oder Bootskonstrukteur. Ich bin aber auch recht glücklich, dass ich mir die Frage nicht stellen muss.

Genau, zurück zur Realität. Sie sind ja nun Wissenschaftler und als solcher lesen Sie naturgemäß viel Fachliteratur. Welches Genre bevorzugen Sie denn privat, welches Buch liegt zurzeit bei Ihnen auf dem Nachttisch?

Ich finde Biographien sehr spannend. Sie sagen doch sehr viel aus, über prägende Persönlichkeiten in der Vergangenheit. Leider ist zurzeit viel zu wenig Zeit, die ich finde, um mich privat auch in Bücher zu vertiefen. Wenn Sie momentan auf meinen Nachttisch schauen, dann werden Sie dort zwei sehr unterschiedliche Werke finden. Zum einen die Biographie von Steve Jobs, dem legendären Gründer von Apple, und auf der anderen Seite das Buch des kleinen Drachen Kokosnuss, einer sehr redegewandten Fantasiefigur, die das Herz von Kindergartenkindern und teilweise auch den Vorlesenden höher schlagen lässt. Das sind die beiden Bücher, die Sie dort finden, und wenn Sie genauer reinschauen, dann finden Sie ganz interessante Parallelen – zumindest, was so die Kreativität, aber auch die Technikfreundlichkeit der Protagonisten angeht. Und auch das finde ich immer wieder überraschend zu sehen.

Als Wissenschaftler untersuchen Sie, wir haben es vorhin gehört, bevorzugt komplexe Probleme, in diesem Fall also sogenannte variantenreiche, also individuell gefertigte Produkte: viele einzelne Teile, Unternehmen müssen besonders flexibel agieren… Was macht für Sie den ,wissenschaftlichen Reiz‘ daran aus?

Das ist eine sehr interessante Frage und beginnt zunächst mal bei uns beiden – bei Ihnen und bei mir als Kunden, die wir ja, in dem Moment, in dem wir variantenreiche Produkte kaufen können, maßgeschneidert sind auf unsere Bedürfnisse. Und das ist nun egal, ob es die Jeans ist, die nicht zwickt, ob es das multifunktionale Wohnzimmer ist, das exakt unseren Wünschen entspricht oder das Auto, das neben den Kindern auch noch Platz für den Kinderwagen hat, für das Kite-Board, sportlich fährt, aber mit Emissionen geizt. Das sind variantenreiche Produkte. Und die Frage, die sich nun stellt: Wie können wir diese Produkte herstellen, zu minimalen Kosten, in einer kurzen Zeit, ohne dass wir der Umwelt und der Gesellschaft dabei schaden. Im besten Falle sogar einen positiven Beitrag leisten. Das führt zu einer ganzen Reihe interessanter Fragestellungen, denen wir uns am Lehrstuhl widmen, und die letztendlich den Kern meiner wissenschaftlichen Tätigkeit ausmachen.

Wenn ich nun ein Produkt ganz speziell nach meinen Wünschen fertigen lasse, dann geht das ja einher damit, dass ich viel Wert lege auf Servicemerkmale. Sie haben es vorhin gesagt, das Auto, das nicht nur die drei Kindersitze schluckt, sondern auch noch mein Gepäck und den Einkauf. Das macht mitunter eklatante Preisunterschiede aus am Ende. Welcher Typ sind Sie denn: eher der Ich-spar-mir-den-Luxus-Typ oder der Ich-gönn-mir-den-Luxus-Typ?

Ja, das ist wahrscheinlich ein Stück eine Berufskrankheit. Auch privat lässt mich das Optimieren von Abläufen und das Minimieren von Kosten oftmals nicht los. Gleichzeitig sind meine Lebensumstände zurzeit turbulent, dass ich es mir nicht erlauben kann, die letzten Potenziale in Bezug auf die Kosten auszureizen. Wenn Sie es vielleicht beziehen auf Flugtickets, da wäre es o, dass ich sicherlich nicht der Kunde wäre, der mit zwei Jahren Vorlauf das günstigste Ticket für meinetwegen 19 Euro buchen wird. Es wird vermutlich eher das 250-Euro-Ticket werden. Das mittelfristig buchbar ist, aber mittelfristig den besten Kompromiss bezogen auf Preis und Leistung darstellt.

Lieber Herr Volling, vielen Dank für dieses Gespräch!

Herzlichen Dank.

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Anja Wetter | 23.10.2014