Training für den „Denkapparat“

Als eine interessante Möglichkeit zur Verbesserung des kognitiven Systems werden Computer-basierte Gehirntrainings gesehen. Dr. Tilo Strobach sucht nun Teilnehmende für eine Studie.


Aufmerksamer werden, sich besser konzentrieren und erinnern – Studie der FernUniversität

Aufmerksamer werden, sich besser konzentrieren und erinnern: Ist der „Denkapparat“ des Menschen flexibel genug, um seine kognitiven Fähigkeiten gezielt verbessern zu können? Eine Frage, mit der sich PD Dr. Tilo Strobach schon seit Jahren befasst. Der Vertreter des Lehrgebiets Allgemeine Psychologie: Urteilen, Entscheiden, Handeln an der FernUniversität in Hagen sucht jetzt für eine aktuelle Studie Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Als eine interessante Möglichkeit zur Verbesserung des kognitiven Systems werden zunehmend „strukturierte, Computer-basierte Gehirntrainings“ gesehen. In den USA ist dieses Brain Training bereits ein Milliarden-Dollar-Markt. Dabei führen die Teilnehmenden in regelmäßigen Abständen – z.B. einmal täglich oder zweimal wöchentlich – bestimmte Aufgaben aus, um grundlegende kognitive Prozesse zu verbessern, z. B. ihre Aufmerksamkeit, ihre Konzentrationsfähigkeit, ihre Wahrnehmung oder vor allem ihr Gedächtnis.

Dr. Strobach möchte nun diese Thematik systematisch und wissenschaftlich untersuchen: Wie wirken Gehirntrainings? Wie effizient sind sie? Sind grundlegende kognitive Prozesse situationsunabhängig und lassen sich die Effekte auf andere Situationen übertragen? Lassen sie sich von den trainierten Aufgaben auf neue Situationen transferieren? Haben sie also „Alltagsrelevanz“? Strobachs Grundlagenforschung zielt auch auf die Bedingungen wie Alter der Teilnehmenden, Trainingszeiten oder Aufgabenkombinationen, die für eine Optimierung der Gehirnleistungen notwendig sind.

Technisch realisiert wird die Studie von NeuroNations. Die Teilnehmenden erhalten als Dank nach Beendigung der Studie eine sechsmonatige Mitgliedschaft bei dem Start-Up-Unternehmen. „Zudem sind wir optimistisch, dass die Teilnehmenden von den Trainings der Studie profitieren können“, so Strobach. An der Teilnahme Interessierte müssen mindestens 18 Jahre alt sein und einen Internetzugang haben, weil die Aufgaben online gestellt werden. Sie sollten bereit sein, täglich oder alle zwei Tage an 22 Sitzungen zu je ca. 30 Minuten teilzunehmen – nicht im Labor in der FernUniversität, sondern in einer vertrauten Umgebung, vor allem zuhause: „Im Mittelpunkt steht ja die Alltagsrelevanz“, betont Strobach.

Interessierte an der momentanen Trainingsstudie sollten sich baldmöglichst unter www.neuronation.de/fernunihagen informieren.

Erfahrungen für dieses neue Vorhaben, mit dem er bestimmte Merk- und Aufmerksamkeitskompetenzen trainieren will, bringt der Wissenschaftler mit: Er hat sich bereits mit dem Training von Gedächtnisprozessen von Kindern in 2. und 3. Grundschulklassen befasst. Sie sollten sich Tiere merken. Hatte dieses Training Effekte für ihre Lesekompetenz? Und auf ihre mathematischen Leistungen? Auch beim Rechnen muss man sich etwas merken. Strobach: „Zumindest für die Lesekompetenz konnten wir eine Steigerung und damit einen Transfereffekt nachweisen.“

Auch mit einer anderen Untersuchung konnte er positive Effekte nachweisen: bei kommerziellen Videospielen mit komplexen Situationen wie Action-Spielen. Die Teilnehmenden mussten beim Spielen mehrere Aufgaben gleichzeitig ausführen: etwa durch Welten Laufen, Schießen und Kommunizieren. „Dabei haben sie ihre Multi-Tasking-Fähigkeiten verbessert“, berichtet der Wissenschaftler. „Auch solche Spiele haben also positive Aspekte.“

Gerd Dapprich | 20.11.2014