„Fichtes Geschlossener Handelsstaat – Über Ort und Ortlosigkeit der Ökonomie im transzendentalen System“

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler setzen sich mit einem wenig beachteten Werk Fichtes auseinander, das als Kritik an der heutigen Globalisierung gelesen werden kann.


Internationale Fachtagung in Berlin

Schwarz-weiße Handzeichnung eines Mannes: der deutsche Philosoph Johann Gottlieb Fichte
Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte kann als früher Globalisierungskritiker gelten. (Foto: Wikipedia)

Johann Gottlieb Fichte (1762 - 1814) war einer der wichtigsten Vertreter des Deutschen Idealismus‘. Anlässlich des Fichte-Jahres 2014 widmet sich eine internationale Fachtagung in Berlin einer Schrift des Denkers, die nur selten umfassend gewürdigt worden ist: Es geht um Fichtes Werk „Der geschloßne Handelsstaat“ aus dem Jahre 1800, das als einer der ersten systematischen Beiträge zur Wirtschaftsphilosophie und Wirtschaftsethik der neueren Philosophie gelten kann.

Die Tagung mit Experten aus fünf Ländern wird organisiert von Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann. Der Wissenschaftler verbindet in seinem Lehrgebiet Praktische Philosophie: Ethik, Recht, Ökonomie an der FernUniversität in Hagen Idealismusforschung und Forschungen zur Wirtschaftsphilosophie. Die Tagung findet vom 28. bis 30. November 2014 im Regionalzentrum Berlin der FernUniversität im SpreePalais am Dom statt.

Fichtes Wirtschaftsphilosophie, die in mancher Hinsicht zwischen allen Fronten steht, erweist sich als ebenso provokativ wie anregend und aktuell. Fichte schreibt auf der einen Seite gegen eine anonyme Herrschaft des Marktes an, gegen die er den Primat des Rechtes und der Politik sowie die Freiheit der Einzelnen sichern will. Er entwirft auf der anderen Seite so etwas wie eine sozialistische Planwirtschaft, die wenig Spielraum für individuelle Präferenzen und Lebensentwürfe zu lassen scheint.

Fichte kritisiert vorab das, was wir heute „Globalisierung“ nennen, als Quelle von Unfreiheit und Ungerechtigkeiten. Darüber hinaus vertritt er innovative Begriffe des Eigentums oder des Geldes. Was er in jedem Fall bestreitet ist, dass die Wirtschaft das alles beherrschende System des Lebens der Bürgerinnen und Bürger werden darf.

Die Tagung möchte klären, was an Fichtes Ansatz historisch zu erklären oder was gescheitert ist, und daneben aufzeigen, was noch immer aktuell oder zukunftsweisend sein könnte.

Im Rahmen der Tagung wird der kanadische Wissenschaftler Prof. Dr. Douglas Moggach einen Vortrag über „Was heißt es, heute ein Idealist zu sein? Fichte über Freiheit und Geschichte“ halten. Zu dem Vortrag am Freitag, 28. November, ab 19.30 Uhr im SpreePalais am Dom („Quartier I“, Gebäude „Dom Aquarée“) sind alle Interessierten eingeladen.

Anja Wetter | 24.11.2014