Play Offs in Polen und Psychologie als Plan B

Lukas Kampa (27) ist einer der besten Volleyballer der Welt. Parallel studiert er Psychologie an der FernUniversität in Hagen und hat damit Plan B in der Tasche.


Volleyball-Profi Lukas Kampa (27) aus dem Ruhrgebiet ist der beste Zuspieler der Welt

Lukas Kampa im Nationaltrikot
Lukas Kampa hat mit der Nationalmannschaft Bronze bei der Weltmeisterschaft in Polen gewonnen. Foto: Grubenglück GmbH
Zuspieler Lukas Kampa in Aktion
Lukas Kampa ist diesen Sommer zum besten Zuspieler der Welt ausgezeichnet worden. Foto: Nils Weuchner (www.volley-photo.de)

Lukas Kampa ist gerade auf dem Weg zum Training in Polen, als er an sein Handy geht. Es bleibt eine Viertelstunde, um mit dem 27-Jährigen über seine Profikarriere als Volleyballer und sein Psychologie-Studium an der FernUniversität in Hagen zu sprechen.

Gestern Abend war Auswärtsspiel. Die Saison in der starken polnischen ersten Liga ist in vollem Gang. Diesen Sommer ist Lukas Kampa bei der Volleyball-Weltmeisterschaft in Polen ins „Allstar Team“ berufen und damit als bester Zuspieler der Welt ausgezeichnet worden. Mit der deutschen Nationalmannschaft gewann der 27-jährige gebürtige Bochumer Bronze. Jetzt will Lukas Kampa mit seinem Verein, dem polnischen Erstligisten Czarni Radom, in die Play Offs kommen.

In Polen ist Volleyball populär

Anders als in Deutschland ist Volleyball in Polen überaus populär und neben Fußball die Sportart Nummer eins. Das polnische Fernsehen überträgt die Spiele live. Zum Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft zwischen dem Gastgeberland und Serbien kamen 62.000 Zuschauer ins Nationalstadion von Warschau. Entsprechend kann Lukas Kampa derzeit gut vom Volleyball leben. Doch für die Zeit nach der Sportkarriere muss auch der beste Zuspieler der Welt Plan B in der Tasche haben. Deshalb studiert Lukas Kampa an der FernUniversität in Hagen Psychologie. „Das ist sehr breit gefächert und eröffnet mir neben dem Sport viele Möglichkeiten“, sagt der 1,95 Meter große Sportler.

Viel Zeit für sein Studium hat er allerdings bisher nicht gehabt. „Ich bin nicht gerade der Musterstudent“, sagt Kampa. Seine Sportkarriere hat Priorität. Dennoch will er auch im Fernstudium am Ball bleiben. Derzeit bereitet er sich für die Prüfung in Sozialpsychologie im März vor. „Psychologie spielt auch auf dem Volleyballfeld eine wichtige Rolle. In der Nationalmannschaft haben wir mit einem Prozesscoach gearbeitet“, erzählt Kampa. „Ich finde es spannend zu hinterfragen, inwieweit der Kopf beim Volleyball eingreift. So kann ich als Sportler von meinem Psychologiestudium profitieren. Das motiviert mich.“

Eine volleyballverrückte Familie

Die mentale Stärke eines Spielers und einer Mannschaft ist ein wichtiger Faktor, um in den besten Ligen der Welt zu spielen und bei Olympia nach einer Medaille zu greifen. Diesen Traum verfolgt Lukas Kampa seit seiner Jugend. Er stammt aus einer volleyball-verrückten Familie. Vater Ulrich spielte ebenfalls in der Nationalmannschaft, Mutter Sabine und der ältere Bruder David in der 1. Bundesliga. Mit 15 Jahren schlug Lukas Kampa die Profi-Laufbahn ein und wechselte ins Volleyball-Internat nach Frankfurt. Nach Platz fünf bei den Olympischen Spielen 2012 in London will er in zwei Jahren in Rio de Janeiro mit der deutschen Nationalmannschaft eine olympische Medaille holen.

„Das wird extrem schwierig“, weiß Kampa. „Aber wir tun alles für unseren großen Traum.“ Sein Ziel, in den besten Ligen der Welt zu spielen, hat er längst erreicht. Italien, Russland, Ukraine, Italien und jetzt Polen – das sind die sportlichen Stationen der vergangenen Spielzeiten. Eine weitere Herausforderung hat er dabei abseits des Spielfelds angenommen. „Nebenbei habe ich den Ehrgeiz, die jeweilige Sprache des Landes zu lernen“, sagt Lukas Kampa. Das fällt ihm in Polen derzeit schwer. „Polnisch ist sehr ungewohnt für mich. Ich habe immer ein Büchlein zum Lernen dabei.“

Vorerst noch bis Mai lebt, trainiert und spielt Lukas Kampa in der polnischen Stadt Radom. Vorerst hat er einen Vertrag für eine Saison, mit der Option auf eine weitere. Über Weihnachten will er ein paar Tage Urlaub in der Heimat bei seiner Familie in Witten machen.

Und schon ist die Viertelstunde rum. Lukas Kampa ist inzwischen an der Sporthalle angekommen. Die nächste Trainingseinheit steht auf dem Programm.

Carolin Annemüller | 02.12.2014