Glück - Ziel und Problem des Menschen

Mittlerweile ist es Tradition, dass der UNESCO-Welttag der Philosophie auch an der FernUniversität in Hagen begangen wird. Zahlreiche Schülergruppen waren unter den fast 300 Teilnehmenden.


Symposium der FernUniversität zum Welttag der Philosophie

Podiumsdiskussion mit Prof. Busche, Prof. Forschner, Prof. Bedorf und Dr. Steffen Herrmann
Podiumsdiskussion mit (v.l.) Prof. Hubertus Busche, Prof. em. Maximilian Forschner, Prof. Thomas Bedorf und Dr. Steffen Herrmann.

„Viel mehr zu verlieren als das Glück haben wir nicht. Viel mehr zu gewinnen auch nicht.“ Mit diesen Worten stimmte Professor Dr. Hubertus Busche als Geschäftsführer des Instituts für Philosophie der FernUniversität in Hagen die fast 300 Teilnehmenden auf das Symposium zum UNESCO-Welttag der Philosophie ein. Seine Botschaft war zugleich eine Erklärung für das überaus große Interesse an der Veranstaltung.

Mittlerweile ist es Tradition, dass am dritten Donnerstag im November der UNESCO-Welttag der Philosophie auch an der FernUniversität begangen wird. Das Institut für Philosophie hatte hierzu im Rahmen der „Hagener Woche der Philosophie“ bereits zum siebten Mal Lehrende, Studierende und Interessierte eingeladen. Wieder einmal war der Zuspruch sehr groß.

150 Schülerinnen und Schüler zu Gast

„Wir freuen uns sehr“, sagte Professor Busche, „dass außer zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern auch rund 150 Schülerinnen und Schüler von Gymnasien der Region zusammen mit ihren Kursleiterinnen und Kursleitern zu uns gekommen sind. Das zeigt, dass auch die akademische Philosophie ungeachtet ihrer Verwissenschaftlichung noch immer enge Berührungen mit den Brennpunkten des menschlichen Alltags hat.“

Wieder stand ein Thema von großer gesellschaftlicher Relevanz im Mittelpunkt, nämlich die Frage nach dem „Glück als Ziel und Problem des Menschen“. Das Glück ist nicht nur eines der ältesten Themen der Philosophie, sondern erlebte auch gerade in den vergangenen Jahren im Horizont von beruflicher Beanspruchung und biografischer Bastel-Identität eine Hochkonjunktur.

Prorektorin Prof. Dr. Ingrid Josephs warf in ihren Eröffnungsworten einen Blick auf das Glück. Die Psychologin betonte, dass der Schlüssel zum Glück nicht in der Produktion sogenannter Glückshormone liege und nicht auf das Haben von Glücksgefühlen reduziert werden dürfe.

Dr. Lutz Möller von der Deutschen Unesco-Kommission ermutigte die Teilnehmenden des Symposiums, sich auch zukünftig mit philosophischen Fragen zu beschäftigen. „Auch wenn wir Fragen immer wieder neu stellen, wir stellen sie besser. Wir kommen gesellschaftlich und politisch voran, und das haben wir auch der Philosophie zu verdanken“, betonte er.

Blick in die Reihen der Teilnehmenden
Fast 300 Teilnehmende, darunter zahlreiche Schülergruppen, kamen zum Welttag der Philosophie.

Unterschiedliche Bedeutungen von Glück

In seinem Eingangsvortrag stellte Prof. Busche heraus, dass das deutsche Wort „Glück“ drei ganz unterschiedliche Bedeutungen hat, nämlich das zufallende, das erlebte und das erworbene Glück. Er ging dem Zusammenhang dieser drei Glücksfaktoren sowie der Frage nach, an welchen Maßstäben Intensität und Extensität von Glück gemessen werden.

Prof. em. Dr. Maximilian Forschner von der Universität Erlangen-Nürnberg zeigte, dass John Stuart Mill eine einzigartige programmatische Vermittlung von „Glücklich sein“ und „Glück haben“ gelang. Diese gründet sich auf seine Verbindung eines qualitativen Hedonismus mit sozialreformerischen Impulsen. Prof. Dr. Thomas Bedorf und Dr. Steffen Herrmann stellten abschließend Spannungsverhältnisse heraus. Diese bestehen zum einen für Theodor W. Adorno zwischen den Selbstdisziplinierungszwängen industrialisierter Aufklärung und dem Glücksbedürfnis der Einzelnen. Zum anderen sind sie für Michel Foucault mit dem Vordringen des unternehmerischen Selbst in Beruf und Privatleben gegeben.

Auch wenn das Niveau der Vorträge streckenweise für die Schülerschaft zu Problemen der Nachvollziehbarkeit geführt haben dürfte, Neugier und Interesse waren groß. Und ihre ganz persönliche Auffassung vom Glück hatten die vielen jungen Teilnehmenden ohnehin. „Glücklich ist der, der Familie und Freunde hat“, sagte etwa Jacqueline (16) aus Sprockhövel. Und die Hagener Gymnasiastin Miedya (18) meinte: „Glück bedeutet für mich, nicht zu leiden.“


Carolin Annemüller | 03.12.2014