„Steuerung komplexer soziotechnischer Systeme“

Die Veranstaltung richtet sich in erster Linie an die Hochschulöffentlichkeit, externe Interessierte sind herzlich willkommen.


Kolloquium des Instituts für Soziologie der FernUniversität am 26. Januar

Mit der „Steuerung komplexer soziotechnischer Systeme“ beschäftigt sich Prof. Dr. Johannes Weyer, TU Dortmund, im Kolloquium des Instituts für Soziologie der FernUniversität in Hagen am Montag, 26. Januar. Die Veranstaltung unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs beginnt um 16 Uhr im Seminargebäude der FernUniversität, Raum 6, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen. Die Veranstaltung richtet sich in erster Linie an die Hochschulöffentlichkeit, externe Interessierte sind herzlich willkommen.

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Die Frage der Steuerbarkeit komplexer Systeme beschäftigt die Politikwissenschaft, die Soziologie und etliche andere Disziplinen seit Jahrzehnten. Verwiesen sei hier auf einschlägige Diskurse in der Governance-Forschung, der Techniksoziologie oder der organisationssoziologischen Forschung zu Normal Accidents und zu Highreliability Organizations. Dabei geht es um die Bewältigung von Komplexität, also um die Frage, ob sich die Prozesse in soziotechnischen Systemen, die aufgrund ihrer hohen Eigendynamik als nicht (oder kaum) steuerbar gelten, überhaupt beherrschen und steuern lassen. Wie der kritische Rückblick von Edgar Grande (2012) über 20 Jahre Governance-Forschung zeigt, ist unser Wissen über die Steuerbarkeit soziotechnischer Systeme in vielerlei Hinsicht rudimentär. Wir wissen nach wie vor wenig darüber, wie derartige Systeme funktionieren, wie sie sich dynamisch entwickeln und an welchen „Stellschrauben“ man drehen muss, um erwünschte Entwicklungen zu fördern und unerwünschte zu verhindern. Mit derartigen Fragen der soziologischen Grundlagenforschung beschäftigen sich mehrere Forschungsprojekte an der Technischen Universität Dortmund. Dort wurde zum einen ein Mehr-Ebenen-Modell von Governance entwickelt, das einen Weg aufzeigen soll, wie sich die Frage der Steuerbarkeit soziotechnischer Systeme mit Hilfe soziologischer Theorie(n) modellieren lässt. Zum anderen wurde ein Simulator namens SimCo („Simulation of the Governance of Complex Systems“) entwickelt, mit dessen Hilfe komplexe soziotechnische Systeme simuliert und deren Entwicklung, aber auch deren Steuerbarkeit unter unterschiedlichen Bedingungen studiert werden kann. SimCo ist Teil des Versuchs, die neue Methode der agentenbasierten Modellierung und Simulation (ABMS), mit deren Hilfe man Systemdynamiken untersuchen kann, für steuerungstheoretische Fragestellungen zu verwenden. SimCo wird in mehreren Projekten eingesetzt, um Energie und Verkehrsnetze zu modellieren und zu simulieren.

Gerd Dapprich | 12.01.2015