„Zwischen Pflicht und Neigung“

Referentin ist am 11. Februar die FernUni-Historikerin Dr. Eva Ochs.


Arbeitsethos und Arbeitspraxis männlicher Bürger im 19. Jahrhundert im „wissenschaftsgespräch“

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„Zwischen Pflicht und Neigung“: In den „wissenschaftsgesprächen“ der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften der FernUniversität in Hagen spricht die Historikerin Dr. Eva Ochs vom Lehrgebiet Neuere Deutsche und Europäische Geschichte am Mittwoch, 11. Februar, ab 16 Uhr über „Arbeitsethos und Arbeitspraxis männlicher Bürger im 19. Jahrhundert“ (Untertitel). Veranstaltungsort ist das Seminargebäude der FernUniversität, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen. Die Veranstaltung findet unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs statt, interessierte Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen.

Beruf und Arbeit wurden im 19. Jahrhundert zum zentralen Leitstern am „bürgerlichen Wertehimmel“. Der männliche Bürger grenzte sich mit seinem Arbeitsethos vom ständisch repräsentativen Lebensstil des Adels ab. Arbeit und Beruf erfuhren in der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts zunehmend eine Emotionalisierung und Sakralisierung. Zudem trat mit der Entwicklung des Industriekapitalismus noch eine Dynamisierung hinzu, die bis heute Geltung hat: Das Arbeitsethos wurde zu einem Leistungsethos; mit den daran gekoppelten Komplementärtugenden wie ökonomische Zeiteinteilung, strikte Selbstdisziplin und ungebrochene Willenskraft hielt es als Wert auch Einzug in die bürgerlichen Kinderzimmer. Parallel dazu wurde allerdings immer stärker über die Gefahr einer „Vereinseitigung“ diskutiert, die den „männlichen Arbeitssoldaten“ langweilig und ausschließlich materialistisch orientiert werden ließe.

Diese Thesen zum bürgerlichen Arbeitsethos sollen aus erfahrungsgeschichtlicher Perspektive überprüft werden: Welchen Stellenwert hatte der Beruf im männlichen Selbstverständnis? Wie sah in der Praxis das Spannungsverhältnis zwischen Leistungsethos und dem Bedürfnis nach Erholung, Freizeitgestaltung und familiärer Intimität aus? Am Beispiel zweier Generationen in Familienunternehmen sollen Formen der Tradierung von Berufsorientierung in den Blick geraten und zudem Veränderungen des Leistungsethos deutlich werden.

Gerd Dapprich | 14.01.2015