Zwischen Psychologie, Trainingshalle und Kellnerjob

FernUni-Student Sevan Janis Lerche bereitet sich derzeit im spanischen Granada auf die Entscheidung im Eistanz bei den Weltspielen der Studierenden vor.


Eistänzer Sevan Janis Lerche startet für die FernUniversität bei der Winter-Universiade

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Sein Alltag ist derzeit stressig: Sevan Lerche muss Eistanz, Kellnerjob und Fernstudium unter einen Hut bekommen. Foto: privat
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Auf dem Eis mit seiner neuen Partnerin Jennifer Urban. Foto: S. Schütz

Sevan Janis Lerche hat viel um die Ohren. Es dauert daher ein wenig länger, bis wir einen Interviewtermin finden. Gerade kommt der 21-jährige Eistänzer vom Training in der Eishalle in Oberstdorf nach Hause. Zeit für unser Telefongespräch.

Die Saison ist in vollem Gang und könnte kaum besser laufen. Bisheriger Höhepunkt: Platz zwei mit seiner neuen Tanzpartnerin Jennifer Urban bei der Deutschen Meisterschaft in Stuttgart im Dezember. Der Lohn: Nach der Nominierung für die Europameisterschaft in Stockholm (Platz 21) ist Sevan Lerche jetzt bei der Universiade im spanischen Granada dabei. „Ich bin mit meiner neuen Partnerin sehr glücklich. Wir wachsen als Team zusammen und werden immer besser“, sagt der 21-Jährige.

Ohne Studienbriefe zur Winter-Universiade

Der studentische Wettbewerb in Spanien ist für Sevan Janis Lerche Neuland. Einerseits, weil er gerade erst mit seinem Psychologiestudium an der FernUniversität in Hagen begonnen hat. Andererseits schafften die Weltspiele der Studierenden mit rund 2.700 Teilnehmenden den Sprung auf Platz zwei der weltgrößten Wintersportveranstaltungen hinter Olympia – eine Größenordnung, die Lerche als Sportler noch nicht erlebt hat. „Ich freue mich riesig darauf“, verrät er. „Für mich ist das fast eine richtige Olympiade mit Eröffnungsfeier, Rahmenprogramm und allem, was dazu gehört.“ Das spanische Granada sowie die slowakischen Gemeinden Osrblie und Strbske Pleso sind diesmal die Austragungsorte der 27. Winter-Universiade. In insgesamt zwölf Sportarten messen sich seit Ende Januar wieder die besten studentischen Wintersportlerinnen und Wintersportler. Sevan Lerche trainiert derzeit in der Eishalle in Granada für seinen Wettkampf am kommenden Freitag.

Sportlich will sich Sevan Janis Lerche als einziger Nominierter der FernUni nicht zu viel Druck machen. „Natürlich geben wir unser Bestes und konzentrieren uns auf unser Programm auf dem Eis. Aber ich will das Event auch genießen.“ Seine FernUni-Skripte hat er deshalb nicht in den Koffer gepackt, zumal er sich in seinem ersten Semester bewusst für keine Prüfung angemeldet hat.

Sportkarriere ohne finanzielle Unterstützung

Denn in Ruhe vorbereiten kann er sich derzeit nicht. Vor wenigen Monaten erst ist der gebürtige Herdecker und BVB-Fan von Dortmund in die Allgäuer Alpen nach Oberstdorf gezogen. Dort nimmt er mit seiner neuen Tanzpartnerin in der Meisterklasse einen neuen Anlauf auf dem Eis, nachdem er die Schlittschuhe vorübergehend an den Nagel gehängt hatte. Das junge Paar muss sich bei nationalen und internationalen Wettkämpfen erst noch beweisen, um den Sprung in den Kader des deutschen Eiskunstlaufverbands oder in die Fördergruppe der Bundeswehr schaffen. „Das ist hart für uns, denn wir müssen derzeit ohne finanzielle Unterstützung auskommen“, erklärt Sevan Janis Lerche.

Neben vier Stunden Training täglich jobbt der 21-Jährige daher als Kellner in einem Restaurant. „Das ist anstrengend und etwas viel auf einmal“, sagt Sevan Janis Lerche. Entsprechend hart trainiert er für den Sprung in den Kader, um finanziell abgesichert zu sein und den Kopf für Sport und Studium frei zu haben.

Plan B mit dem Bachelor in Psychologie

Mit dem Bachelor in Psychologie an der FernUniversität will er für die Zeit nach dem Leistungssport einen Plan B in der Tasche haben. „Mit dem Eistanz kann es schnell vorbei sein. Eine schlechte Saison oder eine Verletzung - und das war’s“, weiß er. Sein Interesse für Psychologie wurde bereits während seiner Abschlussarbeit an der Waldorfschule in Dortmund geweckt. Sevan Janis Lerche betreute ein Jahr lang eine Kinder-Eislaufgruppe und probierte verschiedene Trainingsmethoden aus. Dabei befasste er sich auch mit Grundlagen der Psychologie. „Das Studium hilft mir nicht nur als Sportler, sondern auch als Mensch weiter“, freut er sich auf die nächsten Semester an der FernUniversität.

Carolin Annemüller | 04.02.2015