[Podcast] Existenzielle Erkenntnisse gewinnen

Mit Rechtsphilosophie kennt sich FernUni-Prof.-Stübinger besonders gut aus. Was ihn daran reizt, wie er sich entspannt und warum er nichts lieber ist als Forscher? Im Podcast verrät er es.


„Fünf Fragen an ...“ Prof. Stephan Stübinger

Prof. Stephan Stübinger leitet seit dem Wintersemester 2014/15 den Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und juristische Zeitgeschichte der FernUniversität in Hagen. Nach mehreren akademischen Stationen ist er jetzt in Hagen angekommen. Im Interview erzählt er unter anderem, wie er den Wechsel von einer Präsenz- an die FernUni erlebt, wie er nach der Arbeit entspannt und weshalb man über den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit nachdenken sollte.


Transkript: Fünf Fragen an ... Prof. Stephan Stübinger:

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Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Fünf Fragen an. Heute stellen wir Ihnen Professor Stephan Stübinger vor. Professor Stübinger leitet seit dem Wintersemester 2014, 2015 den Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und juristische Zeitgeschichte der FernUniversität in Hagen. Besonders interessiert er sich für rechtsphilosophische Fragen. Zum Beispiel, warum unsere Gesetze so sind wie sie sind. Oder worin sich Recht und Gerechtigkeit voneinander unterscheiden.

Herr Stübinger, Sie beschäftigen sich unter anderem mit Recht und Gerechtigkeit. Was ist für Sie persönlich wichtiger?

Es ist beides wichtig. Optimal wäre es natürlich, wenn das gesetzte Recht immer auch gerecht wäre. Das ist aber nicht der Fall und der Grund, weshalb wir Recht und Gerechtigkeit unterscheiden ist gerade, weil wir Ungerechtigkeit, auch von Rechtswegen gewissermaßen, erleben. Und die Aufgabe eines Rechtsphilosophen ist, sich zu überlegen, wie Recht beschaffen sein sollte, oder ist, damit es auch Gerechtigkeit übt.

Sie haben nach Ihrem Studium ja eine akademische Laufbahn eingeschlagen, hätten Sie sich eigentlich auch einen anderen Beruf vorstellen können – und wenn ja, welcher wäre das gewesen?

Vor dem Studium hatte ich mir durchaus eigentlich etwas anderes vorgestellt. Eine klassische juristische Laufbahn. Aber da bin ich im Grunde genommen auch während des Studiums davon abgekommen. Ich habe gemerkt, dass das eigentlich nicht so mein Feld gewesen wäre. Aber es hat ja zum Glück geklappt mit der wissenschaftlichen Karriere.

Als Forscher, Hochschullehrer und Lehrstuhlinhaber haben Sie ja sicher einen vollen Terminkalender. Wenn Sie nach einem anstrengenden Arbeitstag dann nach Hause kommen, wie entspannen Sie sich dann eigentlich am besten?

Ich versuche regelmäßig, das heißt so zwei-, dreimal die Woche, Sport zu treiben. Gerade abends dann auch mal zu laufen oder auch am Tag, wenn das irgendwie möglich ist. Wie gesagt, so zwei-, dreimal die Woche. Ansonsten versuche ich abzuspannen durch Fernsehen, durch Aktivitäten natürlich mit meiner Familie.

Es ist zu Beginn unseres Gesprächs bereits kurz angeklungen, Sie befassen sich ja besonders mit Rechtsphilosophie. Was reizt Sie eigentlich persönlich an diesem Thema?

Die Rechtsphilosophie, so wie ich sie verstehe, ich weiß, das ist nicht unbedingt konsensfähig heutzutage, aber die Rechtsphilosophie hat es mit der Suche nach Recht mit Richtigkeitsansprüchen zu tun. Und diese Frage ist nicht Rechtsexperten im engeren Sinne zu überlassen, sondern die sollte sich jeder stellen. Weil Recht ist, gewissermaßen, zu wichtig, ums nur den Juristen zu überlassen. Und das genau versucht die Rechtsphilosophie. Das ist die Beschäftigung mit auch traditionellen, klassischen Denksystemen, in denen Recht nur eine Facette ist. Das hängt zusammen mit anderen Fragestellungen, die den Menschen als solchen ausmacht. Wie Kant es formuliert hat: „Was kann ich wissen? Was soll ich tun?“ Auch darin ist die Aufgabe der Rechtsphilosophie, diese Frage mitzubeantworten. Und das sind Fragen, die das Menschsein insgesamt betreffen. Und insofern macht das die Rechtsphilosophie für mich spannend.

Zum Schluss noch eine Frage, die uns über Facebook erreicht hat. FernUni-Studentin Sarah Rosati würde gerne wissen, ob und wie Sie den Wechsel von einer Präsenz- an die FernUniversität erleben? Vor allem in Bezug auf die Lehre.

Ich bin hier selbst noch ein Lernender. Das heißt, ich muss mich noch immer vertraut machen mit dem neuen System. Es hat Vor- und Nachteile. Ich habe durchaus auch gerne Präsenzveranstaltungen gemachen. Nicht so sehr gerne die Massenvorlesungen. Aber auch kleinere Lehrveranstaltungen. Die kann man hier natürlich auch in Form von Seminaren veranstalten. Hier ist gewissermaßen die Herausforderung, diese notwendige Distanz, die durch mangelnde Präsenz zustande kommt, zu überbrücken und die eigenen Texte zu überbringen. Ich bin gerade dabei, mich neu zu orientieren. Ich bin sehr froh, dass ich einen gut funktionierenden Lehrstuhl vorgefunden habe. Und bin gerade dabei, die ganzen Lehrveranstaltungen – auch – umzuarbeiten. Beziehungsweise meinen eigenen Stempel aufzudrücken. Und das bedarf aber noch einer gewissen Zeit. Im Moment genieße ich es durchaus sehr, keine großen Vorlesungen zu haben. Ich bin mal gespannt, ob ich irgendwann auch Sehnsucht danach haben sollte. Das ist so der Unterschied, der mir im Moment so auffällt. Aber vielleicht können Sie mich in ein, zwei Jahren nochmal fragen, wie es dann aussieht. Das wird auf jeden Fall eine sehr spannende Zeit.

Damit sind auch schon am Ende unseres Podcasts angelangt. Herr Stübinger, ich bedanke mich recht herzlich für das Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin gutes Ankommen hier an der FernUniversität. Dankeschön.

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Matthias Fejes | 17.02.2015