Starthilfe für Beruflich Qualifizierte

Das Rektorat fördert ein fakultätsübergreifendes Projekt für die Studieneingangsphase. In den Lehrgebieten werden Konzepte für eine zielgruppenspezifische Didaktik entwickelt.


Bildungswissenschaftler Prof. Dr. Uwe Elsholz leitet dreijährige Projektphase

(Quelle: Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2014: Bildung in Deutschland 2014. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zur Bildung von Menschen mit Behinderungen. Bielefeld: W. Bertelsmann, S. 127.)

Die FernUniversität ist für berufserfahrene Studierende besonders attraktiv: Ein Viertel aller bundesweit Beruflich Qualifizierten, die über den Dritten Bildungsweg an die Hochschulen kommen, schreiben sich an der FernUniversität in Hagen ein. Der Trend ist auch seit Öffnung der Universitäten für diese Zielgruppe ungebrochen. Rund 36 Prozent der Erstsemesterinnen und Erstsemester an der FernUniversität besitzt weder die allgemeine Hochschulreife noch die Fachhochschulreife. Im Vergleich dazu kommen die übrigen Universitäten im Durchschnitt zwei bis drei Prozent  (Quelle: Berechnungen des CHE auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes).

Dichotomie der Wissensarten

„Die Schwierigkeit ist, dass es an didaktischen Modellen insbesondere für diese Gruppe fehlt“, hat Prof. Dr. Uwe Elsholz, Leiter des Lehrgebietes Lebenslanges Lernen an der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, festgestellt. Der Bildungswissenschaftler leitet das fakultätsübergreifendes Projekt „Verbesserung der Studieneingangsphase für Beruflich Qualifizierte (BQ)“. Es wird vom Rektorat der FernUniversität finanziell gefördert und hat zum Ziel, die Personengruppe ohne Abitur beim Übergang ins Studium zu unterstützen. Profitieren sollen von den Ergebnissen insgesamt alle Studienanfängerinnen und -anfänger an der FernUniversität.

Allerdings liegt gerade in der Startphase des Studiums die Hürde für Beruflich Qualifizierte höher: Sie werden vor allem mit theoriebasierten Wissenskonzepten konfrontiert, die einzig wissenschaftlicher Logik folgen. „Diese stark abstrahier­ten Modelle sind für diese Zielgruppe vielfach gedanklich wenig anschlussfähig, da sie aufgrund ih­rer biografischen Erfah­rungen mit anderen Denkgewohnheiten und einer anderen Handlungslogik ausges­tattet sind“, sagt Elsholz. Lernphasen liegen unter Umständen länger zurück.

Diese Kluft möchte das Projekt schließen und geeignete Ansätze zur Unterstützung dieser Personengruppe entwickeln. „Studien zeigen, dass die Dauer und die Relevanz der beruflichen Vorerfahrung Einfluss auf den Studienerfolg haben. Die Möglichkeiten, diese Erfahrungen einzubringen, beeinflussen also den Studienerfolg positiv“, so Elsholz. „Idealerweise entwerfen wir didaktische Konzepte, die die Gesamtheit der Studierenden zu Beginn des Studiums unterstützen – und einer Gruppe besonders helfen.“

Eine Gruppe Menschen steht auf einer Treppe: Alle vier Fakultäten beteiligen sich an dem Projekt für Beruflich Qualifizierte: (v.li.) Denise Brückner, Prof. Uwe Elsholz, Alexandra Zeiß, Prof. Luise Unger, Wilma Mitze, Heike Karolyi, Prof. Claudia de Witt, Prof. Thomas Hering, Prof. Katharina Gräfin von Schlieffen, Carolin Lohse und Claudia Grüner.
Alle vier Fakultäten beteiligen sich an dem Projekt für Beruflich Qualifizierte: (v.li.) Denise Brückner, Prof. Uwe Elsholz, Alexandra Zeiß, Prof. Luise Unger, Wilma Mitze, Heike Karolyi, Prof. Claudia de Witt, Prof. Thomas Hering, Prof. Katharina Gräfin von Schlieffen, Carolin Lohse und Claudia Grüner.

Fachspezifische Umsetzung

Die konkrete Umsetzung der Projektziels soll fachspezifisch, in vier beteiligten Lehrgebieten aus allen Fakultäten der FernUniversität, erfolgen: Zu den bereits vorhandenen Konzepten wie Brückenkurse oder Propädeutika sollen weitere methodisch-didaktische Unterstützungsmaßnahmen entwickelt werden – je nach fachlicher Anforderung in den Lehrgebieten. „Wichtig ist der regelmäßige Austausch zwischen den Fakultäten und den einzelnen Lehrgebieten während des Projekts. So kann eine wechselseitige kollegiale Beratung erfolgen“, sagt Projektkoordinatorin Denise Brückner.

An dem Projekt beteiligen sich das Lehrgebiet Algebra der Fakultät für Mathematik und Informatik (Prof. Dr. Luise Unger), das Lehrgebiet Öffentliches Recht, juristische Rhetorik und Rechtsphilo­sophie der Rechtswissenschaftlichen Fakultät (Prof. Dr. Katharina Gräfin von Schlieffen), der Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Investitionstheorie und Unternehmensbewertung der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft (Prof. Dr. Thomas Hering) sowie das Lehrgebiet Bildungstheorie und Medienpädagogik der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften (Prof. Dr. Claudia de Witt). Vertreterinnen und Vertreter der einzelnen Lehrgebiete haben sich jetzt zu einem Auftaktworkshop getroffen, um das weitere Vorgehen zu planen.

Anja Wetter | 10.02.2015