Intergruppenkontakte und ihre Effekte

Prof. Oliver Christ ist neuer Leiter des Lehrgebiets Psychologische Methodenlehre und Evaluation am Institut für Psychologie.


Neuer Professor schätzt die Interaktion mit FernUni-Studierenden

Oliver Christ in seinem Büro auf dem Campus
Leitet seit März das Lehrgebiet Psychologische Methodenlehre und Evaluation: Prof. Dr. Oliver Christ, hier in seinem Büro auf dem Campus.

Forschungsmethoden, Statistik und computergestützte Datenanalyse: Diese Inhalte sind bei vielen Psychologie-Studierenden der FernUniversität in Hagen nicht besonders beliebt. Das will Prof. Dr. Oliver Christ ändern. Der 40-jährige Psychologe ist seit März neuer Leiter des Lehrgebiets Psychologische Methodenlehre und Evaluation.

„Ich möchte möglichst viele Studierende für diese Themen begeistern“, sagt Christ. „Daher vermitteln wir nicht nur mathematisch-statistische Grundlagen, sondern zeigen über Beispiele aus der Forschung die Anwendung auf.“ Seine Studierenden kommen nicht an methodischen Ansätzen und statistischen Verfahren vorbei: „Diese sind Voraussetzung für alle psychologischen Teildisziplinen und unverzichtbar für die spätere Berufspraxis als Psychologin oder Psychologe“, sagt Christ.

Promotion und Habilitation in Marburg

Seine Professur trat er erst vor wenigen Wochen an, doch zuvor hat er bereits ein Jahr lang das Lehrgebiet vertretungsweise geleitet. In diesem Zeitraum hat ihn die Interaktion mit den Studierenden der FernUniversität positiv überrascht. „Die Studierendenschaft ist hier viel heterogener als an einer Präsenzuni“, sagt Oliver Christ, der an der Universität Marburg studiert, promoviert und sich habilitiert hat. „Viele bringen interessante berufliche Erfahrungen ein.“

Auf den neuen Professor am Institut für Psychologie prasseln nun viele Herausforderungen ein. Die Methodenlehre lag bislang in mehreren Händen und ist unter seiner Regie im Neuaufbau. Wie der gesamte Bachelor-Studiengang Psychologie werden auch die von ihm betreuten Module stärker auf E-Learning umgestellt. Dafür zeichnet Christ momentan Online-Vorlesungen im Videostudio auf.

Zusammenspiel von positiven und negativen Kontakten im Fokus

Seine Forschung konzentriert sich derzeit auf ein Projekt zu Intergruppenkontakten, dafür hat er kürzlich einen Förderantrag in einem international ausgeschriebenen Programm (Open Research Area) unter Beteiligung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingereicht. Es geht um Intergruppenkontakte und deren Effekte auf ethnische Vorurteile. „Hat eine Person Kontakt zu Mitgliedern einer anderen Gruppe, zum Beispiel zu Ausländern, hat sie weniger Vorurteile“, erklärt Oliver Christ. „Positive Kontakte zwischen Personen unterschiedlicher ethnischer Gruppen führen zu einer höheren Toleranz.“ Im Fokus seines neuen Projekts stehen sowohl positive als auch negative Kontakte zu Minderheiten. „Uns interessiert vor allem das Zusammenspiel von positiven und negativen Kontakten“, sagt Christ. „Das ist kaum erforscht.“

Eng zusammenarbeiten wird Oliver Christ mit Kolleginnen und Kollegen aus den Niederlanden und aus Großbritannien. Dabei greift er auf Kontakte zurück, die er unter anderem als Gastwissenschaftler an den Universitäten in Oxford und St. Andrews geknüpft hat. Ein Teil der Experimente des internationalen Projekts soll im Labor in Hagen stattfinden. Angewendet wird ein theoretischer und methodischer Mehrebenenansatz. „Neben individuellen Faktoren wird so der Kontext mitberücksichtigt, in dem Kontakte stattfinden“, erklärt Christ. Eingebettet ist seine Forschung darüber hinaus in das Research Center for the Psychological Study of Individual und Community Change. In diese Arbeitsgruppe von Hagener Psychologinnen und Psychologen will Oliver Christ sich zukünftig verstärkt einbringen.

Vater von zweijährigen Zwillingen

Neben der Aufbau- und Forschungsarbeit an der FernUniversität steht Oliver Christ auch privat vor einer anstrengenden Herausforderung. Er ist Vater von zweijährigen Zwillingen. Deshalb hat er vor seinem Wechsel an die FernUniversität ein Jahr Elternzeit eingelegt. „Das ist in der Wissenschaft immer noch schwierig, aber es ist machbar“, sagt er und pendelt nun zwischen Osnabrück und Hagen.

An seinem neuen Arbeitsplatz schätzt er insbesondere die Zeitautonomie und die damit verbundene Möglichkeit, auch während des Semesters zu forschen. Ende des Jahres erwartet er die Antwort von der DFG für sein Projekt. „Die Wahrscheinlichkeit, dass der Bescheid positiv ist, liegt bei weniger als zehn Prozent“, sagt Christ. Doch unabhängig von einer Zu- oder Absage: In seinem Lehrgebiet wird es bald neue Forschungsergebnisse zu Intergruppenkontakten geben.

Carolin Annemüller | 02.04.2015