Der Weg zum Titel und zum Diplom

13 Jahre nach seinem Diplom in Wirtschaftswissenschaft kehrte Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, an die FernUniversität in Hagen zurück.


Oliver Bierhoff, Manager der Fußball-Nationalmannschaft, kehrt an die FernUniversität zurück

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Das gesamte Team zählt: Oliver Bierhoff sprach über zentrale Werte auf dem Weg zum Titel.

Nach 13 Jahren schließt sich ein Kreis. Im Mai 2002 nimmt Fußballprofi Oliver Bierhoff an der FernUniversität in Hagen sein Diplom in Wirtschaftswissenschaft entgegen. Als erfolgreicher Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft kehrte der 46-Jährige am Donnerstagabend auf den Campus nach Hagen zurück. Die Gesellschaft der Freunde der FernUniversität hatte den prominenten Absolventen für ihre Mitgliederversammlung als Referenten gewonnen. Sein Thema: „Der Weg zum Titel“ bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

Stau auf dem Weg vom Flughafen nach Hagen

Um 17.29 Uhr betritt Oliver Bierhoff den Seminarraum, er kommt eine halbe Stunde zu spät. 200 Freunde und Förderer der FernUniversität haben Verständnis. Die Autobahn war dicht, die Fahrt vom Flughafen in Düsseldorf nach Hagen dauerte länger als ein Fußballspiel. Oliver Bierhoff sieht in seinem eleganten, dunkelblauen Anzug fast noch genauso aus wie bei seinem letzten Besuch in Hagen: schlanke Statur, volle, braune Haare, freundlich-smartes Lächeln, das ihn auch als Werbeträger so attraktiv macht.

Rektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer und DFB-Manager Oliver Bierhoff
Rektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer dankte Oliver Bierhoff für seinen spannenden, unterhaltsamen Vortrag.

Der gut 1,90 Meter große Ex-Fußballprofi ist ein guter Redner. Unterhaltsam und kompetent spricht er über erfolgreiche Teamführung und die Gemeinsamkeiten von Profifußball und Wirtschaft. „Das Studium an der FernUniversität war eine richtig gute Basis für meinen Job als Manager der Nationalmannschaft“, sagt Bierhoff.

Studienmaterial in die ganze Welt nachgeschickt

Seine Eltern schicken ihm von Essen aus die Unterlagen in die ganze Welt nach. Ins Trainingslager, nach Österreich und Italien, wo er erfolgreich von Tor zu Tor stürmt. „Was war das doch für eine Freude, wenn die Stapel mit dem Studienmaterial kamen“, blickt Bierhoff lachend zurück. Erinnerungen werden wach „an die vielen dunklen Abende in der italienischen Provinz“, an denen er sich mit Buchführung, Rechnungswesen und Bilanzführung beschäftigt. Unter anderem in Verona, Monaco und Rom schreibt er Klausuren. Seine Diplomarbeit entsteht am Lehrstuhl des 2011 emeritierten Professors Michael Bitz zum Thema „Die Bestimmung des Platzierungspreises von Aktien im Vorfeld einer Börsenneueinführung – eine vergleichende ökonomische Analyse am Beispiel des Börsengangs von Fußballvereinen“.

Sportliche Vita: Oliver Bierhoff wird 1968 in Karlsruhe geboren. Er wächst in Essen auf, dort sind seine Stationen als Jugendfußballer die SG 99/06 und ETB Schwarz Weiß. 1985 wechselt er zu Bayer Uerdingen und wird mit der A-Jugend 1987 Deutscher Meister. 1986/87 bestreitet er für Bayer seine ersten 19 Spiele in der Fußball-Bundesliga, danach stürmt er für den Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach. 1990 wechselt der kopfballstarke Mittelstürmer ins Ausland, zunächst nach Österreich (Austria Salzburg), später nach Italien (Ascoli, Udine, AC Mailand, Chievo Verona). 1998 wird er in Italien Torschützenkönig (27 Treffer) und Fußballer des Jahres in Deutschland.

Unter Berti Vogts wird Bierhoff 1996 Nationalspieler und Europameister in England. Im Finale erzielt er zwei Tore und dreht das Spiel. Sein 2:1 gegen die Tschechen geht als erstes Golden Goal in die Fußball-Geschichte ein. Das verlorene WM-Finale 2002 ist sein 70. und letztes Länderspiel (insgesamt 37 Tore). Seit dem 29. Juli 2004 ist Oliver Bierhoff Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Publikum
200 Freunde, Förderer und Gäste der FernUniversität waren begeistert: Der Vortrag von Oliver Bierhoff kam bestens an.

„Ich habe an der FernUniversität viel gelernt, zum Beispiel Disziplin und komplexe Themen zu strukturieren“, sagt Oliver Bierhoff. „Viele Inhalte sind mir heute hilfreich, wenn ich etwa ein Budget für ein großes Turnier aufstelle.“

Kein Zufall, sondern akribische Planung

Denn eines stellt Bierhoff gleich zu Beginn klar: „Der Weg zum Titel ist kein Zufall, sondern beinhaltet akribische Planung.“ Angelegt ist der Weg zum Erfolg und zum neuen positiven Image der Nationalelf als Zehnjahresprojekt. Während die Visionen von Turnier zu Turnier wechseln, bleiben die zentralen Werte konstant: Professionalität, Respekt vor dem gesamten Team, Spaß und Freude an der Sache.

Bierhoffs Erfolgsrezept: Eine klare Vision von dem, was man wie erreichen will, diese mit Leben füllen und an die Sache trotz aller Widerstände glauben. Beispiel Campo Bahia, das Mannschaftsquartier in Brasilien, das nur über eine Fähre zu erreichen war. Bierhoff sucht es aus, steht im Vorfeld der WM in der Kritik. Doch auf dem Weg zum Titel kristallisiert sich die Anlage als wichtiges Puzzleteil des deutschen Erfolgs heraus.

Fernstudium als Anker und Stütze

„Widerstände haben mich immer stärker gemacht“, sagt Bierhoff. Auch sein Weg zum Diplom an der FernUnversität erfordert wie der zehnjährige Weg zum ersehnten Titel viel Ausdauer. 1988 schreibt er sich in Hagen ein. Die Termine für Liga, Nationalmannschaft und Sponsoren werden immer mehr: Sein Studium zieht sich in die Länge, doch er bleibt am Ball. „Ich bräuchte eigentlich die Silberne Ehrennadel für 25 Semester“, schmunzelt Bierhoff über seine 14 Jahre an der FernUniversität. „Das Studium war für mich immer Anker, Stütze, Ausgleich und Ablenkung. Ich bin dafür sehr dankbar.“ Als DFB-Manager ermuntert er heute seine Spieler, neben dem Training für den Körper auch etwas für den Geist zu tun.

Denn auch sein BWL-Wissen ist ein Puzzleteil auf dem Weg zum WM-Titel. „Indirekt haben auch wir als FernUniversität zum Erfolg der Nationalmannschaft beigetragen“, sagt Rektor Prof.Dr.-Ing.Helmut Hoyer nach dem Vortrag mit einem Augenzwinkern. „Wir werden jetzt jedes Länderspiel mit anderen Augen sehen.“

Neben dem Blick hinter die Kulissen des Unternehmens Nationalmannschaft können Gäste und Mitglieder der Freundesgesellschaft auch für sich persönlich etwas mitnehmen. Etwa die Botschaft, sich selbst treu zu bleiben und klare Ziele zu formulieren.

Carolin Annemüller | 24.04.2015