Die Träume der Dichter

Zu der wissenschaftlichen Veranstaltung sind auch interessierte Bürgerinnen und Bürger willkommen.


Literaturwissenschaftliches Kolloquium am 6. Mai

Um „Die Träume der Dichter“ dreht sich das Literaturwissenschaftliche Kolloquium am Mittwoch, 6. Mai, ab 14 Uhr in der FernUniversität. Der Referent Hans-Walter Schmidt-Hannisa, Professor für Neuere Deutsche Literatur an der NUI in Galway (Irland), ist seit zwei Jahrzehnten ein international renommierter Forscher auf dem Gebiet Literatur und Traum. Veranstaltungsort ist die FernUniversität, IZ-Gebäude, Raum F09 (EG), Universitätsstr. 1, 58097 Hagen. Zu der wissenschaftlichen Veranstaltung unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs sind auch interessierte Bürgerinnen und Bürger willkommen.

Veranstalter ist das Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft. Auskunft erteilt Prof. Dr. Michael Niehaus, E-Mail: Michael.Niehaus@fernuni-hagen.de.

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Bereits die Aufklärung macht den Traum systematisch zum Gegenstand ästhetischer Reflexion; sie bestimmt diesen als „unwillkürliche Dichtkunst“ (Jean Paul) und begründet damit das zum Paradigma werdende Konzept einer engen Verwandtschaft von träumerischer und dichterischer Kreativität. Beispielhaft aufzeigen lässt sich deren Verschränkung anhand eines (angeblich) im Traum verfassten Gedichts Karl Siegmund Freiherr von Seckendorffs, das die ästhetischen Qualitäten des Traums erläutert. Im 19. Jahrhundert entfaltet sich das genannte Paradigma in der Ästhetik – so sieht etwa Nietzsche im Traum „Kunsttriebe der Natur “ am Werk, aber auch in der Psychologie (Johannes Müller, Karl Albert Scherner); es kulminiert schließlich in der Kreativitätstheorie der Psychoanalyse. Vor diesem Hintergrund ziehen die „Träume der Dichter“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts besondere Aufmerksamkeit auf sich. Zu deren empirischer Erforschung führen sowohl der „wilde“ Psychoanalytiker Wilhelm Stekel (Die Träume der Dichter, 1912) als auch der Berliner Publizist Ignaz Ježower (Buch der Träume, 1928) Fragebogen- bzw. Sammelaktionen durch, auf die auch prominente Autoren wie Walter Benjamin, Paul Heyse, Gerhart Hauptmann oder Peter Rosegger reagieren. Die Antworten auf Stekels Frage, welche Rolle Träume bei der dichterischen Produktion spielen, machen deutlich, dass für die meisten der Befragten Trauminspirationen nur durch bewusste auktoriale Gestaltung in Dichtung überführbar sind. Andererseits entstehen zeitgleich Traumpoetologien, die auf neuen Konzepten von Autorschaft beruhen und den Dichter als bloßes Medium, als passiv empfangende Instanz definieren. Auf dieser Grundlage entwickelt sich die – möglichst unverfälschte – Traumaufzeichnung als eigenständige Gattung, als Form „unwillkürlicher Dichtkunst“, deren „Literarizität“ ausschließlich in der ästhetischen Qualität des Geträumten begründet ist.

Gerd Dapprich | 20.04.2015