Preis für Prof. Ralf Hartmut Güting: Nachhaltiger Einfluss auf Forschung und Praxis

Die Unterstützung geometrischer Datentypen und Operationen in Datenbanksystemen hat zentrale Bedeutung z.B. für Kartendienste, Navigationssysteme oder die Planung neuer Stromtrassen.


Auszeichnung der EDBT für Arbeit von 1988

Von seiner „wissenschaftlichen Vergangenheit“ eingeholt wurde jetzt Prof. Dr. Ralf Hartmut Güting. Der Leiter des Lehrgebiets Datenbanksysteme für neue Anwendungen an der FernUniversität in Hagen erhielt bei der EDBT-Konferenz 2015 in Brüssel eine Auszeichnung für eine Arbeit, die er bei der ersten Veranstaltung 1988 veröffentlichte. Die EDBT (Extended Database Technologies) bewertete, welche Arbeit – die auf einer ihrer ersten vier Konferenzen vorgestellt wurde – die langfristig größte Wirkung hatte. Es war nach Meinung der Jury Prof. Gütings „Geo-Relational Algebra: A Model and Query Language for Geometric Database Systems“. Darin beschrieb Güting sein neues Modell eines geometrischen Datenbanksystems mit innovativen Datenverwaltungsmöglichkeiten durch eine geometrische Algebra.

Prof. Ralf Hartmut Güting mit seiner Arbeit aus dem Jahr 1988, für deren nachhaltige Wirkung er jetzt ausgezeichnet wurde.
Prof. Ralf Hartmut Güting mit seiner Arbeit aus dem Jahr 1988, für deren nachhaltige Wirkung er jetzt ausgezeichnet wurde.

Diese Arbeit hatte seither einen großen Einfluss auf die Forschung, auch für die Praxis ist sie relevant. Die Unterstützung geometrischer Datentypen und Operationen ist heute Standard in Datenbanksystemen und hat vielfältige Anwendungen. Ohne sie wären z.B. Kartendienste wie Google Maps oder OpenStreetMaps in ihrer heutigen Form kaum denkbar: Die Geodaten sind Grundlage für Straßenkarten, sie liefern u.a. Hinweise auf Tankstellen, Restaurants etc. Handys oder PCs rufen dann Bilder ab, die aus diesen Geodaten berechnet wurden. Ebenso leisten sie einen Beitrag zur Verwaltung von Daten für Navigationssysteme. Auch für die Berechnung von neuen Stromtrassen, die im Zuge der Energiewende errichtet werden, sind die geometrischen Berechnungen von zentraler Bedeutung.

So kam es, dass die EDBT – die europäische Top-Datenbankkonferenzserie – Gütings Arbeit als diejenige der vier ersten Tagungen einordnete, die die nachhaltigste Wirkung hatte (die Zusammenkünfte fanden 1988 und 1990 in Venedig, 1992 in Wien und 1994 in Cambridge statt). Hierfür wurde ihm bei der 18. Konferenz der „EDBT 2015 Test of Time Award“ überreicht.

„Wissenschaftliche Vergangenheit“ ist im Übrigen ein nicht ganz zutreffender Begriff für Gütings Arbeitsschwerpunkt, denn dieses Thema begleitete ihn während seiner ganzen wissenschaftlichen Laufbahn von der Universität Dortmund – wo er 1987 Professor wurde – über die Berufung zur FernUniversität 1989 bis in die Gegenwart. Insofern hat die damalige Arbeit auch in Gütings eigener wissenschaftlicher Vita eine nachhaltige zentrale Bedeutung. So befasst er sich in Hagen mit „Datenbanken für bewegliche Objekte”, in denen man u.a. Bewegungen von Personen, Fahrzeugen oder Vogelschwärmen nachverfolgen kann, ebenso wie die Ausbreitung von Krankheiten, Umweltverschmutzung, Waldbränden oder Ölflecken im Meer. Die Anfragesprache des Systems wurde so erweitert, dass man viele Fragen über solche Bewegungen einfach formulieren kann; das System liefert unmittelbar eine Antwort. So könnte man z. B. fragen, wann sich ein Waldbrand am schnellsten ausgebreitet hat oder welche Personen zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort waren.

Gerd Dapprich | 22.04.2015