Goethes „Wahlverwandtschaften“

Das Schauspiel-Duo Kriszti Kiss und Peter Schütze liest „Die Wahlverwandtschaften“ von Johann Wolfgang von Goethe: am 9. und 16. Juni, jeweils von 19 bis 21 Uhr im TGZ auf dem Campus in Hagen.


Lesung der Bibliothek der FernUniversität an zwei Abenden

Eduard und Charlotte, zwei adelige Eheleute in mittlerem Alter, leben, ihre Liebhabereien pflegend, zurückgezogen auf ihrem Landgut. Beide waren bereits in der Jugend ineinander verliebt, sie wurden aber erst nach dem Tode der vorherigen Ehepartner frei füreinander. Dies ist die Ausgangssituation in Johann Wolfgang von Goethes 1809 erstmals erschienenem Roman „Die Wahlverwandtschaften“.

Die Universitätsbibliothek Hagen lädt zu einer zweiteiligen Lesung aus dem Roman auf den Campus der FernUniversität ein. Nach einer Einführung durch Georg Schirmers, Bibliotheksreferent, liest das Schauspiel-Duo Kriszti Kiss und Peter Schütze aus dem Werk: am 9. und 16. Juni, jeweils von 19 bis 21 Uhr in der Ellipse im TGZ, Universitätsstraße 1, 58097 Hagen. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

Erotisches Wechselspiel

Zum Roman selbst: Eduard äußert gegenüber Charlotte den dringlichen Wunsch, dass sie einen unverschuldet in Not geratenen Freund, auf das Schloss einladen. Seine Frau zögert zuzustimmen. Denn ihre Erfahrung hat sie gelehrt, dass durch die „Dazwischenkunft eines Dritten“ das Verhältnis von Freunden, Geschwistern, Liebenden und Gatten „ganz und gar verändert werde.“ Eduard beharrt aber auf seiner Bitte. Sie einigen sich darauf, den Freund und Charlottes Pflegetochter Ottilie einzuladen. Eduard und Ottilie, Charlotte und der Hauptmann verlieben sich ineinander. Es beginnt ein erotisches Wechselspiel, das die Handelnden zunächst beglückt. Am Ende aber steht der Tod, die Überlebenden bleiben ohne Trost zurück.

Goethe beschreibt dies in einer höchst präzisen Sprache, die kunstvoll Motive und Symbole verknüpft. Der allwissende Erzähler enthält sich einer moralischen Bewertung, er ordnet die Romangestalten wie in einem wissenschaftlichen Versuch an. Goethes durchweg ironische Schreibweise, sein Verzicht auf feste moralische Handlungsanweisungen und die Problematisierung der Ehe als Institution haben dazu geführt, dass viele Zeitgenossen – auch die jungen romantischen Schriftsteller – den Roman als unsittlich verwarfen.

Erst im 20. Jahrhundert setzte sich gerade auf Grund der unterschiedlichen Auslegungsmöglichkeiten des Werkes die Erkenntnis durch, dass die „Wahlverwandtschaften“ ein moderner Text sind, dessen „dauerhafte Umstrittenheit“ (so der Germanist Theo Elm) die Leserschaft herausfordert.

Presse | 27.05.2015