Audio-Podcast: Fünf Fragen an Prof. Dr. Robert Gaschler

Heute stellt sich Prof. Dr. Robert Gaschler unseren fünf Fragen. Er ist seit April 2015 Leiter des Lehrgebiets Allgemeine Psychologie – Lernen, Motivation, Emotion.


Über Lieblingspostkarten, Gürtel im Judo und unter Plastikfolie gezogenem Spargel

Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge unserer Podcast-Reihe „Fünf Fragen an…“. Heute stellt sich Prof. Dr. Robert Gaschler unseren fünf Fragen. Er ist seit April Leiter des Lehrgebiets Allgemeine Psychologie – Lernen, Motivation, Emotion.

Transkript des Audio-Podcasts

[mehr erfahren]

Frage 1: Im Vorgespräch haben Sie mir erzählt, dass Sie gerne Postkarten verschicken. Was ist denn Ihrer Meinung nach das schönste Postkartenmotiv in Hagen?

Robert Gaschler: In dem Freilichtmuseum werden Postkarten von solchen Rosinenstuten verkauft. Das sind Hefekuchen, die leuchten richtig, man kriegt richtig Appetit. Die backen da auch selber welche, so dass man die Postkarte zu dem, was man dort schon nach einer langen Wanderung essen durfte, kaufen kann. Die sieht gut aus, die gefällt mir gut. Ich habe auch ehrlich gesagt, mal eine Weile überlegt, ob ich nicht Konditor werden möchte. Deswegen ist das schon etwas, was ich ganz nett finde.

Frage 2: Außerdem haben Sie mir im Vorgespräch erzählt, dass Sie einen schwarzen Gürtel in Judo haben. Welche Eigenschaften muss man denn haben, um so weit zu kommen?

Robert Gaschler: Diese Gürtel gibt es dafür, dass man Techniken, die man unter Wettkampfbedingungen anwenden könnte, unter Kürbedingen sauber zeigen kann. Da gehören immer zwei dazu: Einer, der die Technik demonstriert und einer, der die Technik an sich demonstrieren lässt. Was mir sowohl im Wettkampf, auch wenn der Trainer das nicht so witzig fand, als auch bei diesen Gürtelprüfungen immer sehr gefallen hat, ist das an sich demonstrieren lassen. Das ist schon echt cool, wenn man merkt, oh jetzt hebe ich ab. Jetzt ist nichts mehr zu machen. Außer gut fallen, kann ich hier nichts mehr herausholen. Ansonsten, bei all diesen Dingen ist es letztlich so: Üben, üben, üben. Das klingt ein bisschen wie eine Binsenweisheit. Aber die Forschung zu Expertiseerwerb, also wie lerne ich richtig, richtig gut in einer Sache zu werden, zeigt eigentlich ziemlich klar, dass es im Wesentlichen darum geht, dass man intensiv sehr viele Stunden übt. Sei es Schach, sei es Judo, was auch immer. Man muss nicht besonders schlau sein. Das ist vielleicht sogar hinderlich, weil man dann nach einer Weile denkt: Ach, ist das langweilig, immer nur Schach üben oder immer nur Judo machen. Man muss dran bleiben.

Frage 3: Ansonsten haben Sie zwei Töchter und Kinder stellen ja bekanntlich sehr gerne viele Fragen. Welche Frage hat Sie denn da zuletzt an Ihre Grenzen gebracht?

Robert Gaschler: Ist es noch weit? Wann sind wir da? Haben wir das schon? „Haben wir das schon“ bezieht sich darauf, dass wir sehr viele Pixi-Bücher haben. Das sind so fünf mal fünf Zentimeter große, kleine Bilderbücher. Die haben vielleicht 24 Seiten. Die haben auf der letzten Seite einen Webeblock für weitere Pixi-Bücher, die man prinzipiell haben könnte. Da zeigt meine kleine Tochter, die ist drei Jahre alt, immer drauf und will dann wissen, ob wir das haben. Das weiß sie eigentlich viel besser als ich. Ich glaube wir haben mittlerweile fast alle, die es gibt. Vielleicht wurde mal eine Auflage gestoppt und die müssten wir uns antiquarisch besorgen. Aber alles, was sonst so zu haben ist, müssten wir eigentlich haben. Sie fragt aber trotzdem gerne nach. Inhaltlich: Mit der Großen, die ist acht Jahre alt, habe ich ein paar schöne Frühstücksdiskussionen gehabt, die letztlich darauf hinausliefen, dass sie immer von mir wissen wollte, ob das, was ich heute unterrichte, wirklich Not tut. Ob ich da wirklich hinfahren muss, um Leuten etwas beizubringen oder ob das nicht sowieso selbstverständlich ist mit dieser Psychologiesache. Zum Beispiel will sie wissen: Was ist denn heute dran? Dann sage ich, wir sprechen heute über den Unterschied zwischen Gehirn und Computer. Dann sagt sie: Naja, eine Gehirn hat keine Tasten. Warum musst du da extra hinfahren? Da kannst du mir doch Eierkuchen machen in der Zeit.

Frage 4: In Ihrer Forschung beschäftigen Sie sich auch gerne mit dem Thema Konsumentinnen- und Konsumentenperspektive auf den Plastikfolieneinsatz in der Landwirtschaft. Jetzt hat bei uns gerade die Spargelzeit begonnen. Wie sieht es denn bei Ihnen aus? Schmeckt Ihnen der Spargel, auch wenn er unter Folie gezogen wurde?

Robert Gaschler: Also, Spargel essen? Klar, wenn er da ist. Alles was da ist, wird gegessen. Diese Plastikfoliensache ist aber schon ein interessantes Thema. Bevor ich nach Hagen gekommen bin, war ich in Landau in der Pfalz Juniorprofessor. Das ist eine sehr schöne Gegend. Zu vielen Monaten, im Frühling, auch im Winter ist die landwirtschaftliche Gegend aber ziemlich zugepflastert mit Plastikfolien. Interessant finde ich, dass man darüber eigentlich gar nicht so viel weiß. Weltweit steigt der Einsatz von solchen Plastikfolien ziemlich stark. Letztendlich ist es so, dass fast alles, was wir an Gemüse essen, unter Folie gewachsen ist. Das muss auch nicht schlimm sein. Das ist in Maßen sehr effizient, Folien zu benutzen. Komisch ist aber, dass wir darüber eigentlich wenig Bescheid wissen. Spannend wird es dann zum Beispiel an solchen Stellen, wenn man sich überlegt, inwiefern und für wieviel Aufpreis, Leute gerne ein lokales Gemüse kaufen, das unter hohem Energieansatz zwei, drei Monate vor der natürlichen Saison unter Folie gewachsen ist.

Frage 5: Ihr Lehrgebiet heißt „Allgemeine Psychologie – Lernen, Motivation, Emotion“. Wie schafft man es denn, seine Lernstrategie zu ändern, wenn man einmal in eine Sackgasse geraten ist?

Robert Gaschler: Ich glaube es gibt zwei Wege. Das, was wir tun, hängt schon sehr stark ab von den Theorien, die wir selber darüber haben, wie etwas gut funktioniert. Also in dem Fall: Das, was wir glauben, wie Lernen funktioniert, bestimmt schon ziemlich stark, was wir machen. Konkreter: Viele Studierende, dazu gibt es auch wirklich Daten, würden von selber nicht darauf kommen, dass es sich lohnt, von der Zeit, die man insgesamt hat fürs Lernen, einen ziemlich großen Anteil abzuzweigen und dafür zu nutzen, sich selber schon einmal zu testen. Wenn ich 50 Stunden habe, nehme ich nicht alle fünfzig Stunden zum Lernen, sondern wenigstens zehn Stunden, um mich selber schon einmal zu prüfen. Damit bin ich besser, als wenn ich alle fünfzig Stunden fürs Lernen benutzen würde. Also, Wissen über gutes Lernen hilft, auch aus Sackgassen wieder herauszukommen. Der andere Weg ist: Wir lösen Aufgaben, wir machen Sachen, wir Lernen etwas, so wie wir das bewusst erleben und nebenbei laufen viele Dinge unbewusst ab. Wenn es also zum Beispiel Sachen gibt, die sich wiederholen, Reihenfolgen und Dinge, die zusammen oft vorkommen. Da können wir gar nicht anders, als uns das mit der Zeit auch einzuprägen, so dass unser unwillkürliches, unbewusstes Lernen uns auch eigentlich immer wieder die Gelegenheit gibt, Überraschungen zu erleben. Oh, das habe ich jetzt ja schon irgendwie gewusst, wie kommt das eigentlich? Solche Überraschungen können dann auch dazu führen, dass man Strategien auch absichtlich und bewusst ändert.

Carina Grewe | 12.06.2015