Nachhaltigkeit ist eine Frage der individuellen Verantwortung

Wie können wir den Klimawandel stoppen? Prof. Alfred Endres, Prof. Nico Paech und Dr. Hans-Jürgen Nantke lieferten in der Tagungsreihe „Nachhaltiges Wirtschaften“ Denkanstöße dazu.


Rund 70 Interessierte bei Tagung „Umweltökonomie im Zeichen des Klimawandels“

Drei Männer stehen nebeneinander
Die drei Referenten (v.l.) Prof. Nico Paech, Prof. Alfred Endres und Dr. Hans-Jürgen Nantke lieferten in der Tagungsreihe „Nachhaltiges Wirtschaften“ zahlreiche Denkanstöße.

Tragen der Lebenswandel und die Wirtschaftsweise insbesondere in den Industriestaaten zum Klimawandel bei – und wie können wir dieser negativen Entwicklung entgegenwirken? Indem wir unser Verhalten ändern und unsere Bedürfnisse reduzieren? Welche Instrumente und Methoden gibt es darüber hinaus zur Steuerung? Unter diesen Leitfragen fand an der FernUniversität in Hagen eine Tagung aus der neuen Reihe „Nachhaltiges Wirtschaften“ statt.

Mit rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, darunter zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter gesellschaftlicher Gruppen und FernUni-Studierende, stieß das Thema „Umweltökonomie im Zeichen des Klimawandels“ vor allem aufgrund der fachübergreifenden Ausrichtung der Thematik auf großes Interesse. Gastgeber der Tagung war Prof. Dr. Alfred Endres, Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insb. Wirtschaftstheorie.

Grenzen des Wachstums

Prof. Dr. Niko Paech von der Carl von Ossietzky-Universität in Oldenburg, Inhaber des Lehrstuhls für Produktion und Umwelt innerhalb der Fakultät für Informatik, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften sprach über „Postwachstumsökonomie – sind wir reif für die Reduktion?“. Paech stellte die These auf, dass Wachstum durch technisierte Mittel in eine Gespensterdebatte führe – so, als gebe es noch alternative Wege. Wachstumskritische Ansätze zeigten auf, dass permanentes ökonomisches Wachstum weder ökologisch entschärft, noch durchgehalten werden könne und überdies nicht erstrebenswert sei.

Er überführte die Wachstumskritik in die Postwachstumsökonomie mit den Ausprägungen Suffizienz, Substizienz, Regionalökonomie, Umbau der Industrie und Anpassung der Institutionen und erläuterte, dass Nachhaltigkeit eine Frage der individuellen Verantwortung sei. Er erklärte die Energiewende als „grünes Wachstum“ am Beispiel des Primärenergieverbrauchs und zeigte auf, dass der Ansatz des „grünen Wachstums“ wegen der zu erwartenden Reboundeffekte nicht geeignet sei, die Wirtschaft nachhaltig zu gestalten. Im Rahmen der Postwachstumsökonomie würden aus Konsumenten Prosumenten. Diese legten Wert auf beispielsweise eigene Produktion, Nutzungsintensivierung und Nutzungsdauerverlängerung der Produkte. Das heißt, die Interaktion zwischen Prosumenten und Unternehmen würde einer grundlegenden Reform unterzogen.

Ein Mann steht an einem Redepult
Prof. Alfred Endres spannte den Bogen von den Grundlagen der Ökonomie über die Umweltökonomie bis zum Klimwandel.

Trittbrettfahrerproblematik

Prof. Dr. Alfred Endres spannte anschließend den Bogen von den Grundlagen der Ökonomie über die Umweltökonomie zum Klimawandel. Er stellte den homo oeconomicus als einen Menschen dar, der aufgrund knapper Ressourcen Entscheidungen trifft, die seinen Nutzen maximieren. Die in der Öffentlichkeit häufig vorgetragene Sicht, der homo oeconomicus sei ausschließlich am Geld interessiert, sei zu eng und entspreche nicht dem wissenschaftlichen Gebrauch dieser Denkfigur. Die klassische Sicht des Marktgleichgewichts-Modells werde durch Ansätze des Marktversagens korrigiert. Ursachen des Marktversagens seien asymmetrische Information, Marktmacht, Ungerechtigkeit und externe Effekte.

Der Wissenschaftler erläuterte: „Um externe Effekte wie beispielweise Umweltverschmutzung zu internalisieren, wurden verschiedene Instrumente entwickelt, wie Auflagen, Abgaben und handelbare Emissionsrechte. Bei der Umsetzung dieser Instrumente kommt im Bereich globaler Umweltprobleme das Trittbrettfahrerproblem auf. Ein Staat, der seine Treibhausgasemissionen einschränkt, handelt zum Nutzen aller anderen Staaten.“ Bei internationalen Umweltverhandlungen bestehe das Problem darin, die abzuschließenden Verträge so zu gestalten, dass das Trittbrettfahrerproblem so weit wie möglich abgemildert wird.

Illustration

Markstabilität im Emissionshandel

Mit dem umweltökonomischen Instrument Emissionshandel setzte sich Dr. Hans-Jürgen Nantke als Leiter der Deutschen Emissionshandelsstelle im Umweltbundesamt auseinander. Er stellte die Entwicklung des deutschen Emissionshandels anhand der verschiedenen Handelsperioden dar: von der Pilotphase über die Stabilisierung zur Konsolidierung und europäischen Harmonisierung.

Nantke zeigte auf, dass in der 4. Handelsperiode bis über das Jahr 2021 hinaus weitere strukturelle Reformen des Emissionshandels notwendig werden. Die Emissionsobergrenzen müssen sukzessive gesenkt werden, um dem Preisverfall der Emissionsrechte entgegenzuwirken. Ein Ansatz der Strukturreform sei die Einführung einer Marktstabilitätsreserve, die über eine Kürzung oder Erhöhung zu vergebender Emissionsrechte erreicht werden kann. Ein Versuch, die Emissionsgrenzen dauerhaft und in einem klimatologisch wirkungsvollen Umfang zu senken, stoße auf starken Widerstand von politischen Interessengruppen, berichtete Nantke aus seiner Erfahrung.

Die drei Vorträge boten im Anschluss jeweils Anreiz zu angeregten Diskussionen.