Unternehmen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Die FernUniversität hat Stipendien für Habilitandinnen vergeben. Sozialwissenschaftlerin Dr. Melanie Roski forscht zum akademischen Unternehmertum in wissens- und technologieintensiven Bereichen.


Auf dem Weg zur Habilitation – heute Sozialwissenschaftlerin Dr. Melanie Roski

Melanie Roski bei einer Konferenz
Melanie Roski, hier bei einer Konferenz, nutzt ihr Stipendium auch, um sich weiter in der wissenschaftlichen Community zu vernetzen.

Die FernUniversität in Hagen hat erneut Stipendien für Habilitandinnen vergeben. Wir begleiten die Wissenschaftlerinnen auf ihrem Weg zur Habilitation. Heute: Sozialwissenschaftlerin Dr. Melanie Roski, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet Soziologie III (Organisationssoziologie und Qualitative Methoden).

Geschäftsführung oder Forschung? „Beides geht auf Dauer nicht. Eine bewusste Entscheidung für die Wissenschaft oder die Wirtschaft ist aus Zeitgründen zwingend erforderlich“, sagt Melanie Roski. Das ist ein Ergebnis ihrer Forschung zum akademischen Unternehmertum in wissens- und technologieintensiven Bereichen.

Was passiert, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Unternehmen gründen? Wie verändert eine Unternehmensgründung die Menschen und die Art ihrer Forschung? Warum gründen insbesondere Forscherinnen so wenige Unternehmen? Welche Rolle kommt dabei der Geschlechterpolitik zu? Mit diesen Fragen hat sich die Soziologin unter anderem in ihrer Promotion an der TU Dortmund sowie in verschiedenen Projekten an Hochschulen und Forschungsinstitutionen beschäftigt.

Idee vom unternehmerischen Ökosystem

„Ich hatte nie die Zeit dafür, die Idee vom unternehmerischen Ökosystem in ein theoretisch fundiertes übergreifendes Modell zu übertragen“, sagt Melanie Roski. Unter einem „unternehmerischen Ökosystem“ werden in der Regel verschiedene ökonomische, sozio-kulturelle und politische Umfeldfaktoren zusammen gefasst, die bei der Gründung eines Unternehmens relevant werden können. Ziel ihrer Habilitation ist es nun, ein neo-institutionalistisch fundiertes Modell unternehmerischer Ökosysteme zu entwickeln.

Die Förderung der FernUni bietet Melanie Roski dafür beste Rahmenbedingungen. Denn das Lehrgebiet von Professorin Sylvia Wilz erhält zusätzlich eine halbe Stelle finanziert. Und die Habilitandin gewinnt Freiräume für ihre Forschung. „Das Stipendium ist eine tolle Chance“, sagt sie. „Ich forsche nicht den ganzen Tag im stillen Kämmerlein, sondern bin gleichzeitig in die Lehre und Gremienarbeit eingebunden.“

Die Dortmunderin ist häufig auf dem Campus anzutreffen. Den Arbeitsaufwand an der FernUniversität schätzt sie ähnlich ein wie an einer Präsenzuniversität. „Man muss sich viel Zeit für die E-Mails der Studierenden nehmen“, lautet ihr Fazit nach eineinhalb Jahren in Hagen. „Aber man kann sich die Zeit insgesamt besser einteilen.“

Unternehmensgründungen in der Chemie

Zahlreiche Daten zur Unternehmensgründung in der Chemie hat die Sozialwissenschaftlerin bereits in einem früheren Projekt an der Universität Wuppertal gewonnen. Derzeit führt sie die empirischen Ergebnisse und theoretischen Grundlagen bisheriger Projekte zusammen. In einem zweiten Schritt wird sie zusätzliches empirisches Material erheben. Geplant sind Interviews aus dem Kreis der Wirtschaft – mit Unternehmen und mit Expertinnen und Experten der IHK, der Kommunen und Verbände.

Ihr Habilitationsprojekt soll sie ihrem Traum von einer Professur in der Soziologie ein Stück näher bringen. „Das wäre das Optimum, auf das ich hart hinarbeite“, sagt Melanie Roski. „Aber ein bisschen bleibt es ein Lotteriespiel.“

Carolin Annemüller | 04.09.2015