Impulse durch gelebte Internationalität

In Südostasien passieren „spannende Sachen“ in der mobilen Kommunikation. Die Lehrgebiete der Professoren Unger und Halang nehmen nicht nur durch Austauschstudierende und Promovierende daran Teil.


Bewährte Kooperation der FernUniversität mit Universität in Bangkok

„Seit zehn Jahren läuft die Zusammenarbeit hervorragend – also machen wir weiter!“ Darüber sind sich Prof. Dr.-Ing. habil. Herwig Unger und seine Partner an der King Mongkut‘s University of Technology North Bangkok (KMUTNB) einig. Das Team des Lehrgebiets Kommunikationsnetze der FernUniversität in Hagen gilt bei den Kolleginnen und Kollegen der thailändischen „Faculty of Information Technology“ als ebenso zuverlässig wie kompetent – gleiches gilt ebenso auch umgekehrt: Von der intensiven Zusammenarbeit profitieren beide Universitäten, daher gilt es als sicher, dass die Kooperation auch in Zukunft fortgesetzt wird. Mit dabei ist von Anfang an auch das Lehrgebiet Informationstechnik von Prof. Dr. Dr. Wolfgang A. Halang. Gemeinsam wollen die beiden Hagener Professoren zusammen mit dem Informatiker Prof. Dr. Jörg Keller (Lehrgebiet Parallelität und VLSI) die interkontinentale Zusammenarbeit mit der KMUTNB sogar intensivieren und in der Hagener Fakultät für Mathematik und Informatik auf eine breitere Basis stellen.

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Austauschstudierende bei der gemeinsamen Arbeit mit wissenschaftlichen Mitarbeitern des Lehrstuhls von Prof. Herwig Unger (stehend, links) und Barbara Kleine.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützt die Hagener Hochschule als eine der weltweit führenden Fernuniversitäten in vielfältiger Weise. Aktuell wird gerade ein Projekt finanziert, das den Bangkoker Partnern bei der Einführung eines Fernstudiensystems helfen soll, um dort die Ausbildung neben dem Beruf attraktiver zu machen. „Die Technologie ist bereits im Rahmen eines speziellen Institutes vorhanden, aber Organisation und Lehrinhalte fehlen noch“, so Unger. Im Rahmen des Projektes werden u.a. „drei thailändische Professorinnen ab dem 10. Oktober für drei Wochen nach Hagen kommen, um mehr über Methodik und logistische Fragen der Fernlehre zu erfahren“.

Damit hören aber die Aktivitäten noch nicht auf: im Januar 2016 kommt eine weitere Doktorandin aus Thailand nach Hagen, deren dreijähriges Promotionsstudium diesmal ganz von der KMUTNB finanziert wird. „Mit im Gepäck sind dann mehr als 1.500 weitere Datensätze über das detaillierte Nutzerverhalten in Kommunikationsnetzen und sozialen Netzwerken, aus denen wir heißbegehrte und wichtige soziologische und psychologische Daten zum Nutzerverhalten bekommen, die bei der Netzwerk-optimierung eine zentrale Rolle spielen und uns so bislang nie verfügbar gemacht werden konnten“, so Prof. Unger.

Impulse für Forschung und Entwicklung

Damit ist Unger bei einem wichtigen Punkt: „Bei der mobilen Kommunikation und sozialen Netzwerken sind asiatische Länder mit ihrer Technologieoffenheit die Trendsetter, während Deutschland diese zukunftsträchtigen Entwicklungen verschläft“! In Thailand und Vietnam hat Unger vor Ort erfahren, dass in den Großstädten der Entwicklungsländer von gestern „schnelle mobile Netzwerke bis hin zu G4 fast überall verfügbar sind, man aber eigentlich sogar schon von High-Speed-Hotspot zu Hotspot wandert – ganz ohne etwas zu bezahlen und ohne dabei von niedrigen Datenvolumina oder überflüssigen Administrationsaufwand beschränkt zu werden“. Dies sind die unabdingbaren Voraussetzungen dafür, dass Thailand „definitiv kein IT-Entwicklungsland mehr ist – da passieren spannende Sachen mit einer Dynamik, die wir in Deutschland noch gar nicht ahnen“.

Die internationale Zusammenarbeit beschränkt sich am LG Ungers jedoch nicht auf Asien: seit 2007 können jedes Jahr zehn bis zwölf Austauschstudierende aus aller Welt ein zwei- bis dreimonatiges Praktikum am Lehrgebiet durch das DAAD-IAESTE Programm absolvieren. Im Jahr 2015 sind es -- neben zwei thailändischen Gästen -- Studierende aus Indien, Spanien, Kolumbien, Tadschikistan, Russland, Israel, China und Vietnam. Vor allem die Studierenden höherer Semester haben z.B. oft exzellente Programmiererfahrungen und Kompetenzen. Unger: „Sie unterstützen uns daher unmittelbar bei unserer Forschungsarbeit und bringen auch eine unersetzbare Vielfalt neuer Gedanken und Sichtweisen zu uns. Wir leben hier Internationalität!“ Ein weiterer Vorteil ist es, dass „gerade die Diskussionen mit den Studierenden, das Herunterbrechen komplizierter Zusammenhänge in kleine Details uns selbst besser verstehen lässt, was wir wollen“. Die Lösung von Problemen auf der untersten Ebene der konkreten Implementierung hilft dabei auch schon einmal gestandenen Wissenschaftlern im Team an anderen Stellen weiter.

Trotz der finanziellen DAAD-Unterstützung bleibt für das Lehrgebiet viel zusätzliche Arbeit: Die Austauschstudierenden, -wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler müssen untergebracht werden, sollen Sehenswürdigkeiten des Umlandes besuchen und deutsche Kultur und Geschichte kennenlernen.

Hier lobt Prof. Unger ganz besonders Barbara Kleine und seinen wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr.-Ing. Kubek für ihr freiwilliges, zusätzliches Engagement auch außerhalb der Dienstzeiten. Barbara Kleine spielt die zentrale Rolle bei der Vorbereitung, Organisation und nichtwissenschaftlichen Betreuung. Unger: „Es gibt immer wieder bürokratische Hürden, ein ‚interkulturelles Durcheinander‘, Missverständnisse und 1000 Kleinigkeiten, die mit einmal ganz wichtig werden. Nur gut, dass man sich auf Frau Kleine blind verlassen kann“.

Gerd Dapprich | 24.09.2015