Lust auf mehr: Praktikantinnen und Praktikanten überzeugten in Unternehmen

Bei den „St. Petersburger Unternehmergesprächen“ des BWL-Lehrstuhls für Informationsmanagement berichteten Firmenvertreter von ihren Erfahrungen – sie waren durchweg sehr positiv.


Doppelabschlussprogramme der FernUniversität: Beste Studierende kommen nach Deutschland

Sehr viel Licht und wenig Schatten: So beurteilten die Teilnehmenden der ersten „St. Petersburger Unternehmergespräche“ ihre Erfahrungen mit Praktikantinnen und Praktikanten aus dem Doppelabschlussprogramm der FernUniversität in Hagen mit der Staatlichen Wirtschaftshochschule St. Petersburg. Eingeladen hatte Prof. Dr. Ulrike Baumöl, Inhaberin des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insb. Informationsmanagement. Kollegen von Firmen, die bisher an dem Programm noch nicht teilgenommen hatten, zeigten deutliches Interesse.

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Geschäftsführer Udo Schmitz berichtete ausführlich von seinen Praktikantinnen-Erfahrungen.

Anlass für die ersten „St. Petersburger Unternehmergespräche“ war das 15-jährige Bestehen der Kooperation mit der russischen Hochschule, bei dem mit Förderung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes bislang 60 russische Studierende gleichzeitig einen Universitätsabschluss an ihrer Heimatuni und an der FernUniversität erlangt haben. Die besten von ihnen können bei Praktika die deutsche Arbeitswelt – und Land und Leute – kennenlernen. Seit Kurzem gibt es dieses Praktikumsangebot auch für Studierende der ungarischen Universität Pécs. Bisher wurden 30 Praktikantinnen und Praktikanten vermittelt.

Durchweg waren die Praktikumsgeber von der Sinnhaftigkeit und den Qualitäten der Gäste vollauf überzeugt. Beide Seiten profitierten. Eine Absolventin aus St. Petersburg z.B. stieg bis zur Leiterin der Finanzen Osteuropa bei SARIA Bio-Industries auf. Manfred Gellner, ehemaliger Geschäftsführer des Unternehmens, das bisher bereits sechs Praktikantinnen und Praktikanten hatte: „So bildet man Leute für sich aus“, die dann gerne im Ausland eingesetzt werden.

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Prof. Ulrike Baumöl stellte die Kooperation der FernUniversität mit der St. Petersburger Wirtschaftsuniversität vor.

Hochprofessionelle „Eintrittskarte“ für Praktikum

Udo Schmidt, Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Kuhlmann-Cars in Heiden, die Premium-Fahrzeuge zu hochwertigen Bestattungswagen umbaut, berichtete in einem Vortrag von seinen Erfahrungen. Schon bei ihrer schriftlichen Bewerbung hatte eine Praktikantin sich „hochprofessionell“ gezeigt: „Die Eintrittskarte für ein Praktikum in Form eines Projekts.“ Sie und eine zweite Studentin erfüllten das Anforderungsprofil des mittelständischen Unternehmens völlig:

  • „telefonsicher“(hohe Sprachkompetenz),
  • „sich die Dinge erschließen können“,
  • für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verständliche Notizen („schriftliche Kompetenz)
  • Integration in das betriebliche Leben des „Open-Doors“-Unternehmens,
  • eine zweite Fremdsprache und
  • interkulturelle Kompetenz, „denn wir sind weltweit unterwegs“.

Schmidt: „Die Praktikumszeit ist kurz! Ich möchte daher auch gerne wissen, welche privaten Interessen es gibt.“ Die Kommunikation per Twitter und Facebook ist eine Selbstverständlichkeit. Frage ist natürlich, ob das betriebswirtschaftliche Wissen den Anforderungen entspricht und sich ein beruflicher Background ins Unternehmen integrieren lässt.

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Die Veranstaltung fand unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität statt.

„Auswertung hatte Hand und Fuß – das macht Spaß!“

Für das Unternehmen analysierte die Praktikantin exzellent ihren Heimatmarkt, präsentierte ihre Ergebnisse hervorragend. Udo Schmidt: „Ihre Auswertung hatte Hand und Fuß – das macht Spaß!“ Und ist damit eine gute Basis für eine längerfristige Verbindung: „Warum soll ich dieses Potential weiterziehen lassen?“

Sehr zufrieden war er auch mit der Zusammenarbeit mit der FernUniversität. Einen Wunsch hat er – wie auch mehrere andere Unternehmensvertreter: Praktika mit mehr als vier Wochen Dauer, die nicht im Sommer liegen, wenn viele Beschäftigte Urlaub haben. Ulrike Baumöl wird klären, ob sich das mit den Semesterzeiten vereinbaren lässt. Generell müssen die Praktikantinnen und Praktikanten sehr gut Deutsch sprechen, größere Mittelständler wünschen aber auch Englisch.

Schmidts generelle Erfahrung ist, dass die Gäste während der ganzen Zeit eine Ansprechperson haben sollten, die sie betreut und die sich „kümmert“. Wichtig ist die Vermittlung kultureller Eigenarten wie der „deutschen Pünktlichkeit“. Und ein Feedback an die Praktikantinnen und Praktikanten, ebenso aber auch an die FernUniversität, ist „ein Zeichen der Wertschätzung und der Fürsorgepflicht gegenüber den Studierenden“.

Sehr zufrieden äußerte sich ebenfalls Berthold Brake, Geschäftsführer der Agri V Raiffeisen eG, über seine erste Praktikantin: „Wir wollten ihr zeigen, wie hier Landwirtschaft betrieben wird. Das ist für Russland sehr interessant. Das Verbraucherverhalten ist ja ganz anders dort.“ Die junge Dame wollte – typisch für die Teilnehmenden der Doppelabschlussprogramme – ihre Chancen auf dem russischen Arbeitsmarkt verbessern. Das Praktikum bei der münsterländischen Agrargenossenschaft wird ihr sicher dabei helfen.

Arbeitswelt und Land und Leute kennenlernen

Wichtig ist für alle Praktikantinnen und Praktikanten, dass sie nicht nur die deutsche Arbeitswelt, sondern auch Land und Leute kennenlernen. Darin waren sich die Unternehmensvertreter mit Prof. Ulrike Baumöl und mit Dietmar Lutzny, der sich als Mitglied der Gesellschaft der Freunde der FernUniversität e.V. für das Programm engagiert, einig.

Dass sich bei bisher 30 Praktikantinnen und Praktikanten auch einmal die eine oder andere Erwartung in der Realität nicht ganz erfüllt hat, liegt in der Natur eines Praktikums: „Die jungen Leute sind ja noch nicht fertig“, gab die Professorin zu bedenken. Sie dankte den Unternehmen, den beteiligten Städten und der FernUniversität sowie der Freundesgesellschaft für die Unterstützung.

In ihrer Einführung hatte sie die Stadt St. Petersburg kurz als bedeutendes, dynamisches und nach Europa zugewandtes Wirtschaftszentrum dargestellt, das für viele deutsche Unternehmen Geschäftsmöglichkeiten bietet. 500 Firmen aus der Bundesrepublik sind dort bereits tätig.

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Mit großem Interesse verfolgten Unternehmensvertreter und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ausführungen von Udo Schmidt.
Gerd Dapprich | 07.09.2015