Jugend studiert: Benjamin Hilprecht (18) hat einen Bachelor in Mathematik

Mit 14 Jahren schrieb sich der Staßfurter an der FernUniversität für Mathematik und Wirtschaftswissenschaft ein. „Es war viel Fleiß dabei.“ Dennoch hatte er Zeit für Sport und Musik.


Urkunde nach bestandenem Abitur ausgestellt

Wie das Abi gelaufen ist? „Ganz gut.“ Wie das Studium gelaufen ist? „Ganz gut.“ – Benjamin Hilprecht gibt sich unprätentiös. Dabei hat der gerade mal 18-Jährige in diesem Jahr seinen Schulabschluss gemacht und seinen Abschluss im Bachelor-Studiengang Mathematik mit Nebenfach Wirtschaftswissenschaft an der FernUniversität in Hagen. Die Bachelor-Urkunde bekam der Staßfurter erst, nachdem das Abiturzeugnis ausgestellt war.

Ein junger Mann sitzt vor einem Laptop: Benjamin Hilprecht hat als Schüler-Student an der FernUni Mathematik studiert.
Abi und B.Sc. in Mathematik: Mit 18 Jahren hat Benjamin Hilprecht bereits einen Uni-Abschluss. Er hatte sich mit 14 an der FernUni eingeschrieben.

Rückblickend räumt er ein: „Es war schon mutig, mich für Mathe und WiWi einzuschreiben.“ Im Alleingang hat der Jungakademiker zunächst sein Akademiestudium absolviert und war später als Jungstudierender zugelassen. Nach viereinhalb Jahren hat er seinen ersten Uniabschluss in den Händen. „Es war viel Fleiß dabei“, lacht er. Trotzdem opferte er nicht seine komplette Freizeit, hatte Raum für Sport und die Musik. Benjamin Hilprecht hat als Gitarrist in einer Coverband gespielt.

Schüler-Studium

Ein Faible für Mathe hatte er immer, nahm über die Schule an Mathe-Olympiaden teil und machte in Klasse 8 bei „Jugend forscht“ mit. Hilprecht hatte eine Software für ein eigenes Netzwerk entwickelt: Funkschleuder. „Es war für eine Handy-Technik programmiert, die heute nicht mehr genutzt wird“, erzählt er. Damals ermöglichte Funkschleuder, ohne Telefonkosten zu chatten und Infos austauschen. „Informatik hätte als Studienfach sicher näher gelegenen“, räumt Hilprecht ein. „Mit einem Mathe-Studium ist man aber breit aufgestellt.“

Ursprünglich wollte Hilprecht Physik studieren, doch das ging an der FernUni nicht. „Die FernUni hat den Vorteil, dass man als Schüler-Student parallel zum Abi seinen Studienabschluss machen kann. Außerdem ist die Flexibilität hier unschlagbar.“

Eine Lerngruppe hatte er während des Studiums nicht. Das nächstgelegene Regionalzentrum, Berlin, war immerhin noch 200 Kilometer entfernt. „Ich habe viel Unterstützung durch meine Lehrer und Lehrerinnen bekommen“, sagt er. Den Rest hat er sich selbstständig erarbeitet – mit dem Faible für Naturwissenschaften und einer gewissen Spürnase: „Man muss logisch argumentieren können, knobeln und nachdenken.“

Duales Studium

Mit dem Potenzial könnte Benjamin Hilprecht auch in die Politik gehen. Immerhin hat er 2014 am Wettbewerb „Jugend debattiert“ teilgenommen und im Bundesfinale die Contra-Position für das Thema „Soll in Berlin ein zentrales Mahnmal für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft in Deutschland errichtet werden?“ eingenommen. Statt ins Plenum setzt sich Hilprecht nun in den Hörsaal und absolviert ab September ein Duales Studium: „Wirtschaftsinformatik ist schon länger mein Wunsch und mit den Kenntnissen aus dem FernUni-Studium habe ich bestimmt eine gute Basis.“ Alle drei Monate wechselt er zwischen Uni und Unternehmen, um so nach insgesamt drei Jahren noch einen Bachelor-Abschluss zu machen. „Man lernt im Fernstudium genauso viel wie an der Präsenzuni, aber ich wollte noch andere Erfahrungen sammeln.“

Anja Wetter | 07.09.2015