Der Traum vom Aufbau eines Fernstudiums in Marokko

Die FernUniversität hat erneut Stipendien für Habilitandinnen vergeben. Wir begleiten die geförderten Wissenschaftlerinnen auf ihrem Weg zur Habilitation. Heute: Mathematikerin Dr. Hafida Laasri.


Auf dem Weg zur Habilitation – heute Mathematikerin Dr. Hafida Laasri

Dr. Hafida Laasri in ihrem Büro
Dr. Hafida Laasri arbeitet im Lehrgebiet Analysis an ihrer Habilitation.

Die FernUniversität in Hagen hat erneut Stipendien für Habilitandinnen vergeben. Wir begleiten die geförderten Wissenschaftlerinnen auf ihrem Weg zur Habilitation. Heute: Mathematikerin Dr. Hafida Laasri, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet Analysis von Prof. Dr. Delio Mugnolo.

Dunkle Wolken hängen über den Campus. Regen trommelt gegen das Bürofenster von Dr. Hafida Laasri. „Ich habe mich daran gewöhnt“, sagt die 34-jährige Marokkanerin. An solchen Schlecht-Wetter-Tagen denkt die Mathematikerin einfach an ihren letzten Strandurlaub in Marokko.

Dort in ihrer Heimat begann im Süden des Landes ihre wissenschaftliche Karriere. Nach ihrem Mathematik-Studium an der Universität Agadir legte Hafida Laasri noch in Marokko den Grundstein für ihre Promotion, kam dann aber über ein DAAD-Stipendium nach Deutschland. „Hier ist das Leben als Wissenschaftlerin einfacher“, vergleicht sie. „Die deutschen Universitäten sind finanziell viel besser ausgestattet. Hier konnte ich die Promotion über ein Stipendium finanzieren. In Marokko muss man das selbst stemmen.“

Gleichungen mit Bezug zum realen Leben

Nach Stationen in Ulm und Wuppertal lebt, forscht und lehrt sie nun seit Anfang des Jahres in Hagen. Die Habilitandinnen-Förderung der FernUniversität bietet ihr beste Bedingungen. Auf das White-Board in ihrem Büro hat sie mit bunten Stiften mathematische Formeln geschrieben. Auch auf ihrem Schreibtisch stapeln sich Zettel und Bücher mit abstrakten Gleichungen. In ihrer Habilitation erforscht Hafida Laasri nichtautonome Evolutionsgleichungen mit Hilfe von Operatorhalbgruppen aus der Funktionalanalysis. Was auf den ersten Blick hochgradig theoretisch klingt und aussieht, hat durchaus einen Bezug zum realen Leben. „Wir wenden Gleichungen der Physik, der Medizin und der Mechanik an“, erklärt die Stipendiatin. „Das macht Spaß.“

„Mathematik ist international"

Das Stipendium bietet ihr aber nicht nur Freiräume zum Forschen, sondern auch zum Ausbau ihrer internationalen Kontakte. Das sei in der Mathematik besonders wichtig. Unter anderem in Frankreich, Italien oder den Niederlanden hat sie geforscht und an Konferenzen teilgenommen. „Mathematik ist international“, betont Hafida Laasri.

An der FernUniversität schätzt sie das internationale Team im Lehrgebiet Analysis um den Italiener Delio Mugnolo sowie die neuen Erfahrungen in der Fernlehre. „Das System gefällt mir unheimlich gut und hat mich überzeugt“, erklärt sie. „Aber ein Fernstudium in Mathematik ist anspruchsvoll. Unsere Studierenden müssen viel arbeiten. Gute Skripte helfen ihnen weiter.“ Und deshalb investiert sie nicht nur viel Zeit in ihre Habilitation, sondern auch in die Aufbereitung der Studienbriefe.

Ihr Traum wäre es, nach ihrer Habilitation als Mathematik-Professorin zurück in ihre Heimat Marokko zu kehren und dort ein Fernstudium aufzubauen. „In Marokko gibt es dieses Angebot nicht“, sagt sie. „Dabei sind die Universitäten stark überlastet. Ein Fernstudium wäre eine sehr gute Alternative.“

Carolin Annemüller | 20.10.2015