Digitale Wende, globale Momente und Historie des Tabus

Professorin Dr. Alexandra Przyrembel leitet als Nachfolgerin von Prof. Dr. Peter Brandt nun das Lehrgebiet „Geschichte der Europäischen Moderne" an der FernUniversität.


Mehr Online-Angebote in der Lehre und Forschungen zur Vielfalt der Moderne

Portrait Alexandra Przyrembel
Prof. Dr. Alexandra Przyrembel ist die Nachfolgerin von Prof. Dr. Peter Brandt.

Die Regale füllen sich nach und nach. Ihr Büro ist noch im Aufbau. Prof. Dr. Alexandra Przyrembel hat jetzt die Leitung des Lehrgebiets Geschichte der Europäischen Moderne an der FernUniversität in Hagen übernommen und ist seitdem auf vielen Baustellen unterwegs.

Die Nachfolgerin von Prof. Dr. Peter Brandt möchte die Lehre virtueller gestalten, in Zukunft soll es mehr Online-Angebote geben. Wie kann die digitale Wende für das Studium der Geschichte sinnvoll genutzt werden? Welche neuen Möglichkeiten bietet das Netz, um komplexe historische Themen innovativ darzustellen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Historikerin mit ihrem Team nicht nur beim Aufbau des neuen Masterstudiengangs zur Geschichte Europas. Darüber hat sie auch mit ihren Studierenden bei der Geschichtswoche diskutiert.

Konferenz zur Geschichte des Kapitalismus

Auch über die Veranstaltung auf dem Hagener Campus hinaus will sie sich regelmäßig persönlich mit ihren Studierenden austauschen. Erste Präsenzveranstaltungen sind in Berlin, Frankfurt und Leipzig terminiert. Im März organisiert sie zudem eine Konferenz zur Geschichte des Kapitalismus in der Moderne im Regionalzentrum Berlin.

„Mir macht der persönliche Austausch Spaß“, sagt Alexandra Przyrembel. „Außerdem ist das eine gute Gelegenheit für die Studierenden, um weiche Skills wie Präsentieren oder Moderieren einzuüben.“ Dabei freut sich die Historikerin insbesondere auf den Kontakt mit den vielen berufstätigen Studierenden der FernUniversität. „Man kommt mit Berufserfahrung ganz anders in ein Studium hinein und lernt dieses anders zu schätzen“, weiß sie aus eigener Erfahrung. Während ihres Geschichtsstudiums arbeitete sie für unterschiedliche Verlage, bevor sie sich komplett auf ihre wissenschaftliche Karriere konzentrierte.

Brücken in die Gegenwart

Wichtige Stationen ihrer Laufbahn waren unter anderem die Promotion zur Geschichte des Nationalsozialismus (Thema „Rassenschande“) an der TU Berlin und die Habilitation zur Geschichte des Tabus an der Universität Göttingen. In verschiedenen Forschungsprojekten hat sie auch immer Brücken in die Gegenwart gebaut. Wie hat sich die humanitäre Hilfe gewandelt? Wie lassen sich gesellschaftliche Tabus aus der Historie heraus erklären? „Angesichts der Flüchtlingskrise und der Migrationsproblematik stoßen diese Fragen momentan auf großes Interesse“, sagt Przyrembel auch mit Blick auf ihr aktuelles Projekt zum Humanitarismus und zur Gewalt in der Moderne.

In Hagen will sie Forschungen zur Vielfalt der Moderne initiieren und dabei den Schwerpunkt auf die heterogenen Prozesse von Modernisierung im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts legen. „Eine solche Analyse geht im Anschluss an die jüngeren internationalen Debatten davon aus, dass Europa nicht mehr als isolierter Raum, sondern in seiner Verflechtung untersucht wird“, sagt Alexandra Przyrembel. „Im Mittelpunkt stehen zentrale Prozesse der Transformation und Interaktion – zum Beispiel die Erfahrung von Krieg und Gewalt, die Deutung der Menschenrechte oder die Wechselwirkung von Kapitalismus und Moral.“

Carolin Annemüller | 27.10.2015