Viel zu entdecken in der Musikkultur

Der Vortrag „Von der unendlichen Vielfalt der Musik: Musik in der Gesellschaft des 19. und 20. Jahrhunderts“ findet am 28. Oktober in der BürgerUniversität Coesfeld statt.


Geschichtswissenschaft schenkt Musik wenig Aufmerksamkeit

Die Geschichtswissenschaft hat der Musik erstaunlich wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei hat sie in der Musikkultur viel zu entdecken. Das will PD Dr. Sven Oliver Müller am Mittwoch, 28. Oktober, in der „BürgerUniversität Coesfeld“ darlegen. Sein Vortrag „Von der unendlichen Vielfalt der Musik: Musik in der Gesellschaft des 19. und 20. Jahrhunderts“ beginnt um 19 Uhr im Regionalzentrum Coesfeld der FernUniversität im WBK – Wissen Bildung Kultur, Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld. Veranstalterin ist die Ernsting's family-Junior-Stiftungsprofessur für Soziologie familialer Lebensformen, Netzwerke und Gemeinschaften (Jun.-Prof. Dr. Dorett Funcke). Zu der Veranstaltung unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität in Hagen sind alle Interessierten eingeladen, der Eintritt ist frei.

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Warum sollten sich Historiker mit Musik beschäftigen? Ist das Mode oder Methode? Die Geschichtswissenschaft hat in der Musikkultur viel zu entdecken. Bislang hat sie der Musik – gemessen an ihrer hohen gesellschaftlichen Bedeutung – erstaunlich wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Zu lange hat sich die Forschung auf ästhetische Fragen konzentriert. Deshalb wissen wir viel mehr über Partituren, Stile und die Musik großer, männlicher und toter Komponisten als über die sozialen und politischen Wirkungen von Musik. Bis heute stellt die Erforschung von musikalischen Aufführungen als Kommunikationsereignis ein Desiderat dar. Um den historischen Stellenwert der Musikkultur in der modernen Gesellschaft im 19. und 20. Jahrhundert zu zeigen, ist ein Perspektivwechsel nötig: weg von der Untersuchung der Musik als Werk – hin zur Wirkung von Musik; weg von der Partitur – hin zur Praxis von Aufführungen. Aus historischer Sicht interessiert Musikkultur, weil für sie und durch sie ein gesellschaftlicher Raum konstituiert wird. Zu zeigen ist, wie Beziehungen in einer Gesellschaft durch Teilnahme an musikalischen Aufführungen geprägt wurden.

PD Dr. Sven Oliver Müller ist seit 2010 Forschungsgruppenleiter am Max-Plack-Institut für Bildungsforschung in Berlin.

Gerd Dapprich | 07.10.2015