„Uns“ definieren – „die Anderen“ konstruieren

Die Hagener Politikwissenschaftlerin Prof. Viktoria Kaina referiert am 10. November in der Vortragsreihe „Europäische Verfassungswissenschaften“. Die Veranstaltung ist öffentlich.


Europäische Identitätsbildung als Problem der Inside-Outside-Modellierung

In der Vortragsreihe „Europäische Verfassungswissenschaften“ des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften hält Prof. Dr. Viktoria Kaina am Dienstag, 10. November, den Vortrag „‚Uns‘ definieren – ‚die Anderen‘ konstruieren: Europäische Identitätsbildung als Problem der Inside-Outside-Modellierung“. Prof. Kaina ist Leiterin des Lehrgebiets Politikwissenschaft 1: Staat und Regieren an der FernUniversität in Hagen. Ihr Vortrag findet unter dem Dach des Hagener Forschungsdialogs der FernUniversität ab 17 Uhr im AVZ-Gebäude, Universitätsstr. 21, 58097 Hagen, Raum B 118 (Kleiner Senatssaal), statt. Alle am Thema Interessierten sind willkommen.

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Kollektive Identitätsbildung basiert auf zwei, sich gegenseitig ergänzenden Bedingungen: nämlich der Definition der Gruppe nach innen und der Abgrenzung der Gruppe nach außen. Beide Bedingungen resultieren aus der Modellierung und Stereotypisierung „kostbarer“ Gemeinsamkeiten, die zu anderen einen Unterschied machen. Doch ungeachtet einer wachsenden Zahl an Forschungspublikation zur Entwicklung einer europäischen kollektiven Identität, ist unser empirisch gesichertes Wissen über die Konstruktion von Gemeinsamkeit und Differenz auf europäischer Ebene begrenzt. Vor allem wissen wir immer noch sehr wenig über die psychologischen Prozesse der Abgrenzung nach außen bei den EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern. Mein Vortrag will sich dieser empirischen Leerstelle nähern. Im Zentrum steht die Frage: Lassen sich im Bewusstsein der EU-Bürger Anhaltspukte für die Grenzziehung zwischen einem supranationalen, europäischen „Uns“ und signifikanten „anderen“ nachweisen? Die Ergebnisse verweisen auf anhaltende Schwierigkeiten, in der EU-Bevölkerung Einigkeit darüber zu gewinnen, wo die Grenzen der EU verlaufen sollen und anhand welcher Kriterien Inklusions- und Exklusionsstrategien begründet werden können.

Moderator der Veranstaltung ist Prof. Dr. Peter Brandt, Direktor des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften, das von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften gemeinsam getragen wird.

Prof. Dr. Viktoria Kaina ist Co-Sprecherin der ECPR Standing Group „Identity“ und u.a. Gutachterin für den European Research Council, die Heidelberger Akademie der Wissenschaften, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und zahlreiche nationale und internationale Fachzeitschriften. Zu ihren Forschungsinteressen zählen Prozesse der europäischen Integration und kollektiven Identitätsbildung in der EU, die Empirische Demokratieforschung und die Politische Soziologie, darunter die politischen Einstellungen und Verhaltensweisen der Bürger, Vertrauen und Eliten. Sie ist Mitherausgeberin von Civic Resources and the future of the European Union, (Routledge 2012 – gemeinsam mit Ireneusz P. Karolewski) sowie von European Identity Revisited: New Approaches and Recent Empirical Evidence (erscheint 2015 bei Routledge – gemeinsam mit Ireneusz P. Karolewski und Sebastian Kuhn).

Gerd Dapprich | 19.10.2015