Audio-Podcast: Fünf Fragen an Prof. Dr. Hans-Jörg Schmerer

Der Volkswirtschaftler schätzt seine Arbeit als Wissenschaftler, weil sie so vielseitig ist. Im Gespräch erzählt er außerdem, was er von seinem letzten Auslandsaufenthalt mitgebracht hat.


Internationale Sichtweise auf ökonomische Probleme

Professor Schmerer baut seit 1. April den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insb. Internationale Ökonomie auf. Im Sommersemester 2016 wird er erstmals Module zur realen Außenwirtschaftstheorie anbieten. Im Interview spricht er über seine Faszination für China, schwärmt von seiner Leidenschaft für Jazzgitarre und wägt die Auswirkungen der Globalisierung ab.

Transkript des Audio-Podcasts

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Liebe Hörerinnen und Hörer,

in unserer Folge „Fünf Fragen an…“ stellen wir Ihnen heute Prof. Dr. Hans-Jörg Schmerer vor. Mein Name ist Anja Wetter.

Professor Schmerer baut seit 1. April den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insb. Internationale Ökonomie auf. Im Sommersemester 2016 wird er erstmals Module zur realen Außenwirtschaftstheorie anbieten.

Herr Schmerer, warum sind Sie Wissenschaftler geworden? Ergänzen Sie doch bitte mal den folgenden Satz: ,Ich schätze meine Arbeit, weil…‘

Ja, so pauschal lässt sich das natürlich sehr schwer beantworten, die Frage, warum bin ich Wissenschaftler geworden. Jedenfalls habe ich mein Studium der Volkswirtschafslehre damals nicht wirklich angefangen mit dem Ziel in die Forschung zu gehen. Sondern mit hat das Thema wirklich interessiert. Was aber dann passiert ist: Viele Professoren bei uns haben es geschafft, die Forschung in die Lehre einzubauen und da habe ich dann recht schnell ein Interesse dafür entwickelt und konnte dann auch in verschiedenen Forschungsprojekten mitwirken am Lehrstuhl. Das hat mich auch fasziniert und so hat sich das dann langsam entwickelt.

Ich schätze meine Arbeit, weil so vielseitig ist. Weil wir wirklich jeden Tag neue Herausforderungen haben, dass man Probleme lösen muss. Was ist wirklich schätze: Dass man das teilweise im Verbund machen kann, das man einen Austausch hat – in Konferenzen, über Arbeitspapiere und das sich dann langsam eine Lösung für all diese Probleme ergibt. Das schätze ich sehr.

Sie beschäftigen sich mit dem internationalen Austausch von Waren und Dienstleistungen. Was haben Sie denn aus dem letzten Auslandsurlaub importiert?

Das ist eine interessante Frage. Ich habe auch lang drüber nachgedacht. Ich muss sagen, ich importiere nichts mehr selbst. Warum? Es gibt ja heutzutage auch alles vor Ort. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass der internationale Handel mittlerweile auch sehr gut funktioniert. Ein Beispiel gibt es doch. Auf meinem letzten Auslandsaufenthalt in England habe ich einen kleinen Teddybären importiert und zwar für meine damals drei Jahre alte Tochter. Ein süßer kleiner Teddybär, ganz typisch verkleidet für London: mit schwarzer Pelzmütze, roter Uniform. Und dieser Teddybär überwacht jetzt das Wohlbefinden meiner Tochter.

Sie haben ja neben VWL auch Chinesisch studiert. Welchen Satz konnten Sie als ersten auf Chinesisch sprechen?

Die Antwort auf diese Frage ist recht unspektakulär. Was wir tatsächlich in dem Kurs als erstes gelernt haben, das waren die Sätze ,Ni hao‘ und ‚Ni hao ma‘. Das kennt heute sehr wahrscheinlich jeder: Guten Tag und Wie geht es Ihnen? Was vielleicht die Besonderheit war, dass wir im Chinesisch-Kurs versucht haben, die Töne richtig auszusprechen und auch die Schriftzeichen gleich gelernt haben. Aber es sind auch wirklich nützliche Sätze, die man im alltäglichen Leben in China auch sehr gut gebrauchen kann.

Damit kommt man in jeder Sprache weiter. Im April sind Sie Vater geworden, an der FernUni bauen Sie gerade Ihren Lehrstuhl auf. Das ist eine ganze Menge. Was tun Sie denn, um zwischendurch den Kopf mal so richtig frei zu bekommen?

Ich hab eine Leidenschaft und das ist die Musik. Das ist ein Hobby, das ich schon sehr lange verfolge. Als Kinde wollte ich immer Jazzgitarre studieren, oder als Jugendlicher. Das war also mein Ziel. Ich hatte also nie vor, Volkswirt zu werden. Allerdings, was dann passierte: Nach meinem ersten China-Aufenthalt waren die Eindrücke einfach so stark, dass ich unbedingt verstehen wollte, wie funktioniert das, wie funktioniert die Volkswirtschaft in China. Und hab mich dann dazu entschieden, mich für den Studiengang Internationale VWL und Sinologie einzuschreiben, hab die Gitarre an den Nagel gehängt – für sehr lange Zeit. Und hab jetzt vielleicht vor zwei, drei Jahren das wiederentdeckt und muss sagen, dass es hin und wieder ganz schön ist, wenn man mal den Kopf frei bekommt. Einfach mal die Gitarre rausnehmen und ein bisschen spielen. Das wäre so das Hobby.

Zum Schluss habe ich noch eine Frage, die uns über Facebook von Studierenden erreicht hat: Was halten Sie von Auswirkungen der Globalisierung, die sich etwa in Abkommen wie TTIP manifestieren?

Das ist ja dann auch genau der Inhalt meiner Vorlesung, die sehr bald in Hagen anbieten werde zum Thema Globalisierung, Handelsliberalisierung. Allgemein denke ich, dass Handelsliberalisierung natürlich immer positiv ist. Dass wir hier tatsächlich positive Wohlfahrtsaspekte erwarten können. Warum? Na ja, einerseits können natürlich die Produzenten mehr Güter exportieren, vielleicht auch teurer am Weltmarkt. Andererseits profitieren auch die Konsumenten durch günstigere Konsumpreise. Also insgesamt natürlich positiv. Das ist auch das, was die Literatur zu dem Thema allgemein sagt.

Andererseits kann man natürlich auch sehen, dass Handelsliberalisierung immer auch mit einem Anstieg der Ungleichheit verbunden sein kann. Auch das beobachtet man real. Dass durch die Handelsliberalisierung einige gewinnen, andere verlieren und dass dadurch dementsprechend die Ungleichheit auch steigt.

Auf TTIP im Allgemeinen: Da gibt es einige interessante Studien, was TTIP uns bringt, ökonomisch gesehen. Das IFO-Institut hat mal berechnet, dass man positive Wohlfahrtsaspekte erwarten kann. Dass Jobs generiert werden durch TTIP. Ich persönlich denke, man sollte noch etwas vorsichtig sein. Es geht ja bei TTIP nicht um eine klassische Handelsliberalisierung, dass Zölle reduziert werden sollen. Sondern eher um einen Angleich von Standards und ob dann die Effekte wirklich so stark sind? Das bleibt abzuwarten. Ich denke, das ist im Moment noch schwierig vorherzusehen.

Ich bin auf Ihre erste Vorlesung gespannt und danke Ihnen herzlich für das Interview.

Anja Wetter | 13.10.2015