Das Zusammenspiel der Kennzahlen

Wie lässt sich der nicht monetäre Erfolg der Hagener Gesellschaft für Wirtschaftsförderung messen? Das untersuchten Studierende in einem Projekt am BWL-Lehrstuhl von Prof. Stephan Meyering.


„Studi-Consulting“: Studierende analysieren HAGENagentur

Eine Gruppe von Menschen steht zusammen: Studierende aus verschiedenen Fakultäten beteiligten sich an dem Studiconsulting-Projekt.
Studierende aus verschiedenen Fakultäten beteiligten sich an dem Studiconsulting-Projekt.

Sie kommen freiwillig, tragen alle Kosten für Anreise, Unterbringung und Verpflegung selbst, erhalten nach der Woche lediglich eine Teilnahmebescheinigung und sind dennoch hoch motiviert: 15 Studierende aus unterschiedlichen Fachrichtungen nahmen in diesem Jahr an dem Projekt „Studi-Consulting“ am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebswirtschaftliche Steuerlehre von Prof. Dr. Stephan Meyering an der FernUniversität in Hagen teil.

Räderwerk Unternehmen

Fünf Tage hatten die Fernstudierenden unter Begleitung des Lehrstuhls Zeit, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft HAGENagentur betriebswirtschaftlich zu analysieren und eine Präsentation der Ergebnisse vorzustellen. „Wir möchten den Studierenden anhand eines Praxisfalles insbesondere einen ganzheitlichen Blick auf Unternehmen nahe bringen. Die Studierenden sollen so die die Zusammenhänge innerhalb des Systems Unternehmen erkennen“, fasst Meyering den Anspruch des Projekts zusammen. „Sie sollen lernen, dass in einem Unternehmen viele Räder ineinandergreifen.“

Instrument zum Kostencontrolling

Übertragen auf die HAGENagentur: Die Projektteilnehmenden gingen der Leitfrage nach, wie das bestehende Kosten- und Leistungssystem mit der Unternehmensorganisation in Einklang gebracht und für die einzelnen Aufgabenbereiche mess- und steuerbare Erfolgskennzahlen entwickelt werden können. Mit den Feldern Netzwerk und Kontakte, Wirtschaftsförderung sowie Stadt- und Tourismusmarketing hat das Unternehmen ein breites Aufgabenspektrum. „Unser Ziel war es, für die HAGENagentur ein Instrument zur besseren Kostenkontrolle zu entwickeln. Dabei sollen die entstehenden Kosten verursachergerecht zugeordnet werden können“, führte FernUni-Student Tobias Rademacher in die Ergebnispräsentation ein.

„Wir sind alle gemeinsam bei null gestartet, haben an einem Thema gearbeitet und am Ende ein Ergebnis erreicht. Das motiviert.“

Kevin Keibel, Student

Ein Mann steht an einem Monitor: Lukas Hädicke präsentiert die Ergebnisse der Unternehmensanalyse.
Lukas Hädicke präsentiert die Ergebnisse der Unternehmensanalyse.
Drei Männer sitzen an einem Tisch: Michael Ellinghaus (li.), Geschäftsführer der HAGENagentur, findet die Ergebnisse aus dem Projekt von Prof. Stephan Meyering (re.) „sehr lehrreich“.
Michael Ellinghaus (li.), Geschäftsführer der HAGENagentur, findet die Ergebnisse aus dem Projekt von Prof. Stephan Meyering (re.) „sehr lehrreich“.

Die HAGENagentur ist eine Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Tourismus, eingerichtet von der Stadt Hagen. Sie übernimmt eine Schnittstellenfunktion zwischen Wirtschaft, Tourismus, Verwaltung und Dienstleistung. Unter dem Dach des Serviceunternehmens steckt das klassische Profil der Wirtschaftsförderung, die sich um leerstehende Immobilien in der Stadt kümmert, Fördergelder akquiriert, Informationen bündelt und aufbereitet sowie Investoren und Projekte zusammenbringt. Darüber hinaus ist ein qualifiziertes Stadt- und Tourismusmarketing verankert. „Es war eine Herausforderung, die verschiedenen Bereiche des Unternehmens sauber voneinander abzugrenzen“, beschreibt Meyering, „denn die HAGENagentur hat eine diversifizierte Aufgabenstruktur.“

Der Blick von außen

„Es war sehr lehrreich. Insbesondere die Ableitung der Effizienzkennzahlen war ein interessanter Ansatz, neben den grundsätzlichen Überlegungen zur Kostenstruktur und zur Organisation.“ Michael Ellinghaus, Geschäftsführer der HAGENagentur, nickt anerkennend. „Man bekommt eine andere Perspektive. Ich werde die Ideen auf jeden Fall den Kolleginnen und Kollegen vorstellen und mit ihnen darüber zu diskutieren.“ Ursprünglich wollte die HAGENagentur Partnerunternehmen für das FernUni-Projekt finden. „Dann aber haben wir uns Gedanken gemacht, dass wir den Blick von außen selbst nutzen möchten. Zudem war es eine gute Gelegenheit, das Projekt kennenzulernen, und in Zukunft gegenüber potenziellen Kooperationspartnern charakterisieren zu können.“

Wertvolle Praxiserfahrungen

„Ich wollte unbedingt Praxiserfahrung im Bereich Consulting sammeln. Dafür ist das Projekt prädestiniert. Es hat sich absolut gelohnt“, sagt Olesja Unruh, die als Vollzeitstudentin im Master-Studiengang Wirtschaftswissenschaft eingeschrieben ist. „Die Teamarbeit war super. Wir sind alle gemeinsam bei null gestartet, haben an einem Thema gearbeitet und am Ende ein Ergebnis erreicht. Das motiviert“, pflichtet Kevin Keibel, ebenfalls Vollzeitstudent Wirtschaftswissenschaft, bei. Bereits zum zweiten Mal nahm Jens Wemhöner teil. „Es war vor zwei Jahren so spannend, dass ich nochmal mitmachen wollte.“ Der Gelsenkirchener hat zunächst Wirtschaftswissenschaft und anschließend Governance an der FernUniversität studiert.

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird es sich lohnen, die Entwicklungen in der HAGENagentur zu verfolgen. „Ich denke, das eine oder andere wird sich im kommenden Jahr bei uns wiederfinden“, prognostiziert Ellinghaus. Das ist der vielleicht wertvollste Lohn für die Woche, in die die Studierenden freiwillig Zeit und Geld investiert haben.

Anja Wetter | 23.10.2015