Bildung – wofür und wohin?

Rund 250 Teilnehmende kamen am UNESCO-Welttag der Philosophie zum Symposium der FernUniversität.


Wissenschaftler nehmen politische Bildung und schulische Praxis in den Blick

Prof. Dr. Thomas Bedorf
Prof. Dr. Thomas Bedorf vom Institut für Philosophie hieß rund 250 Teilnehmende willkommen.

Bildung ist in aller Munde. Sei es, weil die Bildung und ihre Institutionen in der Krise sind, sie zur Integration beiträgt oder unter dem Stichwort des „lebenslangen Lernens“ rege diskutiert wird – um nur einige Gründe zu nennen. Bereits zum achten Mal war die FernUniversität in Hagen am Welttag der Philosophie mit einem Thema von großer öffentlicher Relevanz vertreten: „Bildung – wofür und wohin?“.

Wie richtig das Institut für Philosophie erneut mit der Themenwahl lag, zeigte die überwältigende Resonanz. Rund 250 Teilnehmende setzten sich kritisch mit dem Bildungsbegriff aus philosophischer Sicht auseinander, darunter wieder einmal viele Studierende. Mit dem Welttag endete traditionell die Hagener Woche der Philosophie. Gekommen waren aber auch zahlreiche Philosophie-Kurse von Schulen aus Hagen und Umgebung.

Förderung von Toleranz und Frieden

Seit 2002 feiert die UNESCO jedes Jahr den Tag der Philosophie am dritten Donnerstag im November. Die UNESCO-Generalkonferenz erhob diesen Tag 2005 in den Rang eines offiziellen Welttags und erinnert in einer Resolution daran, „dass Philosophie als Disziplin zum kritischen und unabhängigen Denken ermutigt und auf ein besseres Verständnis der Welt hinwirken und Toleranz und Frieden fördern kann.“

Illustration
Gekommen waren zahlreiche Schülerinnen und Schüler von Schulen aus Hagen und Umgebung.

Darauf verwies FernUni-Rektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer in seiner Begrüßung mit Blick auf die Terroranschläge von Paris. Bei den Fragen nach den Ursachen seien die Philosophie und das kritische Denken gefordert. Bianca Bilgram von der Deutschen UNESCO-Kommission knüpfte daran an: „Bildung ist der Schlüssel für nachhaltige Entwicklung und die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern.“ Auch in der aktuellen Flüchtlingsdebatte dürfe man nicht vergessen, dass Bildung als Grundrecht in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert sei.

Vorträge und Diskussionen

Was Bildung ist, wer sie braucht und was sie bedroht, umriss Prof. Dr. Hubertus Busche vom Institut für Philosophie der FernUniversität in seinem Vortrag, während Gastreferent Dr. Michael Spieker von der Akademie für politische Bildung in Tutzing die politische Bildung in den Mittelpunkt stellte. Besonders zielgruppengerecht war angesichts der vielen teilnehmenden Schülerinnen und Schüler der anerkennungstheoretische Blick der beiden Hagener Philosophen Prof. Dr. Thomas Bedorf und Dr. Steffen Hermann auf die schulische Praxis. Mit großer, engagierter Beteiligung der Schülerinnen und Schüler verlief die abschließende Podiumsdiskussion, in der vielfach kritisch der Bedarf nach mehr freier Reflexion im schulischen Bildungskontext geäußert wurde.

Illustration
Zum ersten Mal in Hagen zu Gast: Bianca Bilgram von der UNESCO hatte einen guten Draht zu den vielen Schülerinnen und Schülern.

Wie vielfältig und unterschiedlich die Auffassungen von Bildung sind, zeigten neben den Vorträgen auch die Diskussionsrunden und die vielen Gespräche am Rande der Veranstaltung. „Bildung ist für mich die Aneignung von Wissen. Sie sollte für alle zugänglich sein, die sich Bildung aneignen wollen“, sagte etwa Sarah Schreckenberg (16) von der Hagener Hildegardis-Schule.

Mutige Fragen stellen

Doch gerade im Hinblick auf den Zugang von Bildung bleibt viel zu tun. „58 Millionen Kinder und 63 Millionen Jugendliche weltweit gehen nicht zur Schule“, stellte UNESCO-Botschafterin Bianca Bilgram heraus und forderte angesichts dieser Zahlen die Teilnehmenden dazu auf, sich weiter mit dem Thema „Bildung“ auseinanderzusetzen und „mutige Fragen zu stellen“.

Wer die Veranstaltung verpasst hat, kann sich die Aufzeichnungen anschauen.

Carolin Annemüller | 26.11.2015